Ist das Kunst oder kann das weg?

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Skulpturenausstellung am 10. Juli 2017

Die Skulpturenausstellung in Münster beginnt mit einem ausgesprochenen Hammer: Vor dem Landesmuseum steht ein Ärgernis, ein großer Lkw – gewollt: Wir tun so, als sollte die Henry-Moore-Plastik wieder abtransportiert werden.

Und in der Tat ist diese Leihgabe ja auch nur auf Zeit in Münster. Aber über diesen Skulptur-Beitrag von Cosima von Bonin und Tom Burr regen sich viele auf, weil der Lkw einfach die gute Sicht verdirbt. Die CC-Führung am 10. Juli bewegte sich bequem innerhalb der Promenade, nahm dennoch zwei Stunden in Anspruch.

Interessant ist, dass der solcherart Geführte unbekannte Räume erfährt, beispielsweise im Hof des Bibelmuseums, wo der Japaner Koki Tanaka Zufälligkeiten installiert hat, dass der Besucher am gedeckten Tisch sitzt, worüber redet er dabei mit den anderen, die er nicht kennt, Schlafräume sind improvisiert, in stickigen Kellern breiten sich solche Installationen aus. Gegenüber am Aegidiimarkt hängt der Schriftzug „Angst“ von Ludger Gerdes, der vor Jahren schon das Baum bestandene Schiff in Gievenbeck beisteuerte. Laut Führerin soll dieses Wort die Frage provozieren, hat das was mit mir zu tun?

Vieles erschließt sich nicht auf Anhieb, so der baufällige Giebel an der Aegidiistraße, der an ein Schloss in den Karpaten erinnern soll. Botschaft von Barbara Wolff und Katharina Stöver: Es sind alles nur Kopien, auch am Prinzipalmarkt. Nähere Auskünfte erteilt ein QR-Code. Ohne den oder die Führerin sagt ein Steinblock am Ludgerikreisel auch nicht viel: Er ist als Pendant zum gegenüber stehenden Train-Denkmal gedacht, das an die Kolonialkriege erinnert. An dem Block von Lara Favaretto gibt es aber keinen Hinweis darauf, auch nicht auf die Spenden, die mit diesem Beitrag für eine Flüchtlingshilfe gesammelt werden sollen.

Am Servatiiplatz steht Nietzsches Rock, ein Felsenimitat, das an Zarathustra erinnern soll. Unter dem Block hat der Künstler Justin Matherly Gehhilfen platziert, es mochte sich aber keiner auf den Boden legen, um das zu überprüfen. Gegenüber steht das Denkmal deutsche Einheit von Hildegard Schürk-Frisch.

Beliebte Orte ist ironischerweise der nächste Beitrag am Erbdrostenhof betitelt, der ja in der Tat bei jeder Skulpturenausstellung die prächtige Kontrastkulisse zu zeitgenössischen Objekten abgeben muss. Diesmal ist es ein Beitrag der iranischen Künstlerin Nairy Baghramian - verbogene Rohre, Wurm, Raupe wurden genannt, wie auch immer.

Ein solcher geführter Rundgang kann nur einige Denkanstöße geben, herzlichen Dank für die Organisation an Manfred Niehoff.                            E. O.