Elmar Brok - vom Global Payer zum Global Player

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Vortrag im CC von Elmar Brok am 19. April 2018

Ein europäisches Urgestein, den „Henry Kissinger Europa“ (DIE ZEIT), konnte Präsident Hans-Arnold Loos mit Elmar Brok im Civilclub zu seinem Vortrag „Die Zukunft Europas - Ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten?“ bei sommerlichen Temperaturen vor der rekordverdächtigen Kulisse von 110 Teilnehmenden am 19. April begrüßen.

Dass Brok Europa zu seinem Lebensthema gemacht hat und ein überzeugter und überzeugender Anwalt Europas ist, eben „Mister Europa“, konnten auch die Anwesenden erleben.

Morgens noch in Straßburg, abends beim Civilclub, am nächsten Morgen um 6.40 Uhr von Bielefeld, nach einem Kurzbesuch bei der Familie, mit dem Zug weiter nach Berlin zu den Europäischen Föderalisten, deren Vorsitzender Brok ist - das ist ein Auszug aus dem Terminkalender des unermüdlichen EU-Parlamentariers Brok. Brok, geboren 1946 in Schloss Holte, der Liebe wegen umgezogen nach Bielefeld, ist seit 1980 ununterbrochen Mitglied des Europäischen Parlaments und dessen dienstältestes Mitglied. Er war von 1999 bis 2007 und von 2012 bis 2017 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und ist Brexit-Koordinator der EVP-Fraktion.

Elmar Brok betonte in seinem Vortrag, dass das vereinte Europa das erfolgreichste Stück unserer deutschen Geschichte sei: 70 Jahre in Frieden und Freiheit, die deutsche Einheit mit Zustimmung der Nachbarn, dank des europäischen Binnenmarkts die beste wirtschaftliche Situation unserer Geschichte. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland einen Handelsbilanzüberschuss von 180 Milliarden Euro hat, 60 bis 65 % unserer Exporte in den europäischen Binnenmarkt gingen und 45 % der Wertschöpfung im Export erzielt würden und der derzeitige deutsche Beitrag zum EU-Haushalt ein Drittel der Kosten für die Bundeswehr ausmache, könne er die Diskussion um die Erhöhung des deutschen Beitrages zum EU-Haushalt nicht nachvollziehen. Denn: „Die EU ist das beste Produkt der deutschen Geschichte.“ Das mögen sich die vergegenwärtigen, die Kritik an Einzelfragen üben würden. „Einfach mal nachdenken“, so Brok. Nun, nachdenkenswert erscheint es auch, ob es der EU hilft, Kritik zu einzelnen Aspekten pauschal mit dem Hinweis auf das „große Ganze“ abzuschmettern.

Konkret ging Brok auch auf die Flüchtlingspolitik der EU ein. Der Vertrag der EU mit der Türkei habe dazu beigetragen, dass 93 % weniger Flüchtlinge aus der Region im Jahr 2017 gekommen seien (im Vergleich zu 2015). Der klügere Weg der Flüchtlingspolitik sei erstens eine neue Afrikapolitik, um den Menschen in ihrer Heimat eine neue Lebensperspektive zu geben und damit dafür zu sorgen, dass die Menschen zu Hause bleiben. Das sei nur durch gemeinsame Anstrengungen zu erreichen. Zweitens müssten gemeinsam durch einen europäischen Grenzschutz die Außengrenzen der EU besser gestärkt werden. Nur die EU sei in der Lage, die Außengrenzen dicht zu machen. Brok meint, dass innerhalb der EU die Lastenverteilung gleicher sein müsse, aber nicht die Aufnahmequoten von Flüchtlingen. Denn es seien gesellschaftliche oder historische Gründe von EU-Mitgliedsstaaten zu respektieren. Brok plädierte leidenschaftlich dafür, Europa stärker zu machen, damit es in der Weltpolitik mit am Tische sitze, um Verantwortung zu übernehmen. Die EU müsse „vom Global payer zum Global player“ werden.

Brok betonte, dass die Nationalstaaten gebraucht würden als Träger von Identität, Kultur und Geschichte in einem geeinten Europa – „Einheit in Vielfalt“. Er zitierte Helmut Kohl, der gesagt hat: "Die Pfalz ist meine Heimat, Deutschland mein Vaterland und Europa meine Zukunft."

Die Anwesenden dankten Elmar Brok für sein leidenschaftliches Plädoyer für Europa mit lebhaftem Beifall. Der Präsident überreichte dem Gast als Dank für seinen fulminanten Vortrag das Buch „Die Geschichte Nordrhein-Westfalens“ von Ulrich Kröll und das Rathaus des Westfälischen Friedens, der quasi ein Vorläufer der Europäischen Union ist, als Lichtfänger.                      Michaela Heuer