Schweizer Taschenmesser aus dem Neolithikum

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Damenkaffee am 9. Mai 2017

Ein anrührendes Bild wie aus einem Märchenbuch: Ein Pulk Kindergartenkinder zieht über ein freies Feld, vorne weg ein „Schatzsucher“? Nein, der Schein trügt natürlich, denn Martin Hack ist alles andere als ein Schatzsucher, er ist wissenschaftlicher Archäologe in seiner Freizeit

und die „Schätze“, die er auf den Feldern rund um Alverskirchen findet, sind zu 90 Prozent Kulturschrott aus jüngster Zeit, eben Müll. Aber alles wird exakt dokumentiert, er informiert die Landwirte, deren Felder er „beackert“, Kindergartenkinder und am 9. Mai 2017 die Teilnehmer des Damenkaffees des Civilclubs. Vermittlung von Alltagsgeschichte auf anschauliche Weise.

Martin Hack, Sohn unseres Schriftführers Wolfgang Hack, ist vor einem Jahrzehnt zu diesem außergewöhnlichen Hobby gekommen, das er mit wissenschaftlicher Akribie betreibt, ausgerüstet mit Metalldetektor und einer kleinen Schaufel, eingestimmt durch Luftbilder und alte Katasterpläne: Eine richtige Detektivarbeit auf den Spuren der Menschen, die hier vor Jahrhunderten gelebt haben oder auch in den letzten Jahrzehnten, wie Funde aus dem letzten Krieg veranschaulichen.

Es bewegt ihn natürlich auch die Frage, was das denn für Menschen waren, die hier gelebt haben, ein Beispiel dafür kann der (wieder aufgebaute) Sachsenhof im Greven sein. Die Epoche der Christianisierung lässt sich nachweisen, als die Gewandfibeln die Gestalt von stilisierten Kreuzen annahmen. Überhaupt stellen Fibeln einen Großteil seiner Funde, aber auch Fingerhüte gehören dazu und Steine, an denen der Laie achtlos vorüber gehen würde: Abschläge von Feuersteinen, die auch durch die Jahrhunderte hindurch ihre Schärfe bewahrt haben – „das Schweizer Taschenmesser aus dem Neolithikum“. Wobei die Wissenschaftler noch weiter gehen, denn der Feuerstein stammte nachweislich aus Belgien, eindeutiger Beweis für uralte Handelsbeziehungen. Münzen aus der Römerzeit zeigen, dass zwischen Germanen und Römern eben nicht nur Kriege geführt wurden, sondern auch reger Handel herrschte.

Das ist das Spannende an dieser Archäologie, dass mit den Funden die gesamte Geschichte erzählt werden kann, anschaulich und nicht nur abstrakt. Martin Hack hatte das alles wunderbar aufbereitet, zog Vergleichsbilder heran, zeigte Tabellen, so dass wir gleichsam in einem Einführungsseminar in die praktische Archäologie saßen. Er betreibt das in enger Abstimmung mit der Landesarchäologie des Landschaftsverbandes, die dadurch wesentlich entlastet wird. Wobei man über diese Leistung nur staunen kann, denn als Qualitätsbeauftragter der Malteser ist er in ganz Deutschland unterwegs, hat auch Familie, so dass er seinem Hobby auch des Nachts frönen muss, mit einer Kopflampe und im Schein der Traktoren der Landwirte. Ein außergewöhnliches Hobby, von dem nicht zuletzt seine Heimatgemeinde Alverskirchen profitiert.

E.O.