Krupp - Krisen prägen die Firmengeschichte

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Vortrag von Prof. Pierenkemper am 05. September 2018

Das wohl nachhaltigste Kapitel in der langen Firmengeschichte des Unternehmens Krupp kam zum Schluss: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach überführte 1967 sein ganzes Vermögen in eine Stiftung, maßgeblich initiiert von Berthold Beitz, seit 1953 General­bevollmächtigter, dem „letzten Krupp“.

Dieser führende Industriekonzern ging aus einer Kaufmannsfamilie hervor, wie Professor Toni Pierenkemper darlegte, der in seinem Vortrag über Krupp zunächst die Industrielandschaft des Ruhrgebiets streifte, wobei bekannte Namen aufleuchteten wie der des Unternehmers Haniel – die letzte Zeche, die 2018 geschlossen wird, trägt den Namen Prosper-Haniel. Der Referent zeigte einen Stadtplan: Nach dem müsste es heißen, nicht Krupp in Essen, sondern Essen bei Krupp.
1812 gründete ein Krupp die erste Gussstahlfabrik, das war die „Keimzelle“ des später gigantischen Stahlunternehmens, das hauptsächlich Kanonen und Schienen für die Eisenbahn baute, die drei Ringe im Firmenemblem gehen zurück auf die revolutionären Radreifen der Räder.

Was überraschte: Die Entwicklung dieses Giganten verlief nicht gradlinig, sondern war immer wieder von Existenzkrisen geprägt. Weil in der Familie männliche Erben fehlten, kamen Bohlen und Halbach ins Spiel, wobei der Kaiser persönlich anordnete, dass die Familienvertreter den Namen Krupp voran stellen durften. Überhaupt der Kaiser, die Unternehmer hatten ein sehr persönliches Verhältnis zum Kaiser, gleichsam auf Augen­höhe.

Bemerkenswert, dass Krupp als eines der ersten Unternehmen überhaupt ein Firmen­archiv gründete, für das auch alles geradezu manisch fotografiert wurde, heute eine unerschöpfliche Quelle für Forschungen. Die berühmte Villa Hügel wurde 1873 errichtet, „nicht sehr gemütlich, und man muss ja verrückt werden, wenn man darin lebt“. Davor war das Stammhaus ein schlichtes Wohngebäude, unweit einer Fabrik mit Dampfhammer, dass das ganze Gebäude zitterte.
Renate Loos stellte schließlich die Frage nach dem sozialen Engagement des Unter­nehmens für die Arbeiter, denn schließlich wurden Werkswohnungen bereitgestellt. Für Professor Pierenkemper waren das keine sozialen Wohntaten, sondern Investitionen in das Humankapital. Die „Kruppianer“ waren die Elite der Belegschaft, vielleicht nicht mehr als zehn Prozent, ansonsten gab es eine hohe Fluktuation.

Toni Pierenkemper hat sich speziell mit dieser spannenden Firmengeschichte befasst, jonglierte souverän mit Namen und Daten, er ist Wirtschaftshistoriker und Sozialwis­senschaftler, lehrte auch in Münster, und verstand es, ein dichtes Bild dieses Unterneh­mens zu zeichnen, das für viele Inbegriff deutscher Industrie ist.              E. O.