Das Gebäude mit dem "Elefantentor"

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Vortrag von Dr. Eckhardt Kluth am 20.März 2019

Wer noch das Bild der zerbombten Altstadt mit ihren vielen zertrümmerten Uni-Bauten im Kopf hat, fragt sich, wer das denn so schnell wieder aufbauen konnte?

Zu den tatkräftigen Männern der ersten Stunde gehörte der aus Ostpreußen stammende Oberbaurat Hans Malwitz, Chef des Staatsneubauamtes der Universität Münster seit 1946, überdies Vater unseres verdienten Clubmitglieds Alexander Malwitz.
Bis zu seiner Pensionierung (1956) hatte Hans Malwitz u.a. nicht nur das Schloss (Einweihung als Uni-Hauptgebäude 1954) und die Petrikirche, sondern auch das Fürstenberghaus (Domplatz 20-22) und das Juridicum (mit dem prägenden „Elefantentor“, Universitätsstr. 10-16) wieder auf- bzw. neu gebaut. Hierbei und bei anderen Planungen hat er sowohl den historischen Stadtgrundriss wie auch den bisherigen Gestaltungsrahmen damals noch ablesbarer Gebäude und Freiräume respektiert, neu interpretiert und insoweit bis zur heute dominanten Formenvielfalt fortentwickelt.

Das weitere Wachstum der münsterschen Uni wurde später - als andere Hochschulneubauten in NRW gefördert werden mussten - zunächst gebremst, weitete sich jedoch in den Jahren seit 1970/80 „mit gigantischen Planungen“ auf Flächenreserven des Studienfonds im Westen der Stadt aus. So wurden mit den UKM-Bauten (u.a. Klinikum 1983), dem Leonardo-Campus (u.a. Kunstakademie), den Bauten für Nanotechnologie, Batterieforschung, Geo-Institut, dem MIC (Multiscale Imiging Centre) und dem Exzellenzcluster Religion und Politik (Projektzuschlag 2019) sowie dem für 2023 geplanten „Campus für die Religionen“ neue Akzente gesetzt, während es in der Altstadt mit dem Philosophikum gelungen ist, auch hier nicht nur vorhandene Baustrukturen zu nutzen und sondern weiter zu entwickeln.

Der Präsident bedankte sich bei dem Referenten für den exzellenten und sachkundigen Vortrag mit den Worten „ein rasanter Überblick vom Jesuitenkolleg bis zum center for soft science!“ und einem passenden Buchgeschenk („Universität Münster“ von Erhard Obermeyer), das Publikum lobte das dargebotene „Ideenfeuerwerk“ (so Josef Schliemann) und spendete kräftigen Beifall. Und was meinte unser Clubmitglied Alexander Malwitz dazu? „Auch ich wollte ja schon immer Architekt werden!“
Rainer Karliczek