Farben, die reizen, agieren und nützen

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Vortrag von Prof. Dr. Max Kobbert am 17. Juli 2018

Einerseits ging es in dem Vortrag von Prof. Dr. Max J. Kobbert um ein Thema der Wahrnehmungspsychologie, um Entstehung von Farben in unserem Auge und Kopf, um Licht und Prismen, um Nanometer und Wellenlängen, andererseits um Erfahrungen der Zuhörer, um Forschungsarbeiten des Sprechers und um verblüffende Erkenntnisse, die jeder nachvollziehen und in das Spektrum seines Denkens und Wahrnehmens einbauen konnte.

Einzelne Farben wie Rot und Violett wurden auf die Wand projiziert und man konnte die winzigen Differenzierung der Farbstufen gerade noch erkennen. Farbe ist nicht nur ein Stoff, sondern auch Energie und Erlebnis. Farben enthalten nicht nur Pigmente, sondern als Pigmente auch Gifte wie Arsen, die ein van Gogh verwandte. Farben faszinieren im Regenbogen, auch wenn die Tropfen des Wassers auf dem feuchten Gras und Erdboden eine einfache Erklärung dafür liefern. Dass Bienen und Klapperschlangen andere Farben und Wellenlängen nutzen, war einsichtig und addierte damit Details aus unserer Erfahrungswelt; bombastisch war demgegenüber der Eindruck einer Wärmebildkamera vom einlaufenden Wasser in eine Badewanne: die Bilder suggerierten eine dramatische Feuerwelt.

Unterschiedlichste Aufnahmen wurden für die Farbdarstellungen herangezogen - die Sonne mit Röntgenlicht wiedergegeben und das Bild von ganz banalen Socken im Lampenlicht und unter Sonnenstrahlen. Das Gehirn mit seinen Regionen sorgt für die Verarbeitung und Interaktion; Physiologie und Psychologie gehen unterschiedlich vor. Farbwahrnehmung verändert sich auf Grund von Hintergründen, ablaufenden Sehvorgängen und persönlichen Erfahrungen; das „normale“ Sehvermögen wurde gegenüber allen Fehlsichtigkeiten wie Protanopie (Rotblindheit) oder Tritanopie (Blaublindheit) erklärt. Warum sich in der Evolution bestimmte Fähigkeiten entwickelt haben, wurde an den Bildern von Äpfeln demonstriert: Blick in einen Obstbaum mit grünen und gelblichen Früchten zeigen ein eher unklares Bild von den Äpfeln, Blick in den Baum mit einem spezialisierten Sehen zeigen die roten Äpfel deutlich, die den Menschen zum Essen anreizen. Interessant war dann zum Schluss der Hinweis auf das Baker-Miller Pink, das dem Menschen jede Aggression nimmt, das schlank macht und wegen seiner eindeutigen Wirkung die Persönlichkeit beeinträchtigt; man verwandte es daher in Gefängnissen nicht mehr. Dass Farben mit Linien, Flächen und Räumen interagieren, war Thema des Bauhauskünstlers Josef Albers, dessen Ausstellung jetzt in der Villa Hügel gezeigt wird.
H. J. Hubrich