Studienreise zwischen Geschichte und Kultur

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Reise des CC vom 01.05. bis zum 07.05.2016

Die französische Festung mit dem deutschen Namen „Schoenebourg“, Teil der starken Maginot-Linie, kann im Gegensatz zum Mutterland beanspruchen, vom deutschen Aggressor 1940 nicht besiegt worden zu sein.

1978 kaufte ein Verein das Werk vom Staat, setzte die weitläufige unterirdische Militärstadt wieder in Stand und lässt Besucher eintauchen in diese Atmosphäre von Schutz und Klaustrophobie – wie müssen sich die Soldaten gefühlt haben, die hier monatelang ausharren mussten? So nutzlos, wie sich die Maginot-Linie im Zweiten Weltkrieg erwies, so nachhaltig wirkungsvoll waren die Forts vor Verdun im Ersten, die deutschen Angreifer rannten sich fest, verrannten sich, Hunderttausende von Soldaten auf beiden Seiten mussten den Wahnsinn mit dem Leben bezahlen. Verdun mit dem Beinhaus und dem Friedhof ist zur nationalen Pilgerstätte geworden, die aber den einstigen deutschen Gegner längst mit in das Gedenken einbezieht. Es mutet schon merkwürdig an, wenn man auf dem Schutthügel von Fort Douaumont Kinder zwischen den Geschützkuppeln spielen sieht. Anrührend, als unsere Reiseführerin Britta Hess den Song erklingen ließ: „Sag mir wo die Blumen sind, sag mir wo die Männer sind?“, nicht für Verdun geschrieben, aber das Antikriegslied traf absolut die Stimmung. Die Stadt Verdun ist heute als Welt-Friedens-Zentrum ausgewiesen. So weit die Spuren des Krieges auf unserer Studienreise.

Der Zwergstaat Luxemburg, das reichste Land der EU, war gewichtige Station der Reise, nicht wegen der unendlich nervenden Baustellen, sondern wegen des Europäischen Gerichtshofs, der „die Wahrung des Rechts bei der Auslegung und Anwendung der Verträge sichert“. Eine junge Frau aus Österreich gab uns Einblick in die Arbeitsweise des Gerichtshofs. Von Luxemburg nach Schengen im Dreiländereck an der Mosel, ein winziger Ort, in dem am Flussufer des Offene-Grenzen-Abkommens von 1985 gedacht wird. Auch auf Lëtzebuergesch natürlich.

Saarbrücken (Sarrebruck auf Französisch), unser Standquartier, bot drei Besonderheiten. Ein unsichtbares Mahnmal – die Namen früherer jüdischer Friedhöfe sind vorm Schloss in Pflastersteine eingraviert, aber an der Unterseite. 1934, im Jahr der bekannteren Barmer Bekenntnissynode, fand hier ebenfalls eine Bekenntnissynode statt, die aufrechte Geister gegen den NS-Ungeist vereint. Café Schubert in der Fußgängerzone war die Empfehlung der Reiseleiterin wert – in der Mittagspause hatten sich hier nach und nach nahezu alle Civilisten versammelt. Die Völklinger Hütte, ein rostiger Irrgarten von gigantischer Technik, war natürlich ein sehenswertes Highlight, das mit seinen immens steilen und hohen Eisentreppen den behelmten Besuchern einiges abverlangte. Ein Glücksfall, dass dieses Industriedenkmal seit 1986 geschützt ist und seit 1994 zum Weltkulturerbe gehört.

Drei mittelgroße französische Städte, aber mit klanghaften Namen – Reims, Metz und Nancy. Absolut beeindruckend, vor allem auch beim Erstbesuch. Reims, die historische Krönungsstadt aller französischen Könige, imponiert durch seine riesige Kathedrale, wahrhaft Staats tragend, aber an allen Portalen und Pfeilern Baustelle, andauernder Kampf gegen Verwitterung und die noch vorhandenen Brandschäden aus dem Großen Krieg. Überraschend sind einige moderne Glasfenster, von Marc Chagall und von dem bei uns weitgehend unbekannten deutschen Künstler Imi Knoebel, die quasi als Wiedergutmachung der zerschossenen Kathedrale von der Bundesrepublik geschenkt wurden. Nancy ist ein einziges opulentes Stadtgemälde aus dem 18. Jahrhundert mit dem „schönsten Platz der Welt“, wie unsere Führerin lobte. Das alles verdankt die Stadt dem polnisch-französischen Fürsten Stanislas, der seiner Fantasie und seinem guten Geschmack freien Lauf lassen konnte. Metz ist in Teilen überraschend wilhelminisch geprägt, schließlich gehörte die Stadt von 1871 bis 1918 zum Kaiserreich. Die „Laterne Gottes“, die Kathedrale überwältigt einfach mit ihrer architektonischen Wucht, ganze Fensterwände breiten sich aus, und die große Rosette stammt von dem Glaskünstler Hermann von Münster. So klein ist die Welt.

Den letzten Abend in der Gaststätte „Stiefel“ nutzte der Präsident für einen umfassenden Dank an die Reisechefin Dr. Renate Düttmann-Braun, verbunden mit dem Grundstein für eine Bücherkiste. Mit Standing Ovations dankten die Civilisten für die wunderbare Studienreise.                                                E. O.