Zwischen Schulspeisung und Pater Leppich

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Damenkaffee am 16. Januar 2018

Eine Jugend im Münsterland
Es waren viele Bilder, die Arnold Pesch zusammengetragen hat, in denen sich die Zuhörer wiederfinden konnten, auch wenn sie nicht wie der Referent im Münsterland, genauer gesagt in Horstmar, aufgewachsen waren. Es war anschaulicher und unterhaltsamer Heimat- und Geschichtsunterricht beim Damenkaffee, der viele eigene Erinnerungen wach werden ließ.

Wann setzen bei Kindern die Erinnerungen ein? Arnold Pesch kann sich an den verheerenden Luftangriff auf Münster vom 10. Oktober 1943 erinnern, da war er vier Jahre alt, später an den Beschuss durch Tiefflieger. Dann herrschten ab Karfreitag 1945 die alliierten Sieger, begleitet bald von Pulks von Hamsterern und Zügen von Flüchtlingen. Der Hungerwinter stellte die Bevölkerung vor große Herausforderun­gen, die Mutter brachte Giersch und Brennnesseln auf den Tisch, um die Familie satt zu bekommen. Dankbare Erwähnungen gab es von Carepaketen und Schulspei­sung.

Der Referent setzte geschickt immer wieder allgemein historische Daten, wie die Einführung des Fernsehens 1952 oder das legendäre „Wunder von Bern“ 1954, die Wehrpflicht von 1956. Später kam die Musiktruhe dazu, kombiniert mit einer Bar für den Vater, das war schon gehobener Luxus, das Tor zur Welt öffnete sich. Dazwischen markierten nostalgische Figuren wie der Milchmann die doch einfache Versorgungslage, der ergänzend zum Tante-Emma-Laden die Milch auf der Straße verkaufte, die in einer „Düppe“ geholt werden musste. Viele der Zuhörer werden auch Pater Leppich persönlich erlebt haben, das Maschinengewehr Gottes, der Tausende begeisterte, aber sich übers Münsterland ziemlich abfällig äußerte – „eine Jauchegrube, zugepflastert mit Gebet­büchern“.

Zuhause wurden Karten gespielt, Schwarzer Peter, wer macht das heute noch? Kaufladen, Puppenstube, Kaspertheater, Märklinbaukästen konnten Kinderherzen höher schlagen lassen. Im Winter wurde Schlittschuh gelaufen auf den zugefrorenen Gräften, und im Sommer gab`s das Kinderschützenfest in der Nachbarschaft. In den Schulen wurden natürlich Ausflüge gemacht, was Fotos belegten, auf der höheren Schule nach Berlin in die geteilte Stadt noch vor dem Mauerbau: „Das war Pflicht“. Und es wurden die Poesiealben gepflegt, für Kinder gab es im Stern beigelegt „Das Sternchen“, auf der Freilichtbühne in Tecklenburg wurden die Aufführungen der Klassiker besucht.

Es war ein bunter Reigen von Fotos, die Arnold Pesch bei Besuchen in zahlreichen Heimatvereinen gesammelt hat, an die 3000, und von einigen hat er ein Büchlein im Wartberg-Verlag gemacht „Aufgewachsen im Münsterland“. Es gab einige Nachfra­gen und Ergänzungen, die Zuhörer dankten dem Referenten mit Beifall für die infor­mativ unterhaltsame Stunde, und Erika Günther überreichte eine Flasche Wein als Dank.    E. O.