Ruth Weiss - Leben für Menschenrechte

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Damenkaffee am 10. November 2015

Bewundernswert diese Frau Ruth Weiss, mit 91 Jahren geistig fit und rege wie eh und je, die Erinnerungen an ihr abenteuerliches Leben sprudeln nur so aus ihr heraus,

aber auch anrührend wie sie da sitzt beim Damenkaffee, mit weißen Haaren, leiser Stimme (Mikrofonanlage) und einer Rekordbeteiligung an Zuhörern (45). Das erste war ein Protest: „Ich bin nicht in Bayern geboren, sondern in Franken.“ Nämlich in Fürth, als Ruth Loewenthal. „Bis 1933 waren wir Juden in Fürth gleichberechtigt“, dann kamen die Nazis und der Judenhetzer Schleicher als Gauleiter, „der war ein Schock“. Was sie über die Schulzeit berichtet, war erschütternd – von einem auf den anderen Tag hatte sie keine Freunde mehr. Die Familie emigrierte denn auch bald nach Südafrika, in das Land, in dem die Apartheid gesetzlich geregelt war, in dem Afrikaner keine Rolle spielten, in dem sie als Weiße plötzlich privilegiert war. Sie musste erleben, dass Schwarze nicht als Personen galten, nicht als Menschen, sie waren einfach „boy“ oder „girl“, es war eine „Menschen verachtende Gesellschaft“.

Ruth Weiss hat viele Jahre als Journalistin gearbeitet, selbst heute noch, sich dabei einen Namen gemacht, und immer wieder die Orte und Länder gewechselt, zwischen Afrika, Großbritannien und Deutschland. Sie war beteiligt, in Südafrika Weiße und Schwarze zusammen zu bringen, kannte Nelson Mandela und stand wegen ihrer Anti-Apartheid-Aktivitäten auf der Schwarzen Liste der Regierung. Sie gehörte zur weißen Opposition. Sie hat sich immer eingemischt, Stellung bezogen. Auch in ihrem Vortrag in Münster übt sie scharfe Kritik an einigen schwarzen Politikern.

Nach ihren vielen Ortswechseln erfolgte 2002 der Umzug nach Lüdinghausen, das sie jetzt aber auch schon wieder verlassen hat, sie wollte zu ihrem Sohn nach Dänemark. Ruth Weiss hat viele Bücher geschrieben, Sachbücher aber auch Romane, die zum Teil in die Pflichtlektüre der Schulen aufgenommen sind. Ihr Leben wurde im ZDF porträtiert und im Spiegel. Und sie wurde vor einem Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt und 2005 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Eine bemerkenswerte Frau.

In Lüdinghausen hat Ingrid Eckardt sie kennen und schätzen gelernt, die jetzt die Verbindung zum Civilclub herstellte. Danke dafür. Dr. Mariana Durt kennt die große alte Dame seit mehr als 30 Jahren, die ersten Kontakte ergaben sich in Harare, der Hauptstadt vom Zimbabwe, wo Mariana Durt damals ein Jahr lebte. Auch ihr Mann Dr. Matthias Sauter lernte die engagierte Kämpferin für Menschenrechte dort ken­nen. Sie haben uns allen einen hoch interessanten, zugleich ergreifenden Nach­mittag beschert.

Es war eine einmalige Gelegenheit, Weltgeschich­te im Original zu erleben.
E. O.