Auge in Auge mit Kaiser Nero

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Nero-Ausstellung in Trier: 31. August/1. September 2016

Ganz Trier, die älteste Stadt Deutschlands, ist Feuer und Flamme für Kaiser Nero (54 bis 68 n. Chr.), dem sie eine umfassende Ausstellung in drei Museen widmet, für die die führenden Sammlungen in ganz Europa ihre wichtigsten Exponate herausgerückt haben: allein eine Kinderstatue aus dem Louvre ist mit 9 Millionen Euro versichert – mehr Nero geht nicht.

Nero ist wohl zugleich der römische Kaiser, dessen Bild in der Nachwelt am stärksten durch Vorurteile geprägt ist – Christenverfolger („Inbegriff des Christenfeindes“), Brandstifter, Muttermörder, Lüstling und vieles mehr, das sind Steilvorlagen für Filme wie beispielsweise den Kassenschlager „Quo vadis?“ mit Peter Ustinov. Die Ausstellung in Trier, die ein regelrechter Publikumsmagnet ist, will vor allem auch mit diesen Vorurteilen aufräumen, bemüht sich um ein objektives Bild – doch im Kern dürfte ein Teil dieser Urteile wohl stimmen, auch wenn sie einseitig sind, Nero konnte nämlich mehr.

Für den Altphilologen Manfred Niehoff, der diese Fahrt zusammen mit seiner Frau Gaby wieder einmal perfekt organisiert hatte, war es gleichsam ein Heimspiel: Schon im Bus gab er uns eine köstliche Einführung in lateinische Aussprache – nicht Neero sondern Nerro müsste es heißen. Und dann das berühmte Beispiel Cäsar oder Käsar, das ganze Generationen von Lateinlehrern zerstritten hat – es sollte wohl eher Kaisar ausgesprochen werden, wie man der griechischen Umschreibung entnehmen könne. Und eine Einführung in den komplizierten julisch-claudischen Stammbaum bot er ebenfalls.

Kaiser Nero ist nie in Trier gewesen, im Gegensatz zu Kaiser Konstantin, er hat es aber bis auf unsere Computer geschafft, denn das Programm zur CD-Rom-Produktion heißt „Nero brennt“ und „Rom“ sei wegen des Brandes von Rom gewählt worden, meinte unser Führer, der wie auch seine Kollegin sehr beschlagen war und die Zeit hoffnungslos überzog, so dass er zum Schluss drängte: „Wir müssen ihn ja noch zu Tode kommen lassen.“ Sehr angenehm übrigens, dass wir in allen drei Museen dieselben Führer hatten. Dieser Kaiser verstand sich als Künstler, war es auch wohl, denn er heimste viele Preise ein. Andererseits zwang er seinen Lehrer, den berühmten Seneca, zum Selbstmord. Seine Mutter machte ihm schließlich die Macht, zu der sie ihm verholfen hatte, streitig, weshalb er sie gnadenlos beseitigen ließ. Nero war ein sehr zwiespältiger Mensch, in dem offenbar die dunklen Seiten überwogen. Auf die Fülle der unterschiedlichen faszinierenden Aspekte bei rund 800 Exponaten aus 21 Ländern kann der Berichterstatter unmöglich eingehen. Eine Arabeske noch: Agrippina, die Mutter Neros, lebt in Köln in der Karnevalsgestalt der Jungfrau weiter.

Die Kondition der Civilisten kannte keine Grenzen: Es schloss sich auch noch eine Stadtführung an, was selbst den Führer erstaunte. Dazu gehörte natürlich die berühmte Palastaula von Kaiser Konstantin, in der die römische Bausubstanz anhand der charakteristischen Ziegel genau zu verfolgen ist. Porta Nigra versteht sich von selbst, hoch interessant neben dem Dom war in der Liebfrauenkirche ein Fenster in die Geschichte – es reichte in etwa drei Metern Tiefe bis ins dritte Jahrhundert zurück. Das römische Erbe ist in Trier auf Schritt und Tritt präsent. Im Dom blickten wir auch in die barocke Heilig-Rock-Kapelle ohne die sagenhafte Reliquie.

Ansprechend war das Hotel Park Plaza vielleicht 300 Meter vom attraktiven Hauptmarkt entfernt, modern, großzügig und mit Teppich und Mosaiken von Kopf bis Fuß auf Nero eingestellt. Dazu passte das üppige Willkommensmenü im renommierten Restaurant Domstein auf Einladung der Stadt Trier, verbunden mit einer kleinen Weinprobe, einfach super! Der Namens gebende gesprungene Domstein liegt sehr dekorativ vor dem Dom, dazu gibt es (wie immer) eine legendenhafte Geschichte, viel schöner war aber der Spruch auf dem Bierglas: „Om Duhmstaan sei mer rumgeröbscht.“

Die gesamte Zwei-Tages-Fahrt (31.8./1.9.) war vom Ehepaar Niehoff wie immer gelungen zusammen gestellt worden, es passte einfach alles. Solche Mitglieder im Civilclub zu haben erfüllt einen mit Dankbarkeit.                         Erhard Obermeyer