Die Geheimnisse von Burg Vischering

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Fahrt zur Burg Vischering am 03.April 2019

Welch ein imposanter Auftritt: Umgeben von einem geschlossenen Wasserkranz steigen die Jahrhunderte alten Sandsteinmauern von Burg Vischering in Lüdinghausen empor – Inbegriff der Wehrhaftigkeit. Und in der Tat – bis zum Dreißigjährigen Krieg ist die Burg nie erobert worden, bis der Landgraf von Hessen kam und den Landstrich für die evangelische Seite eroberte. „Damals ist aus den Schießscharten zum letzten Mal gefeuert worden“, erzählte unser sehr wissender Führer. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Die Halbtagsfahrt des Civilcubs zur Burg Vischering (3. April) war ein voller Erfolg, und auch das Drumherum wurde noch zur wesentlichen Bereicherung.
Einige der Reiseteilnehmer hatten vor zwei Jahren die Burg besucht – eine totale Baustelle, denn sie sollte Behinderten gerecht und mit Multimedia ausgestattet werden. Was wir davon zu sehen bekamen, war absolut überzeugend. So erwartet den Besucher im Rittersaal ein Festmahl der adeligen Besucher aus dem 18. Jahrhundert, das dann auch noch in höfischen Tanz übergeht. An einer Adelstafel lässt sich ergründen, wer mit wem unter den westfälischen Adelsgeschlechtern verheiratet war. Und natürlich gibt es auch ein üppiges Himmelbett, dessen Bildprogramm die Geschichte von Adam und Eva erzählt. Waffen, die riesigen Bidenhänder, extrem schwere und große Schwerter, was dann nahezu automatisch zu der gruseligen Geschichte des Lambert von Oer führt, der mit einem eisernen Halsband gefügig gemacht wurde. Die WN haben dieser Fehde zweier verfeindeter Familien am 5. Januar eine ganze Seite gewidmet. Das Folterinstrument ist dort zu besichtigen, aber nicht auszuprobieren.

Es gibt noch eine Kuriosität: In einem der Räume öffnet sich in der Mitte des Fußbodens ein kreisrundes Loch, heute mit einer Glasplatte geschützt. „Früher haben wir erzählt, dass sich darunter das Verlies der Burg befinde“, berichtete unser Führer. Das hat sich jetzt als reine Phantasie herausgestellt, denn in dem unteren Raum gibt es Fenster und eine Tür, die zu einer Wendeltreppe führt. Heute nimmt man an, dass dieser Raum Archiv und Urkunden aufgenommen hat, denn 1521 hatte ein Brand die Burg schwer verwüstet. Ein Verlies ließ sich natürlich bei Führungen immer gut verkaufen.

Die Wasserburg wurde natürlich durch das Wasser gegen Feinde geschützt. Und was ist, wenn im Winter Eis die Gräfte bedeckt? „Dann wurden die Hörigen geholt, die das Eis zerhacken mussten.“ Aber es gibt seit der Umgestaltung noch eine Kuriosität an der Gräfte – einen Fluchtweg, der vom Bauordnungsamt gefordert war. Denn die Zugbrücke könnte schließlich abbrennen. Die planenden Architekten vom Büro Ellermann, Pfeiffer und Preckel haben sich dazu eine intelligente Lösung einfallen lassen: Der Fluchtsteg liegt 5 Zentimeter unter der Wasseroberfläche, bei Alarm fährt das Gitter hoch. Vergleichbar dem Hafensteg bei der letzten Skulpturenausstellung: Spannende Frage; was war eher?
Nach diesem tiefen Eintauchen in die Geschichte von Burg und Besucher wartete die Stärkung im Café „Reitstall“, wie stets waren die Torten üppig und wohlschmeckend. Und Überraschungsgäste: Das Ehepaar Marga und Helmut Pieke war hier noch zu den Besuchern gestoßen. Als wäre das noch nicht genug, servierte uns Peter Paul Rubens meisterhafte Formen, 45 Graphiken, die bisher noch nicht museal gezeigt wurden.

Ein gelungener Besuch, der von Arnold Pesch vor Ort perfekt organisiert und von Manfred Niehoff intern abgewickelt worden war. Beiden dankte Vizepräsident Ludger Albacht bei der Rückfahrt sehr herzlich.
Die Rückfahrt wartete noch mit einem Bonbon auf: Rosemarie Schulze, früher selbst in Lüdinghausen, führte die Reisegesellschaft zur Burg Kakesbeck, der ältesten Wasserburg in Lüdinghausen, die heutige Anlage stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde von dem aktuellen Besitzer nach Ausgrabungen wieder aufgebaut, das Ganze gleich einer einzigen riesigen Baustelle, deren Zukunft ungewiss ist. Hier gab es Sonderapplaus für den Fahrer, der mit dem Reisebus geradezu virtuos rangieren musste.
Es war wieder ein mal ein gelungener Ausflug, der ja auch eines der Markenzeichen des Civilclubs ist.             E.O.