Den da-Vinci-Code geknackt

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Damenkaffee am 9. Februar 2016

Es war wie immer faszinierend: Professorin Dr. Claudia Echinger-Maurach lehrte uns sehen.

Ja richtig gelesen, wir schauen ein Bild an, erkennen aber wohl nur das farbig Vordergründige, während die Kunsthistorikerin dahinter blickt und damit ein Bild auf wunderbare Art zum Sprechen bringt. Aber der Reihe nach.

„Ich möchte einen Vortrag über Frauen halten, muss aber mit einem Mikrofon für Herrn vorlieb nehmen.“ In der Tat, das „Krawattenmikrofon“ zeigte so seine Tücken, die die Referentin beim Damenkaffee am 9. Februar aber mit Geduld meisterte. Sie nahm die zahlreichen Zuhörer (an die 60!) mit in die Welt des Leonardo da Vinci und der Frührenaissance, in der der Ausnahmekünstler eine völlig neue Art von Porträts schuf, wenige nur, die sich aber von den damals gängigen Bildern grundlegend unterschieden. Aber zu welchem Zwecke wurden diese Porträts gemalt, die nicht für die Wand bestimmt waren? „Vielleicht dienten sie dem Toten Gedenken oder dem Erinnern, wenn eine Tochter die Familie verlies.“

Leonardo setzte seine Frauen in eine Landschaft, die er geradezu naturwissen­schaftlich entwickelte, mit den Licht Einwirkungen und den damit korrespondierenden Farben. „Er hat die Naturgesetze in Kunst umgesetzt“, erklärte die Kunsthistorikerin und ergänzte schelmisch, dass sie damit den da-Vinci-Code geknackt habe, aber richtig.

Natürlich tauchte in diesem Reigen hoch stehender und gebildeter Frauen auch die berühmte Dame mit dem Hermelin auf, die im Verlauf der ungeheuerlichen Raubkunstaktion Beute der Nazis wurde, mehrfach den Ort wechselte, so dass nach dem Kriege das Krakauer Museum erklärte, dass das Bild für Deutschland tabu sei. Und dennoch konnte es 2011 wieder in der Ausstellung Gesichter der Renaissance in Berlin gezeigt werden. Ein unglaublich spannender Kunstkrimi, den Claudia Echinger-Maurach vor den gebannt lauschenden Zuhörern aufschlüsselte. Schließ­lich das berühmteste Bild aller berühmten Bilder, die Mona Lisa, das Porträt aller Porträts, das 1519 beim Tode von Leonardo wohl nicht fertig war, obschon er 15 Jahre daran gemalt hatte, und nie abgeliefert wurde. Mit dessen faszinierenden da-Vinci-Code haben sich ganze Generationen von Kunsthistorikern auseinander gesetzt, und dennoch bleibt das Phänomen der Mona Lisa ein Geheimnis. Sympathisch ehrlich, dass die Referentin meinte, sie könne auch nicht alle Fragen beantworten, obschon sie sich ihr „halbes Leben“ mit diesem Genie beschäftigt hat.