Wenn Künstler mit der Wahrnehmung spielen

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Ausstellungsbesuch am 29. Januarr 2019

Zugegeben: Unter einer Ausstellung zum Thema Bauhaus hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, als uns im Landesmuseum  präsentiert wurde.

Das war alles sehr verspielt mit dem Höhepunkt im Karussell (von Marcel Dzama) der bunten Blechfiguren „Merry go round“, das den Besucher gleich im ersten Saal empfängt – Jahrmarkt für Kinder. Und diese Tendenz kam ja auch schon auf den Plakaten und Faltblättern zum Ausdruck – viel Tanz, Bewegung, Licht: Das Bauhaus empfand sich als Laboratorium für Experimente. „Ich bin zu modern, um Bilder zu malen“, wird Oskar Schlemmer, der ab 1923 die Bauhausbühne leitete, zitiert. Laut unserem Guide habe sich das Bauhaus bemüht, die menschliche und technische Ebene wieder zusammen zu führen. Ob das Kunst war, habe die Künstler nicht interessiert, ihnen kam es einfach auf den poetischen Ausdruck an.

Die Führung begann mit einem abstrakten S-Tanz, der scheinbar menschliche Bewegungen imitierte, aber von einer Maschine in Gang gehalten wurde zwischen Farben und Licht: „Fragen Sie nicht nach dem Sinn.“ L`art pour l`art eben. Die Künstler wollten die Wahrnehmung des Betrachters herausfordern, und in der Tat, je nach Blickwinkel änderte sich das Objekt. Bis hin zu der kinetischen Skulptur, die aus einem schwingenden Draht bestand, der damit verschiedene Formen bildete. Dieser Beitrag von Naum Gabo hätte auch zur Minimal-Art gehören können. Natürlich wurde Josef Albers gewürdigt, der Vater der Opart (Optical Art), dessen endlose Quadrate wir ja schon in der Villa Hügel ausgiebig betrachten konnten. Wie viele der Bauhaus-Künstler emigrierte er nach der Machtübernahme durch die Nazis in die USA, womit erst die verfemte Bauhaus-Idee international wurde. Später erfolgte wiederum eine Rückwirkung von amerikanischen Künstlern auf die europäischen. Josef Albers wird mit dem Satz zitiert: „Wenn ich male, denke ich zunächst Farbe.“

Verständlich, dass die Künstler mit ihrer Experimentalkunst beim Bürger zumeist nicht ankamen, unser Führer zitierte dazu einen berühmten Wahlspruch von Bundeskanzler Adenauer „Keine Experimente!“ Das Thema Bauhaus wird am 28. Februar im Civilclub weitergeführt mit einem Vortrag von Professor Martin Korda über Walter Gropius und 100 Jahre Bauhaus.

„Bauhaus und Amerika“ – wir danken Gabriele Niehoff für die Leitung eines hoch interessanten, wenn auch teils verwirrenden Besuchs im Labor des Bauhauses. Herzlicher Dank dafür!         E.O.