Literaturnachmittag

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Literaturnachmittag 18. November 2016

Die drei Referenten Gesine Freifrau Droste zu Senden, Frau Ingrid Eckardt und Herr Erhard Obermeyer konnten sich über mangelnden Zuspruch für die Vorstellung eines ihrer wertgeschätzten Bücher nicht beklagen.

Im Gegenteil, für die stolze Anmeldezahl (Rekord!) von 60 Civilclubmitgliedern und deren Gästen war das Festzimmer im Erdgeschoss des Gebäudes des Zwei-Löwen-Klubs zu klein, um auch noch das Kuchenbuffet aufbauen zu können. So wurde der Festsaal geöffnet. Der Inhalt aller drei Bücher zog die Zuhörenden in ihren Bann.

Frfr. Droste zu Senden fand in ihrem Bücherschrank, nachdem sie in einem Gespräch auf den Autor Arnold Zweig aufmerksam gemacht wurde, dessen im Jahre 1931 erschienenen Roman Junge Frau von 1914. Die Haupthandlung dieses Romans ist eine nicht einfache Liebesbeziehung zwischen dem Studenten und Schriftsteller Werner Bertin, der 1915 als Armierungssoldat eingezogen wird und seiner Geliebten Lenore Wahl, deren Eltern, wohlhabende Bankiers, eine Heirat mit Bertin nicht billigen. Lenore wird ungewollt schwanger und lässt ihr Kind abtreiben, hält aber an Bertin fest, der durch die Gräuel des Krieges u.a. an der Westfront seinen Charakter verändert hat und heiratet ihn schließlich auch gegen den Willen des Vaters.

Das von Frau Eckardt vorgestellte Buch Der Hase mit den Bernsteinaugen (The Hare with the Amber Eyes. A Hidden Inheritance erschienen 2010; deutsche Fassung 2011) von Edmund de Waal, ist ein in 25 Sprachen übersetzter Bestsellerroman. De Waal ist ein weltbekannter Keramiker und Schriftsteller, der seine Kenntnisse und Sensibilität als bildender Künstler in die Gestaltung dieses Buches hat einfließen lassen. Der englische Untertitel A Hidden Inheritance verrät über das Buch mehr als der deutsche Titel, beschäftigt sich der Roman doch mit dem Erbe von 264 japanischen Holz- und Elfenbeinfigürchen, Netsuke genannt, die nach langer Irrfahrt über Kontinente hinweg wieder in den Besitz de Waals gelangt sind. In seinem Roman nimmt de Waal den Leser mit auf eine aufregende Reise durch vier Generationen vor dem Hintergrund der geschichtlichen Umstürze der beiden letzten Jahrhunderte.

Warum soll der Zuhörer diesen Roman lesen? Frau Eckardt nennt einige gute Gründe, von denen dieser herausgestellt werden soll: „man sollte das Buch lesen, weil es eine Geschichte des Überlebens ist, und nicht nur des Überlebens der Netsuke-Sammlung.“

Herr Obermeyer möchte nach der Vorstellung seines Buches die Zuhörer nicht unbedingt dazu ermuntern, dieses Buch auch zu lesen, ist dessen Thematik doch eher „unaufgeregt, banal, dem Alltag verhaftet, deprimierend.“
Gleichwohl stand das Werk von Astrid Lindgren Die Menschheit hat den Verstand verloren: Tagebücher 1939-1945 im Jahre 2015 monatelang auf der Bestsellerliste.
Wir sollten es dennoch lesen: nicht nur, weil Astrid Lindgren eine Dokumentation, eine Chronik der Schreckenstaten des Zweiten Weltkrieges erstellt, sondern weil die Situation damals im vom Krieg verschonten Schweden unserer heutigen gleicht. Wir leben auf einer Insel und betrachten die Kriege aus der Distanz, eine Distanz, die Lindgren zuweilen zu kräftigen und bissigen Kommentaren reizt – Sarkasmen inbe­griffen.
Applaus und Dankesworte von allen Seiten an die Vortragenden beendeten diesen gelungenen Literaturnachmittag.                        Carmen Schleiermacher