Carolus Magnus - Baumeister Europas

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Fahrt zur Karls-Ausstellung in Aachen vom 15. bis 17. September 2014

Man kann es gleich vorwegnehmen: Unsere Erwartungen in die Fahrt nach Aachen wurden nicht enttäuscht. Karls Tod in seiner Pfalz in Aachen jährte sich am 28. Januar dieses Jahres zum 1200sten Mal. Die Aachener Ausstellung umfasste drei Themenkreise in drei Gebäudekomplexen: Im historischen Rathaus, im neuen Centre Charlemagne am Katschhof sowie in der Aachener Domschatzkammer.

Die Führung am Montagnachmittag im Krönungssaal des historischen Rathauses machte uns mit der Herrschaft Karls als fränkischer König und als „abendländischer Kaiser“ vertraut. Die Museumsführerin erläuterte zunächst die Voraussetzungen und Grundlagen der Macht Karls, d. h. die frühmittelalterliche Agrarstruktur des fränkischen Reiches, das Wanderkönigtum des Herrschers ohne zentralen Herrschaftsort, die Bedeutung der fränkischen Panzerreiter als Grundlage der militärischen Stärke der Franken.

Die Museumsführung wandte sich sodann dem Selbstverständnis Karls als fränkischer Kriegskönig und schließlich als christlich-römischer Kaiser zu. Die Grundlagen der karolingischen Herrschaft und das Selbstverständnis Karls manifestierten sich in zeitgenössischen Exponaten der Ausstellung, wie in Urkunden, Münzen, Waffen sowie Kunstgegenständen. Aber auch Filme versuchten, die Herrscherpersönlichkeit Karls in seiner Zeit zu erklären. Karl, wiewohl als König und Kaiser auf den Westen und die Mitte Europas sowie den Norden Italiens beschränkt, verstand sich als universaler Herrscher in der Nachfolge der römischen Kaiser, jedoch darüber hinaus fest verankert im Heilsplan Gottes und deshalb eng verbunden mit dem Papsttum in Rom. Er nannte sich seit dem Jahr 800 „Carolus (…) augustus a Deo coronatus magnus pacificus imperator Romanorum gubernans imperium …“ (Karl, erhabener Augustus, von Gott gekrönt, großer, Friede bringender Kaiser, der das römische Reich lenkt.)

Der letzte Teil der Ausstellung im Rathaus widmete sich der Instrumentalisierung Karls in späteren Zeiten. Angesichts der historischen Bedeutung Karls konnte es nicht ausbleiben, dass Herrscher nachfolgender Jahrhunderte ihre Macht in der Nachfolge Karls sehen wollten und ihre Herrschaft mit ihm legitimierten. So veranlasste z. B. Barbarossa im Jahre 1165 die Heiligsprechung Karls, um die Heiligkeit des Karolingers auf seine eigene Herrschaft strahlen zu lassen.

Die Führung durch den Aachener Dom am Dienstagnachmittag öffnete noch einmal den Blick für das Zeitverständnis Karls d. Gr., die Verschmelzung von Antike und Christentum in Erwartung der nahenden christlichen Endzeit. Stellvertretend für die Antike stehen u. a. die antiken Säulen und der kaiserliche Thron aus antiken Bodenplatten. Die beiden vergoldeten Schreine, der Karlsschrein und der Mariaschrein, symbolisieren jedoch für uns die christliche Zeit.

Der Besuch der Schatzkammer mit der Ausstellung „Verlorene Schätze“ beschloss den historisch-kunstgeschichtlichen Teil unserer Aachen-Reise. In der Domschatzkammer waren religiöse Kunstgegenstände ausgestellt, die einst zum Aachener Domschatz gehört hatten, jedoch im Laufe der Jahrhunderte „verloren“ gegangen waren: verschenkt, verkauft, geraubt. Die Exponate entstammen dem Mittelalter des 9. bis 15. Jahrhunderts. Äußerlich betrachtet, zeugen sie z. T. von exzessiver Prachtentfaltung der Auftraggeber und von hochentwickelter Kunstfertigkeit der Künstler. Der moderne Betrachter steht staunend vor ihnen, öffnen sie doch den Blick für ein Merkmal der mittelalterlichen Menschen: Ihre Sorge um ihre jenseitige Existenz und ihr Bemühen, Außerordentliches zu leisten um „das Heil ihrer Seelen“ willen.                                                                    Renate Loos

Viel Natur und Fachwerkidylle
Der dritte Tag unseres Kurztrips führte uns bei sommerlichem Wetter von Aachen über Eupen (Regierungssitz der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens) ins Hohe Venn, einen Naturpark zwischen Aachen und Monschau. Dieses Naturzentrum liegt idyllisch inmitten des Hertogenwaldes in unmittelbarer Nähe zum größten belgischen Naturreservat „Hohes Venn“. Hier erkundeten wir ein naturkundliches Venn- und Waldmuseum, ein Aboretum mit Moorbeet, einen Kräutergarten und einen geologischen Lehrpfad.  Bei einer 20-minütigen Filmvorführung konnten wir verfolgen, wie intensiv Landschaftsschützer sich bemühen, das Hohe Venn und die Moorlandschaft zu renaturieren. Die 300 Quadratmeter große Ausstellungsfläche im „Haus Ternell“, einem ehemaligen Forsthaus, zeigt in mehreren Vitrinen eine große Anzahl von ausgestopften Tieren und Pflanzen in ihrem natürlichen Umfeld. Auch blieb uns noch Zeit, den Aufenthalt zu einem Waldspaziergang oder einer Pause im Sonnenschein zu nutzen.

Nach einer kurzen Busfahrt durch diese waldreiche Gegend erreichten wir zur Mittagszeit die ehemalige Tuchmacherstadt Monschau (bis 1918 Montjoie). Schon hinter der Stadtgrenze bewunderten wir die zahlreichen hervorragend erhaltenen Fachwerkhäuser mit dem einzigartigen „Roten Haus“. Bei einem Fußweg durch den Luftkurort merkten wir, dass sich der kleine Fluss „Rur“ neben den Straßen schlängelt, erfreuten uns an sehenswerten Haustüren, Fassaden und Giebeln. Bei der Fahrt mit der „Bimmelbahn“ merkten wir, dass die Stadt mit ihren Bruchsteinbauten in einem Talkessel liegt. Sehenswert waren das „Rote Haus“ (1756), einst erbaut von einem Tuchfabrikanten, der Holzmarkt mit dem Amtshaus (1663) und das Rathaus (1654).                                Margarete Franz

Kleine Ergänzung: An einer Hauswand in Monschau war zu lesen „erbaut im Jahre der Befreiung 1930“, was großes Rätselraten auslöste. Denn die Nazi-Truppen sind erst 1935 ins entmilitarisierte Rheinland einmarschiert. Bei Wikipedia kann man nachlesen, dass sich im Jahre 1930 die französischen Truppen zurückgezogen haben. Was als Versöhnungsgeste gegenüber dem Deutschen Reich gedacht war, wurde im nationalistischen deutschen Überschwang wie ein Sieg gefeiert.      E.O.