Mannheim - die Stadt der geheimnisvollen Quadrate

Drucken PDF
Zwei-Tages-Tour des CC am 04. und 05. Oktober 2017

Es war eine wohl abgestimmte Zwei-Tages-Tour in die Stadt der Quadrate und zu den Päpsten: Die Einheit der lateinischen Welt im großen Zeughaus-Museum in Mannheim zog die Civilisten in den Bann.

Schon die Anreise war außergewöhnlich, mit dem IC-Zug durch das Weltkulturerbe des romantischen mittleren Rheintales, flankiert von Burgen oder Ruinen auf den Höhen und mit fleißigen Schiffen auf dem Fluss. Wie im Kino zog die Welt vorbei. Und bei der Rückfahrt begleitete uns der Mond (Vollmond!) von Wanne-Eickel (der Gassenhauer war 1962 nach französischem Vorbild von Friedel Hensch kreiert worden), während die Lautsprecherdurchsagen von der Naturkatastrophe in Norddeutschland kündeten. Eine gelungene Bildungsreise, die die Eheleute Gaby und Manfred Niehoff perfekt vorbereitet und organisiert hatten, wie Präsident Hans-Arnold Loos kurz vor dem Hauptbahnhof Münster lobte.

Quartier nahmen wir im Intercity-Hotel direkt am Bahnhof, hervorragend und total abgeschirmt gegen Lärm, der auch von den vielen Straßenbahnen verursacht wird – vorbildlich dieses dichte System, von dem Münster nur träumen kann.
Mannheim zwischen Rhein und Neckar war für uns terra incognita, die uns durch die Stadtführerin Monika Stein liebevoll erschlossen wurde. Das beginnt schon damit, dass Mannheim auf Pfälzisch ja gar nicht Mannheim heißt – sondern „Monnem“, wie auch einem Plakat im Hotel zum 200. Geburtstag des Fahrrades zu entnehmen war: Und in der Tat hat Karl Drais am 12. Juni 1817 die erste Fahrradtour unternommen, auf dem Laufrad bis Schwetzingen und zurück nach Mannheim. Die pfälzische Identität wurde hier immer hoch gehalten, egal wie die Herrschaft im Wechselspiel der europäischen Mächte hieß. 1607 wurde die Stadt Mannheim gegründet von Kurfürst Friedrich, „einem großen Weintrinker“, und sie wurde systematisch angelegt, so das später der Grundriss in Quadrate von A bis U systematisiert wurde, ein in Deutschland einzigartiges System, das nach einer Eingewöhnung die Orientierung erleichtern kann.

Mannheim zeichnet sich aus durch ein gigantisches Barockschloss, das zweitgrößte, und wurde im 18. Jahrhundert berühmt durch sein Orchester unter Johann Stamitz – es galt als bestes Orchester Europas, das stilbildend für die gesamte Klassik wurde. Auch der junge Mozart reihte sich ein in die Schar der Besucher. Schiller war hier und besuchte heimlich die Uraufführung seiner Räuber im ersten deutschen Nationaltheater. Es war schon außergewöhnlich, wie diese Stadt die Kultur prägte.

Im letzten Krieg wurde sie schwer zerbombt, die historisch wichtigen Bauten wurden rekonstruiert, beispielsweise die barocke Jesuitenkirche, für deren Wiederaufbau Bundeskanzler Helmut Kohl kräftig spendete, so dass man ihr heute die Zerstörung nicht anmerken kann. Natürlich hat Mannheim auch eine bedeutende Universität, herausragend aber sind die Wirtschaftswissenschaften, die haben internationales Niveau.                          E. O.