Ein Programm der Extreme

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Fahrt des CC nach Nordpolen vom 7. bis 14. Juli 2018

Organisiert worden war diese Reise in enger Zusammenarbeit mit Theo Jungnitsch von Theos-Reisen, der wiederum eng mit einem polnischen Reisebüro in Warschau kooperiert.

Dessen Chefin war unsere Reiseleiterin: Iwona Jaworska-Brach sprach perfekt Deutsch, wusste alles, hatte Humor und Mutterwitz. Sie holte uns am Flughafen in Danzig ab und begleitete uns auch dorthin zurück, und das trotz der extrem frühen Morgenzeit von 4 Uhr.

Am ersten Tag konnten wir innehalten bei einem kleinen Konzert in der Kirche von Oliva, das nicht nur akustisch ein Genuss war sondern auch optisch, denn die Engelsfiguren an der Orgel musizierten mit. Zoppot, das mondäne Seebad an der Ostsee, ist wieder erstanden. Es strotzt mit der längsten Seebrücke an der Ostsee, üppigen Hotels und einem ganz erstaunlichen Passantengewimmel in den Fußgängerzonen. Und – Polen erstickt im Autoverkehr, es werden nahezu nur die teuersten und neuesten Modelle gefahren.

Der nächste Tag wartete mit einer absoluten Skurrilität auf: Auf dem Oberlandkanal werden die Schiffe auf Schienen Hügel rauf und runter gefahren, heute ohne wirtschaftliche Bedeutung, aber für Touristen ein Highlight. Wunderbar, dass diese Anlage aus dem 19. Jahrhundert restauriert wurde.

Krasses Gegenstück die Westerplatte am Rande des Danziger Hafens: Hier hatte am 1. September 1939 das Linienschiff „Schleswig-Holstein“ mit der Beschießung des polnischen Munitionsdepot den Zweiten Weltkrieg eröffnet. Heute ist die viel belaufene Anlage ein Mahnmal für die Toten dieser Beschießung. Im Hafen wurden wir mit der politischen Entwicklung konfrontiert, streikende Arbeiter fügten ab 1970 mit der Solidarnosc dem monolithischern Ostblock erste Risse zu, für Lech Walesa begann der politische Aufstieg, bis er 1990 erster demokratisch gewählter Präsident Polens wurde. Den 80 Toten ist ein eindrucksvolles Mahnmal gewidmet, übrigens schon 1980. Die Wende in Europa hat hier auf der Lenin-Werft mit Solidarnosc begonnen.

Harter Kontrast: Das Führerhauptquartier „Wolfs­schanze“ im dichten Wald von Rastenburg: Der düste­ren Stimmung dieses Unortes waren Regen und Kühle angemessen, es ist die Begehung einer Trümmer­landschaft, aber was für Trümmer: Mauern und Decken der Bunker waren seinerzeit bis zu acht Meter dick, sie wurden im Januar 1945 gesprengt, als die Russen vor der Tür standen. Hier hat am 20. Juli 1944 das missglückte Attentat auf Hitler stattgefunden, Graf von Stauffenberg wird mit einem metallenen Buch gehrt, wo damals die Baracke gestan­den hatte. Unser Führer (hier muss man mit dem Ausdruck vorsichtig sein) erzählte von 300.000 Besuchern jährlich, Rechtsextreme seien kein Problem.                      E. O.