Playmobil-Legionäre

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Zum Varus-Jubiläum nach Haltern am 06.10.2009

Um es vorweg zu nehmen – der (rekonstruierte) Kopf des Varus wurde den Civilisten vorenthalten. Dafür wies Kaiser Augustus höchst persönlich den Weg, sein Haupt mit der abgebrochenen Nase führte die Besuchsgruppe des Civilclubs am 6. Oktober schnurstracks zur Seestadthalle, die das „Imperium“ mit Beschlag belegt hatte. Ein bisschen eng war´s schon, das „Imperium“ in dieser Veranstaltungshalle, die zum Museum umfunktioniert worden war. Umso mehr staunten die Besucher über die Fülle von Originalen aus den führenden Museen Europas – diese Fülle vermochte einen Eindruck davon zu vermitteln, wie machtvoll und prachtvoll sich das Römische Reich in all seinen Provinzen präsentierte.

Natürlich Caesar und dann Augustus, der das Imperium auf den Höhepunkt der Macht führte. Davor lag ein langer Bürgerkrieg, in dem Kleopatra wieder einmal eine Rolle spielte, nachdem sie Jahre zuvor schon Caesar bezirzt hatte – sie muss wirklich eine bemerkenswerte Frau gewesen sein. Kaiser Augustus führte das goldene Zeitalter ein, das die Besucher regelrecht betreten konnten: Nach den schwarz ausgeschlagenen Räumen erwartete sie ein hoch gewölbter Rundbau in leicht goldigem Licht. In der Mitte Apoll, Gott der schönen Künste und zugleich Schutzpatron des Augustus. Immer wieder wird auch die kaiserliche Familie in mächtigen Statuen vorgeführt, denn Frauen und Töchter dienten in erster Linie zur Festigung der politischen Macht.

Varus, der mit seiner spektakulären Niederlage vor 2000 Jahren diese Ausstellungen initiiert hatte, widmeten sich mehrere Darstellungen, die deutlich machten, dass er in der römischen Aristokratie zu Hause und in das Kaiserhaus integriert war, keineswegs ein Außenseiter und Versager war, als der er später hingestellt wurde.

Nach der Seestadthalle blieb noch Zeit für einen Abstecher ins eigentliche Römermuseum, wo natürlich die 15 000 Playmobil-Legionäre der Gag waren, die kreuz und quer durch die Halle zogen, mit Tross und Ambulanzen, unerreichbar hoch oder unter Plexiglas abgedeckt. In der Mitte der Halle lagen die Überreste eines römischen Frachtschiffs, wie sie auch die Lippe befuhren. Schließlich war Haltern mit seinem großen Militärlager auch der wichtigste Versorgungshafen für die römischen Truppen in Germanien.

Erhard Obermeyer