Musikalische Zeitreise

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Konzertabend am 20. Oktober 2016

Ein pianistisches Feuerwerk erlebten alle, die am Klavierabend des CC im Oktober teilnahmen.

Es ist ja schon eine gute Tradition, dass Professor Clemens Rave von der Musikhochschule Münster uns jeweils im Herbst mit einem Konzert erfreut, das er gemeinsam mit einigen seiner Meisterschüler gestaltet. In diesem Jahr brachte er die beiden chinesischen Musiker Miao Che und Keran Xie mit, die – allein und gemeinsam, solo und vierhändig – ihr hohes pianistisches Können unter Beweis stellten. Schon seit zwei Jahren leben die beiden Künstler in Münster und haben ihr Studium mit der Masterprüfung abgeschlossen. Sie planen, später in ihrer Heimat als Musikdozenten tätig zu sein.

Mit der Auswahl der Werke für diesen Konzertabend hatte Professor Rave einen weiten Bogen gespannt: Klavierstücke von Händel, Beethoven, Brahms und Reger kamen zu Gehör – große und bekannte Namen der Musikgeschichte. Die Autoren der letzten beiden Werke hingegen, Lavallée und Cornick, waren vielleicht noch nicht allen Zuhörern geläufig.

Eine musikalische Zeitreise also, vom Barock über Klassik und Romantik bis hin in die Gegenwart. Zugleich eine wunderbare Mischung verschiedener Gattungen und Ausdrucksformen: Sonaten und Walzer, Miniaturen und Bravourstücke, schwebende Akkorde und perlende Läufe wechselten sich ab. In allen Stilrichtungen und Ausdrucksformen stellten die drei Pianisten, der Meister und seine beiden Schüler, ihre Virtuosität eindrücklich unter Beweis.

Seine besondere Note erhielt dieses Herbstkonzert durch die vielfältigen Erläuterungen, die zwischen den Musikstücken gegeben wurden. Es war CC-Mitglied Professor Hans-Günther Götze (rechts), der wieder als Moderator ebenso kompetent wie einfühlsam durch das Programm führte – auch das ist eine bewährte Tradition. Hans-Günther Götze präsentierte viel Wissenswertes über die Biographie der Komponisten und die Eigenart der vorgetragenen Werke. Darüber hinaus stellte er an unseren Gast Clemens Rave fachkundige Fragen, die manches musikwissenschaftliche Detail zu Tage förderten. Es war eine Freude zu erleben, wie beide Professoren, Götze und Rave, sich im spontanen Dialog die Bälle zuspielten.

So lernten wir, dass in einer Chaconne dieselbe thematische Melodie sich „wie in wechselnden Verkleidungen“ ständig in neuen Varianten präsentiert. Zudem erfuhren wir Wichtiges über das Leben des Beethovenfreundes und -förderers Graf von Waldstein und hörten amüsante Anekdoten aus dem Leben von Johannes Brahms.

Der musikalische Abschluss dieses unvergesslichen Abends zauberte ein Lächeln in die Gesichter der Zuhörer und sorgte für wippende Füße: In swingendem Rhythmus wurden Jazz-Klavierstücke zu sechs Händen vorgetragen. Drei Musiker gleichzeitig an der Tastatur? Ja, das geht, auch wenn die Finger sich aneinander reiben und die Arme sich manchmal überkreuzen. So vereinigten sich Lehrer und Schüler zu einem glänzend harmonierenden Ensemble, und der Konzertflügel wurde zur vielstimmigen Bigband. Die Civilisten dankten mit begeistertem Applaus – und mit der nachdrücklich an Professor Rave gerichteten Bitte, er möge uns noch viele Jahre mit solch herrlichen musikalischen Feuerwerken erfreuen.
Johannes Krause-Isermann