Die Musik ging unter die Haut

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Konzert der Berliner Philharmoniker in Essen am 26. Februar 2017

Am Sonntag, dem 26. Februar 2017, fuhren 31 Civilisten mit weiteren 64 Klassik­interessenten aus dem Bekanntenkreis unseres Mitglieds Klaus Spruch zur Philharmonie Essen. Die Erwartungen waren hoch, denn es gastierten die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Sir Simon Rattle in der großen mit über 2000 Besuchern voll besetzten Konzerthalle. Mit den „Atmosphères für großes Orchester“ von György Ligeti, dem „Vorspiel zur Oper Lohengrin“ von Richard Wagner und der großen „6. Sinfonie“ von Gustav Mahler erwartete die Besucher ein anspruchsvolles Programm.

Bereits die erste halbe Stunde mit Ligeti und Wagner war musikalisch sensationell. Die 64 Streicher faszinierten mit ihrem spannungsreichen Spiel vom kaum hörbaren pianissimo zum satten forte-Klang, ein Klangfarbengemälde, bei dem sich sphärische Vorgänge geradezu aufdrängten. Dazu die weichen Bläserklänge, eine Wirkung, bei der die Besucher den Atem anhielten. Tatsächlich herrschte in der großen Philhar­monie absolute Stille und Konzentration auf die Musik. Sensationell war der fließende Übergang von den langsam verklingenden 56-stimmigen Streicherklängen zum überirdisch-lichten Streichervorspiel zur Oper Lohengrin. Simon Rattle steigerte die Musik zu höchster Verzückung mit der weihevollen Wiederkehr des Gralsthemas in den Trompeten und Posaunen.

Zur Pause meinten im Gespräch zahlreiche Besucher, schade, dass wir nicht noch mehr Wagner-Musik hören, die Darbietung des fast 100 Musiker starken Orchesters begeisterte nicht nur, sie ging unter die Haut. Aber auch die nicht leicht zu hörende 6. Sinfonie von Mahler wurde von Simon Rattle mit seinem Weltklasse-Orchester so transparent, leidenschaftlich-emotional und dynamisch spannungsvoll gestaltet, dass trotz des pessimistisch verklingenden Schlusssatzes die über 2000 Besucher mit stehenden Ovationen dem Orchester und seinem Ausnahmedirigenten für ein musikalisches Erlebnis höchster Qualität dankten – ein Konzert, das man nicht so schnell vergisst!                                 
Klaus Spruch