Westfälische Baukultur des 13. Jahrhunderts

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Ausstellungsbesuch in Paderborn am 16. November 2018

Die Überschrift „Gotik“ über dem Paderborner Dom mutet ein wenig befremdlich an, denn die Anfänge des Gotteshauses stammen aus der Romanik, wenn auch schon gotisch inspiriert: Fürst Bernhard zur Lippe musste im französischen Exil Schutz suchen und brachte von dort die entscheidenden Anregungen mit, berichtete unsere umfassend informierte Führerin in der Ausstellung „Baukultur des 13. Jahrhunderts“ im Paderborner Diözesanmuseum, die uns in den Bereich der Mikroarchitektur führte – unendlich kostbar gestaltete sakrale Gegenstände: Man konnte nur staunen, was die Ausstellungsmacher aus ganz Europa zusammen tragen konnten.

Die Ausstellung beginnt mit der berühmten Imad-Madonna, einer Holzfigur, die noch Spuren eines Dombrandes von 1058 aufweist, in dieser Größe dürfte die Holzfigur einmalig sein. In der Gotik dienten dann erstmals Zeichnungen für die Bauleute als Vorlage, die Skulpturen werden „gefühlvoll“, zeigen Trauer und Schmerz, die Ausstellung wies eine ganze Palette solcher Ausdrucks starken Stücke auf. Handschriften, Musik, Goldschmiedearbeiten, es war ein Gesamtkunstwerk im Dienste des Gottesdienstes.

Der Paderborner Dom öffnet sich zum südlich gelegenen Marktplatz. Und wir stiegen im Diözesanmuseum bis in den gemauerten Gewölbekeller runter, wo der goldene Schrein des Hl. Liborius lagert. Diese Schatzkammer entspricht dem früheren Palast des Bischofs Meinwerk, der im letzten Krieg zerstört wurde, an seiner Stelle wurde das empfindlich störende Diözesanmuseum errichtet.

Wir waren mit einer kleinen Gruppe von 13 Teilnehmern am 16. November mit der Bahn nach Paderborn gefahren, wo das Ehepaar Gabriele und Manfred Niehoff die perfekten Führer abgeben konnten, schließlich hat das Ehepaar 20 Jahre in der ostwestfälischen Stadt gelebt. Im Dom suchten wir natürlich nach dem berühmten Fenster mit den drei Hasen, entsprechende Hinweise führen einen schließlich bis zum Kreuzgang, wo man dann die Hasen im Maßwerk bestaunen kann: „Drei Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei“, lautet der Spruch. In der Nähe ist der Überrest einer Luftmine ausgestellt, die noch im März 1945 Tod und Verwüstung brachte.

Es war ein perfekter Tag mit vielen Eindrücken, danke dafür Manfred. Zum Schluss musste allerdings die Eurobahn bei der Heimfahrt ihre Unzulänglichkeit wieder einmal beweisen.                                              E.O.