Von Etty Hillesum bis Joachim Meyerhoff

Drucken PDF
Literaturnachmittag im Civilclub am 02. November 2018

Auch dieses Jahr fanden drei Civilisten beim Vorstellen ihrer Bücher geneigte Zuhörer.
Frau Lydia Strzebniok stellte die ergreifenden und zu Herzen gehenden Tagebücher der holländischen Jüdin Etty Hillesum, Das denkende Herz: Die Tagebücher von Etty Hillesum 1941 – 1943 vor, die mit nur 30 Jahren in den Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz ermordet wurde.

Etty Hillesum, hochbegabt, stammte aus einem intellektuellen Elternhaus, in dem das Judentum eine nur untergeordnete Rolle spielte. Nach Studium und einem erotischen Lebenswandel erlebte sie eine Sinnkrise, die sich durch die anwachsende Bedrohung der jüdischen Bevölkerung in Holland durch die Nationalsozialisten weiter verstärkte. Einen Ausweg für sich fand sie durch Meditation und Gebete, durch ‚Hineinhorchen‘ in ihre ihr ureigenen Talente, wodurch sie zu der Erkenntnis kam, Leben und Sterben sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Diese Erkenntnis verhalf ihr am Ende ihres kurzen Lebens, keinen Hass und keine Verbitterung zu hegen. Frau Lydia Strzebniok stellte Etty Hillesum dar als ‚strahlende Persönlichkeit bis zu ihrem Tode‘.

Während die Tagebuchaufzeichnungen der ‚zu Unrecht vergessenen‘ Etty Hillesum nur einer Zuhörerin bekannt waren, stellte Frau Gesine Droste zu Senden das vorletzte Werk des Bestseller Autors Erich Maria Remarque vor: Die Nacht von Lissabon, erschienen 1962. Zu Beginn ihrer Ausführungen machte Frau Gesine Droste zu Senden Angaben zum Lebensweg des Autors. Remarque, der ursprünglich den Lehrerberuf ergriffen hatte, widmete sich früh dem Schreiben und veröffentlichte 1920 seinen ersten Roman Die Traumbude. Durch den 1928 erschienenen Antikriegsroman Im Westen nichts Neues geriet Remarque ins Visier der Nazis und emigrierte in die Schweiz. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er fand in den USA Aufnahme und Anerkennung. 1967 erhielt er den Großen Verdienstorden der BRD. Er starb 1970. Seine Grabstätte befindet sich in der Schweiz in Ronco am Lago Maggiore. Der Roman Die Nacht von Lissabon schildert das Gespräch zweier Flüchtlinge vor dem Naziregime in einer Bar im Hafen von Lissabon vor dem Hintergrund einer möglichen Schiffspassage in die rettenden USA. Fahrscheine und Visa, die für den Erzähler und seine Ehefrau gedacht waren, schenkt der Erzähler seinem Zuhörer, dem damit die Ausreise nach Amerika gelingt.

Während die beiden ersten vorgestellten Bücher als Gemeinsamkeit die unsägliche Zeit des Nationalsozialismus zum Inhalt haben, reiht sich das letzte vorgestellte Werk des Joachim Meyerhoff in die Reihe des Autobiographischen ein – eine Facette, die allen drei Büchern gemeinsam ist. Joachim Meyerhoff (*1967) ist nicht nur Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters und des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, er trat auch als Erzähler hervor. Einem breiteren Publikum wurde er bekannt durch den vierteiligen autobiographischen Romanzyklus Alle Toten fliegen hoch. Amerika. Unser Präsident, Herr Johannes Krause-Isermann, stellte diese Werke des hoch dekorierten Bestsellerautors mit Verve vor. Gemeinsam ist den vier Bänden das Thema coming of age des Erzählers. Herr Krause-Isermann charakterisierte die Bücher als zum ‚Brüllen komisch, kritisch selbstironisch, melancholisch, manchmal eitel und aufgebauscht, gelegentlich platt, aber immer begeisternd und berührend‘.

Applaus und Dankesworte von allen Seiten an die Vortragenden beendeten diesen gelungenen Literaturnachmittag.                     Carmen Schleiermacher