Zu Gast bei den Krupps

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Fahrt nach Essen: Villa Hügel und Ausstellung Albers am 13. September 2018

Die ganz ungewöhnliche Pompöse Pracht empfängt den Besucher von Villa Hügel.
„Wow!“ entfuhr es so manchem Besucher unwillkürlich, als wir die große Halle der Villa Hügel in Essen betraten und unter den Augen von Alfred Krupp begrüßt wurden, dessen großformatiges Porträt mit anderen ebenso großformatigen Familienbildern an der Wand hing. Noch mehr staunten wir, als wir von der sehr kundigen Führerin hörten, dass die Familie 1873 beim Einzug aus ganzen drei Personen bestand.

 

„Der Hauptzweck dieses Gebäudes war es, Besuchern und Gästen zu imponieren.“ Und zu den Gästen gehörten auch die deutschen Kaiser, mit denen die Krupps auf Augenhöhe verkehrten. Und für die war die Firma Krupp von entscheidender Bedeutung, galt der Betrieb doch als die Waffenschmiede des Reiches. Was sich dann später unter der Nazi-Herrschaft wiederholte. „Das hat den Ruf von Krupp geprägt“, bedauerte unsere Führerin. Dabei galt die wichtigste Erfindung Krupps der Eisenbahn – die Firma hatte den nahtlosen Eisenbahnreifen entwickelt.

Und Krupp war früh schon sozial tätig, Margarethe Krupp gründete eine Stiftung, die die nach ihr benannte Margarethenhöhe baute: Auf der Hinfahrt gelang es uns wenigstens, im Vorbeifahren einen knappen optischen Eindruck dieser so genannten Gartenstadt zu erhaschen, die ab 1910 bis 1938 errichtet wurde, natürlich in erster Linie für die Kruppianer, aber nicht ausschließlich. Es ist eine wohltuende Oase inmitten einer industriellen Umwelt, die den letzten Krieg unbeschadet überstanden hat. Unsere Führerin erwähnte eine oft gestellte Frage, ob die Villa Hügel gezielt von den Bombardierungen ausgenommen gewesen sei. Was sie verneinte, andererseits diente die intakte Villa Hügel nach 1945 der britischen Besatzungsmacht, die auch ihre Spuren hinterlassen hat, wie an den Fehlstellen in der imposanten Bibliothek im Obergeschoss auszumachen ist. „Später wurden die Bücher der Uni Bochum vermacht.“

Seit 1953 ist die Villa Hügel der Öffentlichkeit zugänglich, sie macht immer wieder Schlagzeilen durch große Ausstellungen, wie jetzt mit der Retrospektive Josef Albers „Interaction of Colors“. „Wenn ich male, sehe und denke ich zunächst Farbe“ wird Josef Albers zitiert, der aus Bottrop stammt, und dem in seinem Geburtsort das Museum „Quadrat“ gewidmet ist. Und damit sind wir bei seinem bekanntesten Zyklus, der ihn berühmt machte: 2000mal „Homage to the Square“. Was die Ausstellung in Villa Hügel auszeichnete: Sie zeigte nicht nur Quadrate, sondern führte geschickt und sensibel hin zu diesem Thema. Wobei Albers das, was wir sahen oder zu sehen meinen, immer wieder selbst in Frage stellte, ist das Realität oder nur Schein und Irrtum, optische Täuschung? Auf diese Fragen hatte uns der Vortrag von Professor Max Kobbert vorbereitet, der uns die Unzuverlässigkeit der Farbwahrnehmungen buchstäblich vor Augen führte. Er und seine Gattin gehörten übrigens zu unserer Besuchergruppe.

 

Der Künstler Josef Albers stellte alles in Frage

Und so konnte man von Josef Albers sehen „Quadrate in Quadraten in Quadraten“ mit geringen Farbabstufungen, man spürte förmlich den experimentellen Charakter, der Künstler ging misstrauisch mit der Realität um, es kommt also auf die menschliche Wahrnehmung an. Die Ausstellung zeigte Glasarbeiten – „aus Glasbruch wird Kunst“, Fotografien, simple Möbel, bei denen allerdings der Hinweis angebracht war, „bitte die Kunstwerke nicht berühren“. Es war ein Querschnitt durch sein Lebenswerk, der ursprüngliche Volksschullehrer war dann am neuen Bauhaus, wo er es über den Bauhausmeister bis zum stellvertretenden Leiter brachte, auch seine Frau Anni Fleischmann war am Bauhaus. Dann kam das Jahr 1933 – der Stil des Bauhauses war verpönt, es wurde geschlossen und Anni war zudem Jüdin – gleich mehrere Zwangsgründe zur Emigration in die USA.

Der Villa Hügel schloss sich ein gemütliches Kaffeetrinken am Baldeneysee an, in den Südtiroler Stuben, bis dann die Heimfahrt angetreten werden konnte. Auf der der Präsident Johannes Krause-Isermann dem Organisator Manfred Niehoff für die perfekte Planung dankte – „das ist dein besonderes Markenzeichen“. Er ging noch mal ein auf die vorbereitenden Vorträge von Prof. Max Kobbert über die täuschenden Farbwahrnehmungen und von Prof. Toni Pierenkemper über die Familie Krupp und ihre vielen Niederlagen – hat der Präsident mit dieser Dreiung ein neues Veranstaltungsformat kreiert? Schließlich der Hinweis, dass seine Frau Renate die entscheidende Anregung auf Josef Albers gegeben hatte.

Übrigens: Wissen Sie, dass wir auch in Münster ein Objekt von Josef Albers haben? Es sind die Quadrate am Landesmuseum, die schon für den Vorgängerbau gestaltet wurden. Der lebhafte Beifall der Civilisten bewies, dass dieser Nachmittag wieder einmal viel Wissenswertes in gepflegter Gesellschaft vermittelt hatte.                              E. O.