Bettina von Arnim - eine große Frauengestalt der Romantik

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Kulturcafé: Vortrag von Barbara Stockhausen am 11. September 2018

Die ganz ungewöhnliche und herausragende Vita einer bedeutenden Frau wurde uns im Kulturcafé präsentiert: Bettina von Arnim. Charmant und schwungvoll zeichnete die Referentin Barbara Stockhausen den Lebensweg dieser großen Frauengestalt der Romantik nach.

Bettina von Arnim wurde als siebtes Kind in eine Frankfurter Kaufmannsfamilie geboren, verlor ihre Mutter mit acht Jahren und wurde danach zu den Ursulinen geschickt. Als auch der Vater starb, kam sie zu ihrer Großmutter, der Schriftstellerin Sophie La Roche nach Offenbach. Durch Ver­mittlung ihres Bruders Clemens von Brentano („Des Knaben Wunderhorn“) begegnete sie ihrem späteren Ehemann Achim von Arnim, der mit ihrem Bruder Gedichte und Novellen verfasste, und verliebte sich in ihn. Als gebildete, verwöhnte „höhere Tochter“ wollte Bettina jedoch frei bleiben, so ließ sie Achim allein nach Königsberg ziehen. Bettina verliebte sich inzwischen kurzzeitig in Ludwig Tieck.

Als sie auf dem Dachboden ihrer Großmutter Liebesbriefe von Goethe an ihre Mutter Maximiliane entdeckte, wollte sie Goethe kennen lernen und machte sich 21-jährig in Knabenkleidung allein auf den gefährlichen Weg nach Weimar. Dem Dichterfürsten gefiel die schöne Bettina sehr, er duzte sie, schenkte ihr einen Ring und verfasste Sonette über sie.

Zurück in Frankfurt überfiel Bettina die Langeweile, und sie entwickelte sich zur Schreiberin vieler wunderschöner Briefe, bevor sie nach München zu ihrer Schwester, der Ehefrau von Savigny, übersiedelte.
Nach einer Liebelei dort mit einem jungen Studenten und nach einem weiteren Treffen mit Goethe in Teplitz, das sie als Höhepunkt ihres Lebens bezeichnete, heiratete sie 1811 Achim von Arnim, mit dem sie fortan eine recht unkonventionelle Ehe führte mit zahlreichen langen räumlichen Tren­nungen. In 15 Jahren gebar sie, die Exzentrikerin und Rebellin, sieben Kinder, erzog sie nach den Rousseauschen Prinzipien und war ihnen eine liebevolle Mutter.

Nach dem Umzug der Familie nach Wiepersdorf auf das Gut von Achims Mutter fühlte die lebensfrohe Bettinna sich einsam, zog nach Berlin, genoss dort das gesellschaftliche Leben, gründete einen Salon mit Republikanern und Demokraten, ohne den preussischen Adel, und entwarf ein Denkmal von Goethe in Frankfurt. Nach dem einsamen Tod ihres Mannes in Wiepersdorf 1831 engagierte Bettina sich karitativ und politisch in so engagierter Art und Weise, dass sie fast im Gefängnis gelandet wäre.

Das Schreiben war hinfort ihr Lebensthema: Sie veröffentlichte u.a. „Dies Buch gehört dem König“, „Clemens v. Brentanos Frühlingskranz“, „Die Günderode“, „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“. Im Jahr 1859 starb sie.
Durch ihren lebendigen Vortrag vermittelte uns Frau Stockhausen ein eindrückliches Bild der Bettina von Arnim. Man spürte, dass sich unsere Referentin intensiv und mit großer Sympathie in die Welt der romantischen Literatur eingearbeitet hat. Das Publikum dankte mit reichem Beifall, zugleich wurde der Wunsch geäußert, dass Frau Stockhausen uns bald wieder mit einem literaturgeschichtlichen Vortrag erfreuen möge.              Renate Krause-Isermann