Ausstellungsmarathon durch den Frieden

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Ausstellungsbesuch am 15. Mai 2018

Im Landesmuseum stoßen die Besucher zu Beginn der Ausstellung „Wege zum Frieden“ auf üppig dimensionierte Bilder, die mit allegorischen Figuren Gerechtigkeit und Frieden darstellen sollen – die Fürsten der Renaissance ließen sich gleichsam ihr Regierungs­programm malen.

Verwundert es, dass sie sich selbst nicht daran hielten? In Siena waren alle Personen auf einem Bilde durch einen Strick verbunden – „alle ziehen an einem Strang“. Ein anderes Werk zeigt Venus, wie sie versucht, Mars zu verführen – ganz nach dem modernen Motto: „make love not war“. Der Frieden war auch damals immer wieder brüchig.

Die Besucher erwartet ein wahrer Ausstellungsmarathon, den unsere kunstinteressierten Civilisten mitsamt der Führerin bravourös bewältigten. Anschließend taten die Tasse Kaffee oder ein kühles Getränk im Innenhof gut.
Bild drastisch sind die Darstellungen der flandrischen Schlachtfelder von Otto Dix – die Realität war aber noch viel grausiger. Wilhelm Lehmbruck drückte mit seinem knienden Antihelden die schiere Verzweiflung aus, so dass Käthe Kollwitz auf einem Plakat schrie „Nie wieder Krieg“. Ihr Sohn Peter ist 1914 in Flandern gefallen – hier fehlte der Hinweis darauf, dass sie ihm und den anderen toten Soldaten auf dem Friedhof von Vladslo mit dem trauernden Ehepaar ein ergreifendes Mahnmal gesetzt hat.

Immer wieder Symbole in der Ausstellung: Beispielsweise die berühmten Bürger von Calais von Rodin oder der kniende Kanzler Willy Brandt in Warschau – immerhin haben die Polen diesen weltweit beachteten Kniefall von 1970 zum Anlass genommen, einen Platz danach zu benennen. Es war das Symbol für eine neue Ostpolitik.

Und dann kam 1648. In der Ausstellung ist ein originales Exemplar des Friedensvertrages mit 41 Unterschriften zu sehen, beigesteuert aus Wien. Angesichts der Fülle von Exponaten blieb diese historische Urkunde leider weitgehend unbeachtet. Wie auch eine Ikone des Westfälischen Friedens: Die Beschwörung des Friedens im Friedenssaal, gemalt von Gerard ter Borch, womit der 80-jährige Krieg zwischen den niederländischen Generalstaaten und Spanien beendet war. Es war eine Sensation, die leider unterging: Zum ersten Mal wird in Münster das Original gezeigt, als Leihgabe des Rijksmuseums in Amsterdam, das seinerseits seit 2000 dieses Bild als Dauerleihgabe des Britischen Museums zeigen kann. Wir haben das Bild vor ein paar Jahren zur Wiedereröffnung des Rijksmuseums besucht. Dass es sich im Landesmuseum tatsächlich um das Original handelt, bestätigte Prof. Dr. Franz-Josef Jakobi. In Münster gibt es nur Kopien.

Der Westfälische Frieden war der erste, der auf dem Verhandlungswege erarbeitet und nicht etwa auf dem Schlachtfeld erstritten wurde, wie der berüchtigte Friedensschluss von Versailles, der die Grundlage legte für kommende Auseinandersetzungen. Ein großes Bild zeigt die Unterzeichnung des Versailler Vertrages, eine Leihgabe des Imperial War Museums in London. Deutsche Delegierte stehen draußen auf Stühlen und schauen durch die Fenster in den Saal.

Provokationen in der Bistums-Ausstellung

Dann wird es eng: Die Ausstellung des Bistums „Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?“ musste mangels eigener Räume im Altbau des Landesmuseums arrangiert werden, die Enge ist förmlich körperlich spürbar.
Empfangen wird der Besucher von einer großen Friedenstaube, die der Künstler Banksy (Identität geheim) mit einer schusssicheren Weste ausstattete, 2007 für Bethlehem gestaltet, als Anklage gegen den israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt, zurzeit wieder hoch aktuell. Natürlich ist diese Bistums-Ausstellung kirchlicher und religiöser, tiefer bohrend, die Bergpredigt wird thematisiert, das Zweite Vatikanische Konzil, der Friedens­kuss, der im Mittelalter während der Messe realiter ausgetauscht wurde.

Der absolute Hammer ist ein Exponat, das einen fromm knienden Adolf Hitler zeigt, mit der Frage daneben „vergibt Gott jedem alles?“. Da läuft es einem kalt den Rücken runter und man spürt, dass hier Religion ihre Grenzen erreicht. Der Künstler Maurizio Cattelan liebt die Provokation, die hat er hier krass erreicht. Und noch ein Schocker: Eine Madonna mit dem Jesuskind auf dem Arm, und was hält der Knabe in der linken Hand? Einen abgeschlagenen Moslemkopf, und das Ganze zur Verehrung des heiligsten Rosenkranzes gedacht. Diese Perversion der Religion kommt als Leihgabe des Stadtmuseums Köln.
Anrührend ein Brief, den Bonhoeffer aus der Haft schrieb, und auch seine berühmten Verse „von guten Mächten wunderbar geborgen“ und das den sicheren Tod vor Augen. Dazu passt der Regenbogen vom Museumskünstler Otto Piene als Symbol für Frieden.

Diese Bistumsausstellung endet mit der Präsentation privater Leihgeber, darunter ist auch unser Mitglied Dr. Paul-Ernst Köhling, der eine silberne Almosenschale mit einem Erzengel Michael aus dem 18. Jahrhundert beisteuerte, erworben während des lang­jährigen dienstlichen Aufenthalts in Südamerika. Die Informationen dazu soll man Kartei­karten aus einem Kasten entnehmen – das ist sicherlich nicht besucherfreundlich.  E. O.