Von "Traufenkindern" und Wiederrtäufern

Drucken PDF
Ausstellungsbesuch am 19. Oktober 2017

Die Führerin durch die Ausstellung „Die Macht des Wassers“ im Stadtmuseum verblüffte uns eingangs mit einer Frage: „Wissen Sie, wann Sie getauft sind?“ fragte Katrin Jaspers. Darauf konnten wir, die wir doch alle getauft waren, nur den Kopf schütteln, denn wir haben ja auch unsere Taufe nicht aktiv miterlebt, wir waren Babys.

Das war nicht immer so, die Erwachsenentaufe war im Altertum weit verbreitet, schließlich waren die Menschen, die beispielsweise von den Franken missioniert und getauft wurden, erwachsen. Später wurde das zu einer Weltanschauungsfrage, als die Täufer (Wiedertäufer) in Münster wieder zur Erwachsenentaufe übergingen. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt. Weniger allgemein bekannt ist, dass die Stadt Münster 1533 unmittelbar vor der Herrschaft der Täufer protestantisch war.

Die Ausstellung, die das Stadtmuseum zusammen mit dem evangelischen Kirchenkreis als Beitrag zum Reformationsjubiläum konzipiert hat, bringt teils verblüffende Details zum Thema Taufe. So legten Kirche und Gläubige größten Wert darauf, die neugeborenen Kinder möglichst früh zu taufen, um so ihr Seelenheil zu retten. Denn es herrschte die Vorstellung, dass ungetaufte Kinder mit ihrem Tod in die Hölle kämen. Eine grausame Vorstellung, ja eine unchristliche. Kinder, die tot geboren oder unmittelbar nach der Geburt gestorben waren, wurden außen an der Kirchenmauer begraben – es waren „Traufenkinder“, wie die Führerin anmerkte.

Diese Zeit um die Reformation herum war von Endzeitstimmung geprägt, was besonders ausdrucksvoll und drastisch in den Apokalyptischen Reitern von Albrecht Dürer dargestellt wird. Solche Bilder waren typisch für die Ausstellung, teils aber auch noch viel kleinere, so dass man schon nah herantreten musste. Da wirkten historische Taufbecken, wie das aus der Lambertikirche in Coesfeld, als angenehm optische Unterbrechungen. Aus derselben Kirche stammt auch ein Taufregister, ein dickes Buch in feiner und gestochen scharfer Handschrift geschrieben. Insgesamt eine eher kopflastige Ausstellung.

Dennoch Kompliment den Organisatoren des Stadtmuseums, die sich mit dem anspruchsvollen Thema der Taufe einem zentralen Anliegen der christlichen Religion widmen. Kompliment auch dem Ehepaar Gaby und Manfred Niehoff, die uns quasi als Privatissimum eine kleine Vorlesung über Taufen in der Reformation boten.    E. O.