Rednerisch und musikalisch brillant

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Grieg-Abend mit Prof. Dorfmüller am 13. September 2017

In bester Stimmung begann der Civilkclub  mit dem üblichen Sektempfang sein Veranstaltungsprogramm im Winter 2017/18. Und dieser Beginn hatte es gleich in sich! Mit Professor Joachim Dorfmüller war ein Referent gewonnen worden, der sowohl am Rednerpult wie auf den Klaviertasten brillierte,

so dass der Abend mit rauschendem Beifall in allgemeiner Begeisterung ausklang.

Dorfmüller – Gelehrter, Virtuose, Kirchenmusiker und Autor in einer Person – ist in Münster kein Unbekannter. Im Gegenteil: In diesem Frühjahr konnten seine vielen Fans die 1300.Folge der von ihm 1987 ins Leben gerufenen Akademischen Orgelstunden in der Dominikanerkirche erleben. Für sein Publikum vom CC hatte er einen anderen Ohrenschmaus zu bieten: Textliche und – natürlich – musikalische Einblicke in Leben und Werk des norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1843-1907). Viele von Griegs Kompositionen sind auch in Deutschland außerordentlich populär.

Mit seiner Darstellung, für die er mehrfach zwischen Rednerpult und Klavierhocker hin und herwechselte, stellte der Referent einen Zusammenhang zwischen Leben und Werk des Meisters her, der sich für seine gebannt mitgehenden Zuhörer zu einem eindrucksvollen Gesamtbild fügte. Als langjähriger Kenner Norwegens - seiner Sprache, seiner Landschaft, seiner Geschichte und der Mentalität seiner Menschen – vermochte er die geheimen Quellen von Griegs Musik auszuloten und so den Meister aus dem Norden gleichsam unmittelbar zu seinem Publikum sprechen zu lassen.

Edvard Grieg wurde in Bergen in einer Kaufmannsfamilie mit schottischen Wurzeln geboren. Aber weder der väterliche Beruf noch seine eher abschreckenden Schulerfahrungen vermochten seine künstlerische Berufung zu durchkreuzen. Schon als Kind begann er, gefördert von der als Pianistin tätigen Mutter, zu komponieren. 1858 bis 1862 studierte er am Leipziger Konservatorium, fand jedoch endgültig erst in der Begegnung mit dem skandinavischen Volkstum zu einer eigenständigen Tonsprache. Ein wesentlicher Erfolg wurde die aus der Bekanntschaft mit dem Dichter Henrik Ibsen entstandene Musik zu dessen Drama „Peer Gynt“.

Eine Romreise bescherte ihm die Begegnung mit Franz Liszt, die ihn ermutigte und in der internationalen Musikwelt bekannt machte. In die Heimat zurückgekehrt, etablierte er sich als Dirigent in seiner Heimatstadt, wirkte aber zeitweilig auch in anderen skandinavischen Metropolen. Seinen Lebensmittelpunkt fand er schließlich auf seinem Gut Troldhaugen, in prachtvoller Natur nahe Bergen gelegen. Dort ist auch als Ausdruck von Lebensfreude und Harmonie anläßlich seiner Silberhochzeit sein bekanntes Werk „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ entstanden. Edvard Grieg starb im 65.Lebensjahr an einer Lungenerkrankung, die ihn schon seit seiner Jugend begleitete.

Meister des Flügels – Professor Joachim Dorfmüller braucht keine Noten, um seinen Grieg-Vortrag musikalisch zu untermalen. Alle diese Lebensstationen mit ihrem musikalischen Widerhall wurden von Joachim Dorfmüller nicht nur optisch durch einen humorvoll zusammengestellten Bilderbogen, sondern viel eindrücklicher noch durch musikalische Beispiele von dem übermütigen Jugendwerk „Larvik-Polka“ über die bekannten Sätze aus der Peer-Gynt-Suite und einige lyrische Stücke bis zu dem genannten „Hochzeitstag“ vorgestellt.

Im Gegensatz zu anderen Vortragsabenden, die sich aktuellen Problemen widmeten, eignete sich dieser nicht zu ergänzenden Fragen oder gar zu einer ausführlichen Diskussion. Vizepräsident Johannes Krause-Isermann sprach in seinen Dankworten dem Referenten kurz, aber eindringlich den Dank der Corona für diesen musikalisch wie literarisch gleich bewegenden Abend aus. Schon eingangs hatte Prof. Dorfmüller daran erinnert, dass er schon einmal – im Jahre 2006 – Gast im CC gewesen sei. Es wäre sicher im Sinne der Anwesenden, wenn er es zu einem späteren Zeitpunkt wieder einmal werden könnte!                                                       Peter Riegelmeyer