Der neue Rektor und "seine" Universität

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Vortrag am 4. Mai 2017

„Was treibt den Mann?“ – Diese Frage des CC-Präsidenten Loos griff Prof. Dr. Wessels auf, um seine Motive für die Übernahme des Rektorenamts der WWU und für seine Physikerlaufbahn zu erläutern.

 

Hierfür war die Faszination naturwissenschaftlicher Methodik des Hinterfragens von Hypothesen und Behauptungen maßgeblich; sie hat ihn über süddeutsche und amerikanische Hochschulen sowie die Beteiligung an der Schwerionenforschung im europäischen Forschungszentrum CERN zur Berufung an die Universität Münster geführt. Zur Annahme des Rektorenamts ließ sich Prof. Wessels durch den Zuspruch aus vielen Fachbereichen und durch Freude an dessen Aufgaben bewegen.

Im Hauptteil seines Vortrages (4. Mai 2017) legte Prof. Johannes Wessels zunächst sein Verständnis wissenschaftlicher Arbeit dar: Unter Verweis auf Artikel 5 des Grundgesetzes will er sie frei von Fremdbestimmung, aber gebunden durch Eigenverantwortung wissen. Das bedeutet, dass keine Affekthandlungen und kein Wirtschaftsplan das „ergebnisoffene Abenteuer“ wissenschaftlichen Arbeitens gefährden darf und dieses sowohl vor staatlichen Eingriffen als auch vor akademischer Autokratie geschützt werden muss.

Dann wandte sich Prof. Wessels den Schwerpunkten seines Rektorats zu. Er zeigte sich erfreut, dass die Grundsätze des Hochschulentwicklungsplans im ersten Anlauf abgearbeitet werden konnten, wobei in einer Präambel das „Forschende Lehren“ als intrinsische Motivation von Forschenden, Lehrenden und Studierenden betont wurde. Er postulierte eine Abwendung von standarisierten Lehrplänen hin zu personen-bezogener Entwicklungsplanung mit besseren Wechselmöglichkeiten. Hierfür biete die WWU durch die große Vielfalt ihrer Angebote ideale Möglichkeiten. Prof. Wessels beklagte, dass NRW die „Rote Laterne“ beim Verhältnis Professoren zu Studenten halte. Entlastungspotential sah er durch vermehrte Digitalisierung, z.B. bei der Angleichung der Einstiegsqualifikation von Studienanfängern. Der finanziellen Unterstützung aus Bundesmitteln fehle dagegen Dauerhaftigkeit.

Um die Attraktivität der WWU durch Neuberufung hochkarätiger Wissenschaftler zu steigern, regte er an, dass die Mitglieder der Berufungskommissionen sich nicht auf die Abarbeitung eingehender Bewerbungen aufgrund von Ausschreibungen beschränken, sondern aktiv nach geeigneten Spitzenkräften Ausschau halten sollten. Dem gleichen Ziel dient auch die Bewerbung um Anerkennung von vier Exzellenzclustern in Religion und Politik, Cells and Motion, Mathematik und Nanotechnologie.

Danach ging der neue Rektor auf einige Großprojekte der WWU ein:
Das neue Philosophicum in der Innenstadt wird noch in diesem Jahr fertig.
Auf dem Hüffercampus sollen die theologischen Fachbereiche und der Exellenzcluster „Religion und Politik“ zusammengeführt werden, was höhere Effektivität und Förderung des interreligiösen Dialogs verspricht.
Räumliche Engpässe erfordern es, Tagungsräume, Musikhochschule und Städtische Musikschule im Neubau eines Musik- und Kongresszentrums zusammenzufassen, wozu der Rektor das Gelände an der Hittorfstraße vorschlug, grundsätzlich aber auch Kompromissbereitschaft für den Standort Hörsterplatz erkennen ließ.

In der anschließenden lebhaften Diskussion ging es um Standortfragen, Hausberufungen sowie den Erhalt sog. „kleiner Fächer“. Mit großem Applaus der Zuhörer und dem Dank des Präsidenten endete ein sehr informativer und anregender Abend.

Rudolf Ullrich