Die Faszination des Bernsteins

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Vortrag im CC am 15. November 2017

Der Abendvortrag am 15.11.2017, mit dem uns Herr Professor Dr. Max J. Kobbert in die Welt des Bernsteins einführte, war ein besonderes ästhetisches Vergnügen. Das fossile Harz Bernstein übte schon immer eine besondere Faszination auf die Menschen aus, sei es im Altertum, in der Antike oder in der Neuzeit. Das Farbenspektrum, in dem Bernstein auftritt, ist weit gefächert.

Es reicht von weiß, hellgelb über dunkelbraun bis schwarz. Es werden jedoch auch rote, blaue und grünliche Bernsteine gefunden. Bernstein ist ein weiches Material, das sich mit einer Kupfermünze einritzen lässt und unter Einwirkung von Sauerstoff und UV-Strahlung langsam verwittert. Die Brennbarkeit des Stoffes wies Herr Prof. Kobbert eindrucksvoll nach, indem er ein Stück Bernstein anzündete, das mit dem Ende des Vortrags verglimmt (verglommen) war.

Das Interesse an Bernstein änderte sich jedoch im Wandel der Zeiten. Mag man anfangs dem fossilen Harz magische Kräfte zugeschrieben haben, so glaubten die Menschen des Mittelalters an seine heilende Wirkung. Zu allen Zeiten jedoch verfehlte Bernstein auch seine ästhetische Wirkung auf den Menschen nicht, und so wurde dieser Stoff schon früh auch zu Schmuck verarbeitet, was z. B. Funde in ägyptischen Gräbern belegen. Auch wir erfreuen uns an Schmuckgegenständen aus Bernstein. Für uns hat Bernstein heute vor allem einen ästhetischen Wert.

Da der Stoff jedoch auch mit Einschlüssen (Inklusen) vorkommt, eröffnet er darüber hinaus heute Geologen und Biologen gleichzeitig „Fenster in die Urzeit“. Die Einschlüsse lassen Erkenntnisse im Hinblick auf die Flora und Fauna der urzeitlichen Nadelwälder vor 60 bis mehr als hundert Millionen Jahren zu, die Teile der Erde bedeckten, lange bevor der Mensch die Erde betrat. In vielen der von Prof. Kobbert gezeigten Bernsteine waren Baumnadeln, Blätter, Insekten oder Federn eingeschlossen.

Bernstein wird an vielen Stellen der Erde gefunden, wie Prof. Kobbert ausführte, vor allem entlang der Ostseeküste (besonders im Samland), aber auch im Vorderen Orient, in Südostasien und in Lateinamerika. An Bildern aus dem Samland zeigte Prof. Kobbert, wie Bernstein gewonnen wird. Abgesehen von Zufallsfunden am Strand wird Bernstein entweder in seichtem Wasser des Meeresufers mit Netzen gefischt oder auch mit Baggern aus der Erde abgebaut.

Abschließend war Thema des Vortrags das berühmte Bernsteinzimmer, das der erste preußische König Friedrich I. um 1705/7 anfertigen ließ und dessen Sohn Friedrich Wilhelm I. (Soldatenkönig) dem russischen Zaren Peter I., schenkte. Deutsche Truppen raubten das Bernsteinzimmer 1941 in Leningrad (St. Petersburg) und brachten es als Kriegsbeute nach Königsberg. Seit 1945 ist es verschollen. Eine originalgetreue Nachbildung, an der seit 1976 gearbeitet wurde, befindet sich seit 2003 im Katharinenpalast in St. Petersburg.
Mit reichem Beifall bedankten sich die Civilisten für den glanzvollen Vortrag.
Renate Loos