Vom Papstesel und Luther-Narren

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Damenkaffee am 14. November 2017

Da taten sich wahre Abgründe auf, als Dr. Heike Plaß die Zuhörer des Damenkaffees mitnahm auf die rhetorischen Schlachtfelder der Reformation, auf denen mit Polemik, Verunglimpfungen, Pöbeleien, Bosheiten Attacken geritten wurden, und das mit Vergnügen und ausgesprochener Schadenfreude.

Ihr lebhafter und kenntnisreicher Vortrag „Wer wettert am Originellsten?“ zeigte eine weitgehend unbekannte Seite des Reformationszeitalters auf, von der Referentin, die die Erwachsenenbildung im Evangelischen Kirchenkreis leitet, ausdrücklich als „polemischer Beitrag“ zur Kulturgeschichte dieser Epoche charakterisiert.

Heike Plaß war vor ein paar Jahren schon mit der großartigen Barlach-Ausstellung, die sie kuratiert hatte, im Civilclub präsent – wer erinnert sich nicht an den herrlich schwebenden Engel in der Johanneskapelle? Seit Anfang 2014 leitet und prägt sie die evangelische Erwachsenenbildung: „Das ist sehr vielseitig und macht Spaß.“

Zunächst skizzierte sie diese Jahre von Endzeit- und Untergangsstimmung, in der die Menschen ständig mit der Angst vor dem Fegefeuer kämpfen mussten, was den Handel mit den Ablassbriefen natürlich schwunghaft beflügelte. In dieses gut geölte Heilsgeschehen brach Luther ein und kreierte den „Papstesel“, der sich über die Fliegenden Blätter einer enormen Verbreitung erfreute. Solche polemischen Schriften wurden natürlich von der Obrigkeit rasch beschlagnahmt, da sie aber meist anonym auf den gierigen Markt geworfen wurden, konnte man der Urheber kaum habhaft werden.

Beide Seiten standen sich übrigens in nichts nach, auch die katholische Kirche hatte ihre Polemiker, die Luther als Sackpfeife zeichneten, die vom Teufel geblasen wurde. Oder den Straßburger Thomas Murner, der mit vielen Bildern Luther als großen Narren karikierte. Diese antireformatorische Schrift gilt als eine der geistreichsten überhaupt. Geschickt bediente sich der Maler Lucas Cranach d. Ä. dieser Auseinandersetzungen, der Großunternehmer stellte seine Kunst in den Dienst beider Seiten. Es war ein schier unerschöpfliches Kaleidoskop von gegenseitigen Beleidigungen, Verdrehungen, Monstrositäten, Unterstellungen an der Grenze des für uns heute Erträglichen, das Dr. Heike Plaß vor den Civilisten aufblätterte. Auch heute gebe es Zuspitzungen, schlug sie den Bogen zur Gegenwart, und zeigte eine Karikatur, in der der Papst im großen Satz über einen Kleriker mit der Aufschrift konservativ springt.

Diese ihre Ausführungen sind auch in einem Buch im Luther-Verlag nachzulesen zum bescheidenen Preis von 12,95 Euro.                                 E. O.