Auf den Spuren des Civilclubs

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Vortrag im Dialog am 24. November 2016

Wie fesselnd Geschichte ist und wie unterhaltsam sie dargeboten werden kann, erlebten alle, die am 24. November am letzten CC-Vortragsabend des Jahres teilnahmen.

Im Dialog zwischen dem Altpräsidenten Erhard Obermeyer, der den Anstoß zu der nachfolgenden Untersuchung gegeben hatte, und dem Historiker und Autor der Studie „Wendepunkte in der Geschichte des Civilclubs“, Herrn Lukas Grawe, wurde die Vorstellung der Studie zur fesselnden Darstellung der Suche nach den Spuren des Civilclubs. Das erste Interesse des Autors bei Beginn seiner Arbeit galt den Quellen und der Methode, diese Quellen zu finden. Lukas Grawe war in der Forschungsliteratur, d. h. in den zu markanten Daten erschienen Festschriften sowie in der 1993 erschienenen dreibändigen Stadtgeschichte Münsters von Franz-Josef Jakobi fündig geworden. Die ergiebigsten Auskünfte hatten jedoch das Stadt­archiv und die Akten der Stadt Münster geboten, ebenso die des Provinzialverbandes. Insgesamt aber erwies sich die Aktenlage als dürftig, da viele Unterlagen verloren gegangen sind.

Da besonders die Situation des Klubs während politischer Krisenzeiten von Interesse sein müsste, richtete sich der Blick auf die Zeit des „Kulturkampfes“ im 19. Jahrhundert sowie auf die Zeit des Nationalsozialismus in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Während die Quellen in Bezug auf die Zeit des „Kulturkampfes“ nur dürftige Auskünfte geben und lediglich heftige ideologische Auseinandersetzungen zwischen konservativ katholischen und preußisch gesinnten protestantischen Klubmitgliedern festgehalten sind, geben die Quellen über den Klub zur NS-Zeit mehr Informationen. Es wird deutlich, dass die Existenz des Klubs aufgrund der Angriffe von Seiten der Stadtverwaltung sowie der Partei bedroht war. Die Quellen lassen auch Schlüsse auf das vorsichtig taktierende Verhalten des Klubvorstands zu, das verhinderte, dass der Klub in den politischen Mainstream geriet und so den Fortbestand des Klubs zu erhalten half.

Der thematisch stringenten „Innensicht“ in der Darstellung von Herrn Grawe fügte in einem Wortbeitrag Herr Professor Jakobi die „Außensicht“ hinzu und richtete damit den Blick auf die gesellschaftliche Funktion des Civilclubs. Förderte der Klub am Ende des 18. Jahrhunderts den Ausgleich zwischen Bürgertum und Adel, so erwies er im 19. Jahrhundert seine inte­grative Wirkung bei der Eingliederung der „Preußen“ in die katholisch geprägte Bürgerschaft Münsters. Ähnliche Überlegungen zur gesellschaftlichen Integration ließen sich auch für nachfolgende Epochen anstellen, zuletzt für die Integration der Flüchtlinge in der Nach­kriegszeit.

In der anschließenden Diskussionsrunde zum Vortrag wurde das Interesse an einer soziologischen Erforschung der Clubmitgliedschaft früherer Epochen deutlich. Die äußerst lückenhafte Überlieferung der Geschichte des Civilclubs, so die Einschätzung, würde ein solches Projekt jedoch leider zum Scheitern bringen.

Nach dem Dank des Präsidenten an die am Vortragsabend Mitwirkenden, insbesondere an den Autor der Studie Lukas Grawe, verließen die Klubmitglieder die Veranstaltung mit dem Eindruck, einen sehr informativen und anregenden Abend erlebt zu haben.       Renate Loos