Noch - nicht alle Tassen im Schrank

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Damenkaffe am 11. April 2017

Das war etwas für Feinschmecker, ein optischer Genuss auf Roloff-Porzellan serviert, gleichzeitig eine Wieder(Neu)entdeckung eines bunten Stücks münsterscher Kulturgeschichte:

August Roloff konnte sich einige Jahrzehnte als Porzellanmaler neben den Giganten der Branche behaupten – heute sind seine Tassen, Teller, Schüsseln begehrte Sammlerstücke. Und Rainer-Ludwig Daum hat rund 4000 davon zusammengetragen mit dem Ziel, ein Porzellanmuseum in Münster einzurichten. „Man sollte das ganze Porzellan einmal auf den Prinzipalmarkt stellen unter dem Motto: das Museum liegt auf der Straße“, meinte er sarkastisch beim Damenkaffee am 11. April 2017. Denn die Sammlung hat kein Schaufenster mehr, die vorhandenen Vitrinen sind bis zur „Halskrause“ vollgestopft. Und dennoch – Daum sammelt weiter, ist auf den Trödelmärkten ein ständig gesehener Besucher. Und eine Teilnehmerin des Damenkaffees hatte auch ein Anschauungsobjekt mitgebracht, Hildegard Abeler zeigte Tasse und Untertasse im feinsten Art-Decor-Stil.

Rainer Daum führte mit vielen Fotos aber nicht nur Porzellane von Roloff vor, er hat auch Dokumente aufgetrieben wie Meisterbrief oder Musterbücher mit Stahldrucken, alte Fotos, die Lebensgeschichten der verschiedener Maler erforscht, die Marken der Porzellanmaler, Roloff selbst hatte das Wappen der Wiedertäufer abgewandelt – er hat sich zu einem kenntnisreichen Spezialisten für münstersches Porzellan entwickelt, der sein Thema mit flotten Sprüchen an die Frau und den Mann zu bringen weiß. Die Rohlinge oder Weißware wurden bei den großen Firmen eingekauft und in Münster dann veredelt. Diese Firma Roloff betrieb ihre Werkstatt am heutigen Meßkamp und hatte ein Verkaufsgeschäft in erster Lage am Michaelisplatz, dort, wo seit vielen Jahren Zumnorde angesiedelt ist. Rainer Daum plant, dort 2019, 100 Jahre nach der Gründung der Manufaktur, im Schaufenster eine Ausstellung zu gestalten. Die Firma Roloff, 1919 gegründet, musste 1955 Konkurs anmelden.

Die Mitglieder des Vereins zur Förderung eines Porzellanmuseums (2001 gegründet) sind unermüdlich unterwegs, Daum hält Vorträge und freut sich über die aktuelle Chance, jetzt in Burgsteinfurt etwas von den Schätzen zeigen zu können. In der Kulturstadt Münster gibt es keinen Raum für diese bemerkenswerte Kultur.      E.O.