Computer-Spielwiese und Reformator-Missbrauch

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Ausstellungsbesuch am 18. Juli 2017

Kultur im Doppelpack, und zwar vom Feinsten: Für den 18. Juli hatte Manfred Niehoff einen Kombi-Ausflug organisiert, erst zum Computer-Museum in Paderborn, dann zum Klostermuseum nach Dalheim,

herzlicher Dank dafür – Pech für die Eheleute Gaby und Manfred Niehoff, dass eine Terminkollision ihre Teilnahme verhinderte, weshalb Erhard Obermeyer kurzfristig in den Ablaufplan einsprang. Der Morgen begann dennoch mit einem großen Problem, der eingeteilte Fahrer fiel wegen eines Todesfalls in der Familie aus, der Ersatzfahrer kam eine halbe Stunde später.

Das Heinz-Nixdorf-Forum ist im Grunde eine riesengroße Spielwiese für Schüler und Erwachsene, zum Ausprobieren, zum Spaßhaben, zum Informieren. In diesem größten Computermuseum der Welt reichte die Bandbreite der Ausstellung von 5000 Jahre alten Tontafeln („unsere erste Festplatte“) bis zur digitalen Vernetzung der heutigen Welt. Dazwischen surrten Roboter-Menschen über die Gänge, waren komplizierte Wunderwerke von Hochleistungsmaschinen zu bestaunen, mit denen früher gerechnet wurde. Man hätte sich vielmehr Zeit gewünscht.

In Dalheim stand Martin Luther im Mittelpunkt der Ausstellung, angesichts des Reformationsjubiläums für ein Klostermuseum nur konsequent. Entgegen dem Titel „Luther 1917 bis heute“ widmete sich die Darstellung auch dem frühen Luther, stellte die Entwicklung des Buchdrucks dar, ohne den der Reformator nie diese explosionsartige Verbreitung seiner Schriften hätte erreichen können. Diese Schicksalsfigur der Deutschen ist in den jeweiligen Zeitabschnitten stets missbraucht worden für die Propaganda der Mächtigen – er war Volksheld, Nationalheld, Held der Bürger und wurde zum Kronzeugen der Nazis gegen die Juden: „Hitlers Kampf und Luthers Lehr, des deutschen Volkes gute Wehr“ hießt es 1933.

Eine kleine App war Luthers Garten, in dem neben „Kraut (Kohl) und Rüben“ auch die Wunderwurzel gezeigt wurde, der Erfurter Riesenrettich. Das war informativ aufbereitet, berichtete von Pflanzensendungen an Luther und Setzlingen, die er verschickte. Eine hübsche Ergänzung zur Lutherausstellung, die natürlich auf Käthe Luther zurückgeht, auf Katharina von Bora, die aus dem Junggesellen einen richtigen Ehemann machte und damit das protestantische Pfarrhaus begründete.                             E.O.