Die fremde Welt der Ikonen

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Damenkaffee am 12. Januarr 2016

Wenn es um das Thema Ikonen geht, ist Dr. Alfons Wohlgemuth ein wahres wandelndes Lexikon, ein überquellendes.

Liebevoll beschreibt er die religiösen Gemälde, macht auf Details aufmerksam, weiß die Namen auf Russisch und Griechisch, kennt die Herkunft und die Geschichte der einzelnen Werke – er schöpft aus einem schier unerschöpflichen Fundus, wie jetzt beim Damenkaffee am 12. Januar 2016, der mit etwa 35 Teilnehmern sehr gut besucht war, darunter ein Drittel Herren. Das spricht für die Attraktivität des Themas und des Referenten.

Alfons Wohlgemuth, der aus dem ostpreußischen Allenstein stammt, hat 37 Jahre als Chirurg in Warendorf gearbeitet und nach seiner Pensionierung mit dem Studium der Ikonenmalerei begonnen, hat selbst Ikonen restauriert („die Feinmotorik war ja gut ausgebildet“), hat Theologien studiert, vor allem auch die orthodoxe. So spannte er vor den interessierten Zuhörern einen weiten Bogen der Ikonenmalerei aus, in dessen Mittelpunkt die Mutter Gottes steht: In der Geburt des Gottessohnes offenbare sich die Liebe Gottes zur Menschheit, die Ausdruckskraft der Darstellung beruhe auf der Durchgeistigung.

Um das Jahr 450 soll die erste Ikone in Jerusalem gemalt worden sei, vielleicht war sogar der Evangelist Lucas nicht nur Arzt, sondern auch Maler: „Damit konnte ich mir ein gutes Vorbild nehmen.“ Diese Ikonen haben viel zu erzählen, sie beinhalten komplexe theologische Programme, sind Ausdruck der Heilsgeschichte. Wobei es immer wieder Details gibt, die der Ungeübte vielleicht gar nicht bemerken würde – wie der herausgedrehte nackte Fuß des Jesuskindes, so dass die Fußsohle zu sehen ist. Das war vor zwei Jahren schon im Ikonenmuseum in Recklinghausen ein heftig diskutiertes Phänomen. Manche Ikonen erzählen eine Heilsgeschichte in verschiedenen Stationen gleichzeitig auf einem Gemälde - für uns Nicht-Ikonen-Spezialisten eine fremde, aber faszinierende Welt.

Der Referent, selbst Sammler von Ikonen, hat erst im vorigen Jahr eine gut besuchte Ausstellung von Marien-Ikonen in Warendorf organisiert. Er hat viele Vorträge und Referate gehalten, Monographien dazu geschrieben und schöpft dazu auch aus einem umfassenden biblischen und theologischen Wissen. Und dieses Wissen war beeindruckend und schier überwältigend. Was dann auch die Zuhörer mit langem Beifall als Dank bedachten, dem Rosemarie Schulze noch mit einer Flasche Wein einen exquisiten Geschmack verlieh.