Der Mond als Geschichtsbuch der Erde

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Vortrag im CC am 09. Februar 2017

Zwei Tage vor Vollmond trafen sich zahlreiche mondsüchtige Civilisten zu einem ebenso informativen wie verständlichen Vortrag des international hoch geschätzten wie weit vernetzten münsterschen Planetologen Professor Harald Hiesinger.

Vom „terrestrischen“ Blickwinkel aus kann die Erforschung des Erdmondes und anderer Körper des Sonnensystems dazu dienen, unsere Heimaterde besser zu verstehen. So dient die Mondoberfläche gleichsam als „Geschichtsbuch“ der Erde, denn ‘geo’logische Prozesse haben sich dort in Reinstform erhalten. Sie zeigt, wie es der Erde ergangen wäre, gäbe es nicht die schützende Atmosphäre. Entstanden ist der Mond durch einen großen Einschlag auf der Erde. Die Dichte der Krater erlaubt eine Datierung einzelner Regionen von dem ältesten und größten Krater in der Nähe des Südpols bis zum frischen Einschlag eines kleinen Objekts am 17.03. 2013.

Der Vortragende war beteiligt an der 2009 gestarteten „Lunar Reconnaissance Orbiter Mission“, deren hochauflösende Kameras mit bisher fast zwei Millionen Bildern die gesamte Oberfläche aus ca. 50 km Höhe ins Visier nehmen. Man fand nicht nur die zurückgelassenen Gerätschaften der Apollo-17-Mission, sondern auch ein von den Russen vermisstes Mond­fahrzeug. Und - der Mond erweist sich als deutlich wasserreicher als wir bisher gedacht haben. Durch vulkanische Aktivitäten haben sich Hohlräume gebildet, die künftigen Astro­nauten als Habitate dienen könnten. So wurden auch mögliche Landeplätze für weitere Missionen evaluiert.

Ergänzt wurde der Vortrag durch die Präsentation des bisher größten Bildmosaiks des irdi­schen Nordpols sowie durch eine Kartenrolle, die ‒ in einer Rückkehr zur antiken Form der Papyrusrolle ‒ in geradezu umwerfender Genauigkeit eine bestimmte Mondregion dar­stellt.

Die vielen aus dem Publikum gestellten und mit großer Sachkenntnis beantworteten Fragen zeigten das große Inter­esse, das die Ausführungen geweckt hatte.
Wolfgang Hübner