Energiewende - Kraftakt wie beim Wiederaufbau

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Vortrag im CC am 9. März 2016

„Dieser Vortrag wird nicht vergnügungssteuerpflichtig“, stimmte Dr. Norbert Ohlms die Zuhörer auf viele unbequeme Wahrheiten ein:

Energiewende und Versorgungssicherheit der Stromversorgung war das Thema (im Civilclub am 9. März 2016) des versierten Fachmannes, den die Energiewirtschaft mehr interessiert als jeder Krimi. An der Dekarbonisierung der Stromerzeugung („das ist eine Revolution“) führe kein Weg vorbei, wenn auch die Enkelkinder noch eine lebenswerte Erde vorfinden wollten – Schlagwort CO² -Reduzierung, wofür sich die Bundesrepublik ehrgeizige Ziele gesetzt habe.

Unser Wohlstand basiere auf billiger Energie, überall gebe es einen erhöhten Energieverbrauch. Mit den Folgen für unser Klima – „die Klimakatastrophe wird unser gesamtes Leben verändern.“ Wobei sich das nicht in ferner Zukunft abspiele, sondern die Veränderungen hätten längst begonnen.

Gleichzeitig habe sich diese Politik der Einsparung bis jetzt als „Luftnummer“ erwiesen, weil der Anteil der Kohle bei der Erzeugung genau so hoch sei wie früher. Die erneuerbaren Energien von Wind und Sonne müssten die Kernenergie ersetzen, aus der die Bundesregierung definitiv nach der Katastrophe von Fukushima den Ausstieg festgesetzt habe. Das habe aber zu einem enormen Anstieg der Strompreise geführt, weshalb die Akzeptanz problematisch geworden sei. Andererseits seien Wind und Sonne nicht regulierbar, so dass weiterhin konventionelle Kraftwerke („Schattenkraftwerke“) vorgehalten werden müssten. Problematisch wirke sich aus, dass die niedrigen Preise der Leipziger Strombörse für moderne (Gas)Kraftwerke unattraktiv seien, so dass diese abgeschaltet würden. Mit fatalen Folgen: „Glauben Sie, ein Betreiber würde auch nur 1 Euro investieren, nachdem sie Milliarden in den Schornstein schreiben mussten?“ Damit werde die Versorgungssicherheit radikal gefährdet.

Hinzu kommt eine weitere paradoxe Situation. Bei idealen Bedingungen produzierten die Wind- und Solaranlage mehr Strom als gebraucht werde, mit der Folge, dass er billig ins Ausland exportiert werde. Dringend erforderlich seien deshalb leistungsfähige Speicher, die heutigen Batterien könnten noch keine Sicherheit bieten. Stromversorgung – wirtschaftlich, umweltverträglich und sicher: Alle drei Komponenten zusammen hakten.

Dr. Norbert Ohlms ließ keinen Zweifel daran, dass die Energiewende aus betriebswirtschaftlicher Sicht das Schlimmste sei, was man sich vorstellen könne, aber aus Umweltgründen gebe es keine Alternative dazu. Man sollte aber auch so ehrlich sein, dass diese Wende teuer werde. Für die Energiewende bedürfe es einer ähnlichen Anstrengung wie beim Wiederaufbau Deutschlands nach dem letzten Krieg.

Angesichts des komplexen technischen Themas gab es nur eine kleine Diskussionsrunde, überhaupt schien das Thema viele Civilisten abgeschreckt haben: Die Anwesenheitsliste beweise wieder mal, dass der Civilclub ein schöngeistiger Verein sei, hatte der Präsident vor Beginn festgestellt.                                          E. O.