Gurlitt - der den "Pakt mit dem Teufel" schließt

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Ausstellungsbesuch in Bonn am 08. Februar 2018

Der Berichterstatter muss gestehen, dass er anfangs den Kunsthändler Gurlitt pauschal verdäch­tigte, seine gigantische Kunstsammlung unrechtmäßig erworben oder gar „ge­raubt“ zu haben. Nach dem Besuch der Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt“ in der Bundeskunsthalle Bonn ließ sich dieses Urteil nicht mehr halten, die Sachlage ist kompliziert, auch dubios und lässt sich wohl nie mehr endgültig klären. 2012 war die Sammlung von Cornelius Gurlitt beschlagnahmt worden, wobei der Ausdruck Sammlung in die Irre führt, eher wäre Sammelsurium richtig. Denn es sind nahezu alle Meister und alle Stile vertreten, so wie sie Cornelius von seinem Vater Hildebrandt geerbt hatte. Und genau bei dem liegt der Schlüssel. Cornelius Gurlitt hat diese Sammlung kurz vor seinem Tode dem Kunstmuseum Bern vermacht.

Dieser Hildebrandt Gurlitt war zweifellos ein begabter Kunsthistoriker und Kunstsammler, der mehrere Museen erfolgreich führte, kein Mitglied der NSDAP war, im Gegenteil als Vierteljude damals als belastet galt. Aber er stellte sich in den Dienst der NS-Partei („er musste ja irgendwie leben“, meinte unser Führer) und wurde einer von vier Kunsthändlern, die die Museen von der entarteten Kunst „befreiten“, die anschließend ins Ausland ver­kauft wurde. Gleichzeitig lief der Sonderauftrag Linz, mit dem für das geplante Führer­museum im besetzten Europa die Kunstwerke zusammen „gekauft“ werden sollten. Und Hildebrandt Gurlitt war der Chefeinkäufer, der seine Transaktionen über einen Pariser Kunsthändler abwickelte. Hier steht eines der großen Frage­zeichen, denn es ist natürlich nicht bekannt, wie der Pariser Partner an die Kunstwerke gekommen war. Die Kunstwerke waren mit Echtheitszertifikaten versehen – waren das Gefällig­keits­nachweise? In vielen Fällen bleibt es dunkel, wie die Kunstwerke in den Besitz von Hildebrandt Gurlitt gelangten. Insofern konnte die Provenienz der meisten Werke jetzt auch in dieser Aus­stellung nicht geklärt werden: „Wir hoffen immer, dass sich jemand meldet mit der Bemerkung, das Bild hing früher bei meiner Großmutter oder Urgroßmutter“, erklärte der Führer. Aber wer kann sich nach Jahrzehnten noch daran erinnern? So ist denn auch nur ein Werk identifiziert worden und geht zurück an die Erben. Es ging in dieser Ausstellung nicht so sehr um die ausgestellten Werke, sondern vielmehr um die Geschichten dahinter. Und die waren spannend genug. Sie zeigen, wie tief der Kunsthandel in die Machenschaften des NS-Regimes verstrickt war.

Es war ein großartiger Ausflug in die jüngere deutsche Geschichte, den das Ehepaar Gabriele und Manfred Niehoff für uns organisierte, wie immer perfekt, was Präsident Hans-Arnold Loos auf der Heimfahrt gebührend würdigte, vor allem die tolle Idee, den Besuch ausgerechnet an Weiber­fastnacht zu terminieren, weil  das Museum nicht so überlaufen war. Danke Niehoffs!               E.O.