"Der Star - Vogel des Jahres"

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Vortrag im Kulturcafé am 09. Oktober 2018

Manfred Röhlen, Geschäftsführer der Biologischen Station der Rieselfelder in Münster, ist Vogelkundler aus Neigung, ja aus Leidenschaft. Seit seinem 15. Lebensjahr beschäftigt er sich mit der Vogelwelt und hat – obwohl im früheren Beruf Dipl.-Verwaltungswirt – auf dem Gebiet der Vogelkunde umfangreiche, detaillierte Kenntnisse erworben. Anhand eines reichen Bildmaterials sprach er im Kulturcafé (9. Oktober) über den Star, Vogel des Jahres 2018, sowie über in den Rieselfeldern zeitweilig bzw. ständig lebende Vögel.

Zum „Vogel des Jahres 2018“ macht den Star die Tatsache, dass er in unserem Lebensraum auch durch Abschuss seltener geworden ist. Gepflegte Äcker, Insektizide und Schutznetze führten jedoch auch zur Dezimierung der Stare. Auch Greifvögel, Eichhörnchen und Katzen sind des Vogels Feinde. Stare sind offensichtlich sehr musikalisch, denn neben dem ihm eingeborenen Gesang beherrschen sie gelegentlich auch Laute anderer Vögel, menschliche Pfeiftöne, ja sogar die Klingeltöne von Handys. Bei der Nahrungssuche, so z. B.  über Weinbergen sowie über Kirschplantagen oder aber bei ihrem Flug im Herbst nach Süden, können Stare in großen Schwärmen auftreten. Dabei kommt es nie zu Kollisionen, denn jeder Vogel ist in der Lage, bis zu sieben andere Tiere im Auge zu behalten. Außerdem verständigen sich die Tiere ‚verbal‘ miteinander.

Die Münsterischen Rieselfelder, ein von der Stadt 1901 angelegtes Verrieselungsgebiet (d. h. zur Reinigung der Abwässer angelegt), hat diese Funktion seit Jahrzehnten verloren und ist zum Naturschutz- sowie Landschaftsschutzgebiet geworden. Für viele Vogelarten sind die Rieselfelder Etappe auf ihrem jährlichen Zug nach Süden bzw. nach Norden. Darüber hinaus nutzen andere Vögel das Gebiet als ständigen Lebensraum.

Anhand vieler farbiger Bilder ließ Herr Röhlen die Vogelwelt der Rieselfelder Revue passieren. Da waren zunächst die Entenvögel, vertreten durch Blässgans und Brandgans, sowie viele eigentliche Enten, von Schnatterente bis Kolbenente. Von den so genannten Schreitvögeln suchen besonders Silberreiher sowie Weißstörche die Rieselfelder auf. Auch seltene Vögel dieser Kategorie gibt es zu sehen, wie z. B. Rohrdommel und Zwergdommel. Der Wasserreichtum der Rieselfelder lockt auch Strandläufer sowie Brachvögel an, wie z. B. Alpenstrandläufer, Sichelstrandläufer, Bruchwasserläufer, Waldwasserläufer, Uferschnepfe, Zwergschnepfe und Kampfläufer.

In großer Zahl haben Singvögel in den Rieselfeldern einen Lebensraum gefunden. Von ihnen sollen nur Bartmeise, Drosselrohrsänger, Schilfrohrsänger, Teichrohrsänger, Pirol sowie Rohrschwirl und Nachtigall genannt werden, nicht zu vergessen auch Blaukehlchen und Schwarzkehlchen.

Von den Greifvögeln fanden Schwarzmilan, Rohrweihe, Kornweihe sowie der Baumfalke eine Heimat in den Rieselfeldern.
Die lebhafte Diskussion, die sich an den Vortrag von Herrn Röhlen anschloss, spiegelte das Interesse der Zuhörer wider, die dem Referenten anschließend mit langem Beifall dankten.
Renate Loos