Zwischen Michel und Alster, Elbe und Elphi

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Hamburg-Fahrt vom 19. bis 21.Februar 2019

Zwischen Michel und Alster

Vorweg genommen: Das Ehepaar Gabriele und Manfred Niehoff hatte einen abwechs­lungsreichen Kurztrip nach Hamburg exzellent organisiert, es passte und klappte einfach alles:

Den Dank dafür brachte im Namen aller 30 Reisenden Vizepräsident Ludger Albacht zum Ausdruck, in Ermangelung eines Raumes bei der Rückfahrt im IC. Und um diesem gelungenen CC-Event noch einen Akzent drauf zu setzen – die Endabrechnung ergab für jeden Reisenden noch eine Rückzahlung von 10 Euro. Wunderbar!

Die Hamburg-Tour begann auf einer Stadtrundfahrt mit einfühlsamen und kenntnisreichen Erläuterungen, und immer wieder zwischendurch grüßte die Alster, mal Außen mal Binnen, sie ist wie auch die Fleete allgegenwärtig in Hamburg. Wir bestaunten die stattlichen Gebäude an der Rothenbaumchaussee, Einfamilienhäuser für Besserbetuchte. Harter Kontrast: Die hin geduckten Krameramtsstuben für die Witwen der Kaufleute, wirklich eine historische Arme-Leute-Siedlung. Hinterm Bahnhof das Deutsche Schauspielhaus, in dem der Chronist vor 60 Jahren den epochalen „Faust“ mit Gründgens, Quadflieg, Flickenschild und anderen Berühmtheiten erlebte. Nicht weit davon die Staatsoper, nahezu in Sichtweite der Gänsemarkt mit dem Lessing-Denkmal, der berühmte Dichter führte hier seine Minna von Barnhelm auf. Dann das breit gelagerte Rathaus, nicht alt, sondern vom Ende des 19. Jahrhundert, Sitz der Bürgerschaft und des Senats. Der Adolph-Platz entlockte unserer Gästeführerin die Bemerkung: „Keine falschen Vorstellungen“, denn der Platz ist benannt nach dem zweiten Stadtgründer Adolph von Schauenburg. Der „Michel“ war natürlich eine wichtige Station, die Hauptkirche St. Michael, ein Wahrzeichen Hamburgs: „Die ist so schön, dass niemand glaubt, in einer evangelischen Kirche zu stehen.“ Der Michel ist unter anderem wegen seiner mächtigen Orgeln berühmt, drei an der Zahl, die der kundige Organist hintereinander koppeln kann, so dass wahre Klangsinfonien entstehen, wovon wir uns am Abreisetag bei einer kleinen Andacht überzeugen konnten.                  E. O.

Immer noch hamburg - Bummel an der Elbe

St. Pauli wurde links liegen gelassen, stattdessen schnupperten wir in die historische Speicherstadt rein, vorbei am Grasbrook, auf dem 1401 der Seeräuber Klaus Störtebeker mit seinen Kumpanen hingerichtet worden sein soll – soll, weil seine Existenz historisch nicht greifbar ist. Dagegen ist der schlagfertige Wasserträger Hummel allgegenwärtig zu sehen.
Unser eigentliches Ziel: Die Elbphilharmonie, vor zwei Jahren fertig geworden, ist so gut wie immer ausgebucht. Die Besichtigung kostet Eintritt, aber nur für Gruppen: „Sagen Sie nicht, dass Sie eine Gruppe sind.“ Also erhielten wir Einzeltickets, kostenlos, mit denen wir die endlosen Rolltreppen raufrauschten zur Plaza, einer fantastischen Aussichtsplattform über Stadt und Hafen. Hier erlebten wir am Dienstagnachmittag einen hamburgischen Sturm, dass man sich nahezu fest­halten musste. Aber der überwältigende Rundblick entschädigte für alles.
Die verschiedenen Stationen bewältigten wir mit allen möglichen Bahnen, für die wir im Hotel ein Ticket erhalten hatten. Gewöhnungsbedürftig war, dass die U-Bahn auch Hochbahn heißen kann. Nicht gewöhnlich war, dass uns die Fähre die Tür vor der Nase zumachte, so dass der größte Teil unserer Reisegesellschaft ohne uns bis Blankenese fuhr.

Am Elbufer unternahmen wir einen Spaziergang, zwischen hoch aufgetürmten Containerschiffen auf der einen Seite und Kapitäns- und Lotsenhäusern und üppigsten Villen auf der anderen, bis zum „Alten Schweden“, einem gigantischen Steinkoloss (über 200 Tonnen schwer) an der Elbe, aus der Elster-Eiszeit stammend und erst 1999 in der Elbe entdeckt – „Hamburgs ältester Einwanderer“ ist auf einer Tafel zu lesen. Er hatte im Januar für Schlagzeilen gesorgt, weil er von irgendwelchen Schmierfinken mit bronzener Farbe verunstaltet war. Hier gibt es auch ein Stück Sandstrand, wahrscheinlich im Sommer hoffnungslos überlaufen, so dass das Wohnen in dieser exklusiven Lage auch keinen Spaß macht. Den Nachmittag nutzte eine kleine Gruppe zum Besuch im Völkerkundemuseum, unverständlicherweise in MARKK umbenannt, Museum am Rothenbaum für Kulturen und Künste der Welt, im Museum selbst ungeliebt, eine bürokratisch technische Bezeichnung ähnlich wie LWL-Museum in Münster.

Der Abreisetag sah einen Besuch in der Hamburger Kunsthalle direkt gegenüber unserem Hotel, die weltweit einen tollen Ruf genießt, von der Berechtigung konnten wir uns überzeugen. Es ist ein wahrer Gewaltmarsch durch tausend Jahre Kunstgeschichte, verweilen kann man nur vor wenigen Meisterwerken. Das beginnt schon in der pompös würdigen Eingangshalle mit den bombastischen Sprüchen – „Frühling weckt die Natur zu lieblicher Fülle des Lebens“, lautet ein Satz. Die Sammlung – 1000 Werke werden gezeigt, 2000 schlummern im Depot – ist Ergebnis des großzügigen bis heute nicht endenden Mäzenatentums der Kaufleute, der historischen Pfeffer­säcke. Gelungener Abschluss einer gelungenen Reise.                      E.O.

Impressionen vom Konzert in der Elbphilharmonie
Außergewöhnlich war nicht nur der imposante Bau der Elbphilharmonie, sondern auch das Konzert der „Knights“ aus New York. Da traten je nach Bedarf zwischen zwanzig und fünfunddreißig Musikerinnen und Musiker jüngeren Alters auf, die ein buntes Programm vom Barock über die Klassik bis zur Moderne teils ohne, teils mit Dirigent spielten und sich auch nicht scheuten, nach der achten Beethoven-Symphonie eine schlagerähnliche Gottesdienst-Hymne zu singen und die Hörer in die orientalische Musik zu führen. Höhepunkt im ersten Teil war das von Avi Avital für Mandoline und Orchester bearbeitete 2. Cembalokonzert d-moll von Johann Sebastian Bach. Der Solist Avi Avital spielte großartig mit viel Temperament und Engagement.

Entsprechend frenetisch war der Applaus, so dass er als Zugabe noch ein ganzes bearbeitetes Violinkonzert von Vivaldi spielte. Man hatte den Eindruck, dass zahlreiche Mandolinenspieler im voll besetzten Konzertsaal saßen, denn Avi Avital wurde auch am Schluss des Konzerts gefeiert wie ein Kultstar. Die 8. Symphonie von Ludwig van Beethoven nach der Pause löste bei Klassikkennern sicher etwas Befremden aus. Sie wurde vom Dirigenten Eric Jacobsen etwas oberflächlich dramatisiert. Die darauf folgenden Stücke aus den USA und dem Orient entsprachen eher den „Knights“, die stehend Ovationen erhielten und sich mit tiefen Dienern nach allen vier Seiten beim Publikum bedankten. Als Resümee des Abends bleibt das erfrischende, mit jugendlicher Lockerheit begeisternde Spiel der Knights, das trotz der zweieinhalb Stunden Dauer nie langweilig wurde. Besonderer Dank gilt Herrn Niehoff, der für gute Plätze nah am Orchester gesorgt hat.                                               Klaus Spruch