Baltikum

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Rundreise vom 9. bis 16. Oktober 2016

Die Rundreise galt den Hauptsehenswürdigkeiten dreier Länder, deren Einwohner im Laufe der Geschichte viel zu erleben und erleiden hatten.

Lettland und Litauen hatten immerhin das Glück 1990 die Unabhängigkeit zu erhalten. Das ehe- malige Nordostpreußen wurde dem Deutschen Reich als Folge des 2. Weltkrieges entrissen, ist nun ein Teil der Russischen Föderation und seine Einwohner mussten flüchten oder wurden vertrieben.

Wir hatten zwei recht gute Fremdenführerinnen: Frau Roma Alisauskiene aus Kaunas in Litauen informierte in Lettland und Litauen, Frau Larissa Verbilo aus dem ehemaligen Nordostpreußen in Königsberg und Gumbinnen. Diese kundige Dame hat als Kind einige Jahre in Weimar ver- bracht, da ihr Vater Oberst der Sowjetarmee in der ehemaligen DDR Dienst gemacht hatte. Die Geschichte geht nun mal eigene Wege.

Unser Besichtigungsprogramm begann in Riga, der Hauptstadt Lettlands und der größten Stadt im Baltikum mit ca. 2 Millionen Einwohnern (davon etwa die Hälfte Letten). Die Innenstadt ist geprägt von hanseatischen Speichern, barocken Bürgerhäusern sowie ganze Straßenzüge vom Jugendstil.

Das Barockschloss von Rundale ist ein Juwel, sowohl was die Räumlichkeiten aber auch den Park betrifft. – Der Berg der Kreuze bei Siauliai, eine höchst eigenwillige Art der Gottesverehrung und wohl einmalig in der Christenheit.
Wir näherten uns dann in Klaipeda (Memel) dem Simon-Dach-Brunnen, der an den Barockdichter erinnert, dessen Lied „Ännchen von Tharau“ allseits bekannt ist. Das nächste Ziel sollte die Kuri- sche Nehrung, ein landschaftlich besonders schönes Stückchen Erde, sein. Im Ort Nida bezogen wir unser Hotel.

Der Weg führte uns von den riesigen Dünen zum ehemaligen Ferienhaus von Thomas Mann. Sein Literatur-Nobelpreis 1929 ermöglichte ihm, diesen Schatz zu erwerben. In diesem Domizil entstand seine Romantetralogie „Josef und seine Brüder“. Leider waren ihm und seiner Familie nur drei Sommer vergönnt. – Ein weiterer Höhepunkt, wenn nicht der entscheidende, war Königsberg, heute Kaliningrad.

Wir sahen zu unserer Überraschung, dass Russland in den Wiederaufbau, dieser im Krieg fast völlig zerstörten Stadt, eine Menge Geld investiert hat und es auch weiterhin ermöglichen wird. Selbst das Domgebäude, nach dem 2. Weltkrieg eine Großruine, ist als „Kultureinrichtung“ 1992–1998 ansehnlich wiedererrichtet. Immanuel Kant (1724–1804), er gilt als der größte Philosoph Europas der Neuzeit, hat dort an der Außenwand seine letzte Ruhe gefunden. Seine Ruhestätte ist eines der wenigen Kulturbauten dieser Stadt, welche den 2. Weltkrieg unversehrt überstanden hat. Schopenhauer, aus dem ehemaligen Westpreußen, nannte einst Kants bekanntestes Werk „Kritik der reinen Vernunft“ (1781) das größte Werk, welches je geschrieben worden ist.

Über Gumbinnen, dorthin hatte König Friedrich Wilhelm I. 20 000 Exilanten als Neusiedler, die aus dem Salzburger Land kamen, übernommen. Nun verließen wir das ehemalige Ostpreußen und begaben uns zum Abschluss der Reise in die litauische Hauptstadt Vilnius. Auch hier eine Fülle von Sehenswürdigkeiten, der Gotik, Renaissance, Barock sowie Klassizismus. Besonders erwähnenswert ist der Dom mit seinem Geläut. Das Programm endete mit Trakai, der vormaligen Hauptstadt des litauischen Reiches und seiner sehr sehenswerten Wasserburg.

Alles in Allem eine sehr lehrreiche Reise mit viel Kultur sowie Geschichte, die uns noch einige Zeit beschäftigen wird. Unser Dank gilt Frau Dr. Gabriele Peus-Bispinck, die diese „coole“ (gefühlt bis zu -6°C) Reise mit Hans Hermann Steffens' Assistenz und Ökumene-Reisen in gewohnter Routine brillant organisiert und geleitet hat.
Wolfgang Domes