Was bringt die Skulpturen-Ausstellung 2017?

Drucken PDF
Vortrag im CC am 26. Januar 2017

„Alle zehn Jahre vollziehen wir eine Tiefenbohrung in der aktuellen Kunst“, wurde programmatisch Kasper König zitiert, seit 1977 Chef-Kurator der alle zehn Jahre stattfindenden Skulptur-Projekte.

Die beiden Kuratoriums-Assistenten Sophia Trollmann und Jan Bockholt analysierten im munteren Wechsel einige dieser „Fundstücke“ im Civilclub (26. Januar 2017), von der gelben Madonna von Katharina Fritsch bis zu den silbernen Autos von Nam June Paik, von Michael Asher`s Wohnwagen über Beuys Fettstücke bis zum Nazi-Adler von Martha Rosler, was dann auch gleich zu der Frage führte: Muss Kunst denn schön sein? Nach dem Verständnis der beiden Skulpturen-Vertreter soll Kunst vor allem Gedanken anstoßen.

Stellt man dieses weltweit einzigartige Langzeit-Kunstprojekt vor, muss der Aufsehen erregende Skandal am Anfang stehen, als nämlich 1975 der Rat der Stadt es ablehnte, die kinetische Skulptur von George Rickey anzukaufen und Ludwig Poullain als Mäzen der WestLB sie der Stadt schenkte. Das war gleichsam die Geburtstunde der Skulptur-Projekte, deren Betonkugeln 1977 mit einem gewaltigen Donnerschlag über Münster buchstäblich hinweg rollten – drastischer Nachhilfe-Unterricht in Sachen zeitgenössischer Kunst.

Künstler werden eingeladen, erklärten die Referenten das Prozedere, die dann einen Standortvorschlag machen und erste Ideen entwickeln, die im weiteren Prozess zur Realisierungsreife gebracht werden. Einige Künstler waren in den Jahrzehnten mehrfach beteiligt, wie Asher mit seinem Wohnwagen, nur der Künstler ist tot.

Was haben wir 2017 zu erwarten? Einige Projekte kommen als Performances daher, im Friedenssaal oder auf der Promenade. Jeremy Deller will in der Kleingartenanlage Mühlenfeld die Tagebücher vorstellen, die in zehn Jahren in 33 Kleingärten entstanden sind. Es gibt eine Kooperation mit der Retortenstadt Marl, einige derer Skulpturen im öffentlichen Raum sollen nach Münster geholt werden. Auf dem Parkplatz am OVG gegenüber dem Aegidiimarkt werden Architektur-Varianten aus Münster inszeniert.

In der Fragestunde vermisste Dr. Hildegard Westhoff-Krummacher frühere Kommunikationszentren wie die philosophische Plattform von Bert Theis 1977 hinter dem Schloss, die Ort vielfältigster Begegnungen gewesen sei. Oder das „Günter`s“ von Tobias Rehberger 1997 auf dem Hörsaalgebäude, ein regelrechter Kultort, wie Erhard Obermeyer anmerkte. Die Referenten verwiesen darauf, dass neben dem Landesmuseum auch das Pumpenhaus als weiteres Zentrum ausgewiesen werde. Sicherlich wohl kein Äquivalent für die kultigen Treffpunkte früherer Ausstellungen. Auf jeden Fall wertete Präsident Hans-Arnold Loos den Skulpturen-Abend als gelungene Werbung für die bevorstehende Ausstellung.              E. O.