Giacometti - der Meister der extremen Länge

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Ausstellungsbesuch am 16. November 2015

An diesem Künstler scheiden sich die Geister: „Seine Frauen sind mir zu klapperdürr“, befand ein Civilist, der dann auch an dem Besuch der großen Giacometti-Ausstellung im Picasso-Museum nicht teilnahm. 60 andere Civilisten waren, wenn auch nicht begeistert, so doch tief beeindruckt von der Ausstellung und von der kompetenten Führung.

„Ich würde gern die Frauen als eine Marilyn Monroe geben, aber immer geraten sie mir länger und länger“, bekannte der Schweizer Künstler selbst über seine überdimensional schlanken und langen Skulpturen, die zu seinem Markenzeichen wurden. Bis dahin hatte er aber schon einen weiten Weg hinter sich.

Alberto Giacometti entstammte einer Schweizer Künstler-Familie, verbrachte die prägenden Jahre in dem belebenden Pariser Milieu, war mit Picasso bekannt, wenn auch nicht befreundet. Die beiden könnten durchaus als Antipoden gelten, erzählte die beredte Führerin, denn während Picasso mehr als selbstbewusst war, galt Giacometti als Zweifler, der auch schon mal Arbeiten am nächsten Tag wieder zerstörte. In Paris war er der reinste Workaholic, der in einem regelrechten „Loch“ (Atelier genannt) wühlte, ohne Heizung und Klo, mit Kippen und Kaffee zum Frühstück. Ein Wunder, dass er überhaupt eine Frau gefunden hat.

Giacometti gilt als Bildhauer, die Ausstellung führte ihn jedoch als Zeichner ein – „würde man das Zeichnen nur ein wenig beherrschen, würde alles andere gelingen“. In Paris fand er dann zu den Surrealisten („einzige Künstlergruppe, wo etwas los ist“), einige Skulpturen belegen diese Phase, bis er sich von dieser Stilrichtung lossagte und zu den in die Länge gezogenen Figuren fand. Für die Biennale 1956 in Veneding schuf er einen ganzen Zyklus von Frauen, auf die das Eingangszitat wohl zutrifft. Er suchte in dem scheinbar Bekannten immer das Unbekannte, das war ihm der eigentliche Sinn seiner Kunst. Insofern lassen seine Skulpturen auch vielfältige Interpretationen zu. Der Künstler gehört inzwischen zu den teuersten der Welt.
Den Abschluss dieses Rundgangs bildete der große Hund, immer wieder abgebildet geradezu als Markenzeichen für Giacometti – „man kann richtig mit ihm fühlen, so ausgezehrt ist er“. Es schloss sich noch ein kleiner Abstecher zu Picasso und seinen Kinderbildern an.

Ein hoch interessanter Nachmittag, für den wir Manfred Niehoff herzlich danken dürfen. 60 Teilnehmer zu managen, das erfordert schon großes Geschick. Als positiv erwies sich der Montag, der eigentliche „Museumssonntag“, der sich als zusätzlicher Ausstellungstag noch nicht so rumgesprochen hatte.                     E. O.