Über den Schriftsteller Thomas Bernhard

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Vortrag im CC von Eckard Andersson im Kulturcafé am 27. April 2018

Das Werk des Autors Thomas Bernhard (1931 - 1989) ist umfangreich. Es umfasst neun Romane, eine große Anzahl an Erzählungen, fünf Gedichtbände sowie 18 Theaterstücke.

Das künstlerische Schaffen des Autors weist ein sehr individuelles Profil auf. Es ist geprägt von Individuellen Lebenserfahrungen, vor allem denen der Kindheit, und thematisiert u. a. Tod, Krankheit, Verfall und Sinnsuche, aber auch Gesellschaftskritik. – Wegen des autobiographischen Bezugs der Werke Bernhards ging der Referent Eckard Andersson im Kulturcafé am 27. April zunächst ausführlich auf dessen Leben ein und ergänzte seine Ausführungen mit zahlreichen zeitgenössischen Fotos.

Als unehelicher Sohn der Tochter des österreichischen Schriftstellers Johannes Freumbichler 1931 in Heerlen / Niederlande geboren, verbringt Thomas Bernhard seine Kindheit in ärmlichen Verhältnissen. Die Mutter ist Hausangestellte in den Niederlanden, der Vater Tischler, der sich jedoch weder für seinen Sohn noch für die Mutter seines Sohnes verantwortlich fühlt und 1940 bereits in den Kriegswirren stirbt. Thomas Bernhard hat seinen Vater nie gesehen. Die Lichtgestalt in seinem Leben ist der Großvater mütterlicherseits. Bei den Großeltern in Österreich verbringt Thomas Bernhard glückliche Jahre und erfährt dort seine geistige und charakterliche Prägung.

Die Ausbildung Bernhards verläuft nicht gradlinig, bereitet ihn aber doch schließlich auf seinen späteren Beruf vor: Abbruch der Schullaufbahn in einem Salzburger Internat, Beginn einer kauf­männischen Lehre, Musikunterricht, Schauspiel- und Regiestudium. Nach bestandener Bühnen­reifeprüfung (1957) entscheidet sich Bernhard für den Beruf eines freien Schriftstellers, in dem er sich als äußerst produktiv und erfolgreich erweist. 1964 erhält er den Bremer Kulturpreis, 1970 den Georg-Büchner-Preis. Bekannte Persönlichkeiten aus Literatur- und Theaterwelt werden auf ihn aufmerksam, u. a. Carl Zuckmayer, der ihn als eine große Entdeckung bezeichnet, Bernhard Minetti und Michel Piccoli spielen seine Protagonisten. Der Regisseur Claus Peymann inszeniert im Burgtheater sein Theaterstück Heldenplatz, das im Jahr 1988 spielt, genau 50 Jahre nach dem ‚Anschluss Österreichs‘ an das nationalsozialistische Deutschland. In diesem Theaterstück, das auf Peymanns Veranlassung geschrieben wurde und das einen Skandal auslöste, macht Thomas Bernhard auf die Nichtbewältigung der österreichischen Vergangenheit und auf weiter schwelende nationalsozialistische Tendenzen in der österreichischen Öffentlichkeit aufmerksam.

Abschließend ging Eckard Andersson, seit 1999 mit seiner Frau Mitglied der Thomas-Bernhard-Gesellschaft, noch einmal auf die Persönlichkeit des Autors ein und charakterisierte ihn als einen eigenwilligen Einzelgänger, der sich fernhielt vom allgemeinen Kulturbetrieb, in kritischer Distanz zu seiner Heimat Österreich lebte und selbst in seinen künstlerischen Aussagen schwer fassbar ist. Er sei ein Mensch des Widerspruchs gewesen, der in seinen Texten mit Aussagen und Stilmitteln spiele. Eckard Andersson bekannte jedoch, von der Persönlichkeit und dem Werk des Autors fasziniert, ja persönlich berührt zu sein.

Die zahlreich vertretenen CC-Mitglieder dankten dem Referenten für seinen qualitätvollen Vortrag mit reichem und lang anhaltendem Beifall.                                 RL