Westfälischer Frieden für den Nahen Osten?

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Vortrag von Prof. Franz Josef Jakobi am 16. Mai 2018

„Prof. Dr. Franz Josef Jakobi, Leiter des Stadtarchivs von 1986 – 2005 und Herausgeber der drei großen Bände über die Geschichte der Stadt Münster, hat die Erinnerungskultur unserer Stadt entscheidend mitgeprägt“, begrüßte Vizepräsident Johannes Krause-Isermann nicht nur den Referenten des Vortragsabends am 16. Mai, sondern auch unser langjähriges und sehr geschätztes Mitglied, „das mit vielen, vielen Vorträgen das Leben und den Kenntnisstand unseres Clubs bereichert hat“.

- Ein großes Glück also, einen Historiker solchen Formats in unseren Reihen zu haben. Wer sonst könnte umfassender und wissenschaftlich fundierter über den vor 370 Jahren erfolgreich beendeten Friedenskongress in Münster und Osnabrück und seine Lehren und Aufgaben für die Zukunft der Menschheit berichten?

„Münster und Osnabrück wurde mit der Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels (EKS) 2015 an den Rathäusern beider Städte ausgezeichnet. Voraussetzung dafür war der aktive und kreative Umgang mit dem kulturellen Erbe in den vergangenen Jahrzehnten. Die Auszeichnung ist eine besondere Ehre, die nur europäischen Stätten und Orten mit erheblicher geschichtlicher Bedeutung wie bspw. dem zugleich geehrten Hambacher Schloss zukommen kann“. „Sie ist auch Auftrag“, so Prof. Jakobi weiter, „den Anlass der Ehrung der breiten Öffentlichkeit und den nächsten Generationen zu vermitteln“. Dem kommt die Stadt Münster in diesem Jahr mit der Installation der digitalen Dokumentation „Münster und der Westfälische Frieden“ in der Bürgerhalle vor dem Friedenssaal nach. Diese besteht aus verschiedenen Teilen; auf Bildschirmen und Tablets werden Bild-, Video- und Textsequenzen gezeigt. Auf einem Großbildschirm wird der Umgang mit dem Thema Westfälischer Frieden in Münster als durchlaufende Sequenz dargestellt.

Neben einem umfassenden Überblick über das Kriegsgeschehen 1618-1648, insbesondere die kriegführenden europäischen Großmächten sowie die Kriegsphasen, beschrieb Prof. Dr. Jakobi eindrucksvoll die Bedeutung und Wirkung des Westfälischen Friedens für Jahrhunderte danach. Das generationenlang aufgehäufte Konfliktpotenzial des sog. konfessionellen Zeitalters sei in Ansehung der Devise „pax optima rerum“ dauerhaft entschärft und die Grundlagen für ein friedliches Miteinander der Konfessionen, Stände und Mächte in Deutschland und Europa geschaffen worden. Die gleichberechtigte Teilnahme aller Beteiligten und der Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates seien seitdem völkerrechtlich geltende Prinzipien. Erst in jüngster Zeit sei die Wahrung des individuellen Menschenrechts als gleichrangiger Maßstab bei den Entscheidungen des UN-Sicherheitsrates hinzugekommen (Bsp. Balkan).

Auch angesichts dieses aktuellen Bezugs folgte eine rege Diskussion. Es wurde die Frage gestellt, ob – wie „Die Zeit“ – jüngst titelte, nicht gar ein Westfälischer Frieden für den Nahen Osten hilfreich sein könnte. Notwendig ja, aber kaum realistisch, war die allgemeine Erkenntnis zum Abschluss der Veranstaltung, die dank des Referenten herausragend war und sicher in fester Erinnerung bleiben wird. Ihm wurde mit langem und lebhaftem Beifall und einem vom Präsidenten Hans Arnold Loos ausgewählten guten Wein aus dem Burgenland herzlich gedankt.

Eckard Andersson