Wasserschloss mit italienischem Charme

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Konzertevent auf Schloss Stapel am 26. August 2018

Das Konzertevent auf Haus Stapel begann mit einer persönlichen Korrektur: „Das ist nicht morbide, sondern italienischer Charme“, stellte die Schlossherrin die anfängliche Einschätzung zweier Besucher vor dem Wasserschloss richtig – Mechthild Freifrau Raitz von Frenz warb im bis auf den letzten Platz gefüllten Festsaal des klassizistischen Gebäudes (Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet), des drittgrößten Wasserschlosses in Westfalen, um Verständnis, dass „nicht alles XXL“ sein könne. Sie zeigte sich dankbar für die Unterstützung der Stiftung Denkmalschutz.

Diese war es, die die Konzert-Lesung am Sonntag organisiert hatte, wie immer nahm Sigrid Karliczek, Vorsitzende des Ortskuratoriums, keinen Eintritt, sondern warb um Spenden, „die große Zahl der Zuhörer ist eine zusätzliche Motivation für unser Engagement“.

Das Programm war eine faszinierende Mischung aus Musik von Chopin und Texten der Schriftstellerin George Sand über Chopin, vorgetragen von der kroatischen Pianistin Nadja Bulatovic und der Rezitatorin Prof. Dr. Ute Büchter-Römer, die ein musikalisch psychologisches Mosaik dieses großartigen Komponisten entstehen ließen.

Natürlich war die Musik bekannt, wohl jeder hatte die Melodien im Ohr, die Nadja Bulatovic teils nachdenklich zögernd, als wenn die Komposition gerade erst entstünde, dann wieder explosiv vorwärts stürmend auf dem Knake-Flügel aus Münster (von 1873, 1912 aufwändig restauriert) mit einer Technik zelebrierte, die keine Grenzen zu kennen schien. Dem plötzlichen Ende des Sommers entsprechend stand ein Großteil der Nocturnes und Valses in Moll.

Frederic Chopin muss furchtbar gelitten haben, auch psychisch, wie in den Lesungen von Ute Büchter-Römer deutlich wurde. Die Verbindung zwischen Chopin und George Sand war für beide wohl schmerzhaft, eine Erfüllung brachte sie wohl nicht. Zudem wurden sie bei ihrem Aufenthalt auf Mallorca von den Einheimischen abgelehnt – ein unverheiratetes Paar und zudem ein Kranker stießen auf Vorbehalte. Anfangs hatte Chopin die berühme Schriftstellerin auch strikt abgelehnt: „Es ist an ihr etwas, was mich abstößt“, schrieb er an seine Eltern. Aber George Sand war entschlossen, den berühmten Pianisten zu erobern.

Diese Konzert-Lesung war eine gelungene Werbung für die Idee des Denkmalschutzes, der auch dem Erhalt von Haus Stapel zugute kommt. Das riesige für private Besuche nicht zugängige Wasserschloss mit einigen Wohnungen liegt mitten in der Einsamkeit im Außenbezirk von Havixbeck, so dass einige Besucher nach dem Weg richtig suchen mussten. Es erwacht aus seinem Dornröschen-Schlaf, wenn sich Kunstinteressierte zu den mittlerweile kultigen Konzerten im Festsaal mit seinen riesigen gemalten Wandtapeten einfinden.
Übrigens nicht weit davon lädt das Brauhaus Klute zum geselligen Aus­klang.                  E. O.