Westfalen muss um seine Zukunft kämpfen

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Vortrag im CC am 3. November 2015

Eigentlich habe er ja eine Doppelidentität, bekannte Dr. Peter Paziorek, er sei Ruhri und gleichzeitig Ruhrwestfale. Und das zeigte bereits die Problematik des Themas auf:

Buer, seine Geburtsstadt, ist Teil des Ruhrgebiets, gehört aber eben auch zu Westfalen, wie auch Dortmund oder Recklinghausen. Diese Zuordnungen können es heute so schwierig machen, wenn sich Westfalen gegenüber dem bevölkerungsreichen Ruhrgebiet und dem wirtschaftlich dominierenden Rheinland behaupten will. Peter Paziorek, Vorsitzender der Westfalen-Initiative, lenkte bei seinem Vortrag am 3. November im Civilclub das Interesse zunächst auf die Anfänge Westfalens, die eng mit den Sachsenkriegen und Widukind verbunden sind. Aber Westfalen sei damals eine militärische Organisation gewesen, keine staatliche.

Ende des 12. Jahrhunderts wurde dann tatsächlich ein Herzogtum Westfalen ins Leben gerufen – ausgerechnet im heutigen Hochsauerlandkreis: „Sonst wäre der Name Westfalen untergegangen.“ Immerhin gestand er den Einwohnern zu, ein landsmannschaftliches Bewusstsein als Westfalen gehabt zu haben. Und dann kam Preußen – Stein und Blücher 1804 als Vorhut und 1815 die Gründung der Provinz als ein Ergebnis des Wiener Kongresses. Diese Provinz als Teil eines starken Preußens sei eindeutig gegen Frankreich gerichtet gewesen. Die Gründung des Landes NRW durch die britische Besatzungsmacht ist bekannt.

Peter Paziorek, der vor den zahlreichen Zuhörern eine Fülle von Details und Informationen ausbreitete, hielt den Westfalen auch den Spiegel vor: Manchmal entstehe der Eindruck, dass sie mit dem, was sie erreicht hätten, zufrieden seien. „Das muss kritisch gesehen werden.“ Denn Westfalen befinde sich seit einigen Jahren in einem Aufholprozess, Westfalen müsse sich auf eigene Stärken besinnen, wozu beispielsweise der starke Mittelstand gehöre, die vielen Hidden Champions, die dafür sorgen, dass Westfalen in Europa als Marke wahrgenommen werde.

Die eigentliche Herausforderung entstehe jetzt, weil die Landesregierung im Lande zwei Metropolregionen etablieren wolle, natürlich das Rheinland und eben auch das Ruhrgebiet. Spannende Frage: Was passiert mit dem Rest? Mit Münster, Bielefeld, Enschede und Osnabrück? Die das Zeug zu einer Metropolregion hätten, aber sei das auch politisch gewünscht? Könne man dieses Gebiet als Region definieren, und was geschehe mit dem Rest, mit dem südlichen Westfalen? Peter Paziorek redete nicht drum herum: „Hier muss ich passen, es gibt kein belastbares Ergebnis.“ Auf jeden Fall: Bis zum 15. Januar 2016 sollen Verbände, Kommunen und Institutionen Stellung beziehen, auch die Westfalen-Initiative. Und ab 2020 werden die Metropolregelungen realisiert. Westfalen muss für seine Zukunft kämpfen!                   E. O.