Henri Matisse - Die Hand zum Singen bringen

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Ausstellungsbesuch am 03. November 2016

Immer wenn Manfred Niehoff und seine Frau Gabriele empfehlend auf aktuelle Kunstausstellungen hinweisen und deren Besuch vorbereiten, droht die Zahl der interessierten CC-Mitglieder den Rahmen des organisatorisch Möglichen zu spren­gen.

So auch dieses Mal, als im CC-Rundschreiben der Besuch der Matisse-Ausstel­lung am 3. November 2016 angekündigt wurde. Bei 60 Anmeldungen musste schließlich ein Schlussstrich gezogen werden, weil für die Führung durch die Ausstel­lung nicht mehr als drei Gruppen gebildet werden konnten.

Mit 121 Werken aus der Erbengemeinschaft Matisse, die zum ersten Mal präsentiert werden, spannt die Ausstellung einen Bogen, der vom Frühwerk des Künstlers ab 1905 bis in sein reifes Schaffen in den Jahren1952/53 reicht. 1905 sorgen Matisse und seine Mitstreiter, die von der zeitgenössischen Kunstkritik als „Fauves“ (wilde Tiere) bezeichnet werden, für den ersten größeren Kunstskandal des noch jungen Jahrhunderts. In seiner sog. Nizza-Periode ab Ende 1917 wird Matisse weitaus zahmer: Wie in süßem Halbschlaf räkeln sich seine weiblichen Modelle, die er – nach Reisen 1906 nach Algerien und 1911 nach Marokko – in orientalische Gewänder kleidet. Mit dem Entwurf von Kostümen und dem Bühnenbild für das Ballett „Le chant du rossignol“ (Der Gesang der Nachtigall) arbeitet er erstmals für die Bühne. Seine Kostüme im Ballett sind dabei eigenwillige Schöpfungen für den imaginären Hof des chinesischen Kaisers.

1930 führt eine mehrmonatige Reise Matisse in die Südsee. Von ihr, die u. a. durch Fotos und Zeichnungen dokumentiert ist, bringt er die Umge­bung als Ornament, die Konzentration auf Himmel und Meer, das Interesse am Licht mit. Das ihn beschäftigende Problem von Linien und Farben löst er nun mit Scheren­schnitten. Die Eindrücke seiner Südseereise haben Eingang gefunden in sein Maler­buch „Jazz“, eines von acht seiner in den 40er Jahren entstandenen Künstlerbücher. Die Ausschmückung der Rosenkranzkapelle in Vence Ende der 40er Jahre ist Spiegel eines Gesamtkunstwerks des Künstlers, das die Initialzündung für die Pop­kultur und seines prominentesten Vertreters Andy Warhol war.

Am Ende vorzüglicher Führungen durch die beeindruckende Vielfalt an Exponaten zum Schaffenswerk von Henri Matisse traf man am Ende bei den Civilisten nur auf strahlende und zufriedene Gesichter.                            Hans-Arnold Loos