Hans Günther Götze buchstabiert das Glück

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Neujahrsempfang des CC am 14.01.2011

Das war ein Neujahrsempfang der Superlative, den die Civilinen und Civilisten in der Clubetage am Kanonengraben erlebten! Wunderbare Musik und Musiktheater, Kabarett, literarische Lesung, Unterhaltung im Kreis von gleich gesinnten Freunden, kulinarische Genüsse der Extraklasse.
Doch der Reihe nach. Nach der Begrüßung nahm Professor Dr. Hans-Günther Götze das Wort und führte souverän, anspruchsvoll und trotzdem locker durchs Programm.

„GLÜCK, was wollen wir damit sagen, wenn wir uns und anderen ‚Glück’ wünschen?“ fragte er zu Beginn und buchstabierte sogleich die Antwort zu dieser schwierigen Frage. „G steht für Gesundheit und L für Lebensfreude“, führte er aus. Das war für jedermann einsichtig. Auch beim Ü musste niemand allzu sehr überlegen: Überall gute Freunde sollen es sein. Das C bei Chancen war eher interpretationsbedürftig. Das Glück liege oft im Verborgenen, sagte Götze und müsse entdeckt werden. Die Chancen dafür sind da - der Wille, das Glück für sich zu finden, liege bei jedem einzelnen. Das regte zum Nachdenken an und stieß auf Zustimmung. Der letzte Buchstabe beim GlücK wies den Weg hin zum Civilclub. Hans-Günther Götze wusste, dass vor allem Kontakte, wie sie unter den Mitgliedern des CC gepflegt werden, der Schlüssel für ein glückliches Miteinander sind.

Nach dieser besinnlichen Einstimmung ging es weiter Schlag auf Schlag. Erstaunen, Entzücken und Begeisterung - in dieser Reihenfolge - löste der virtuose Auftritt des Ensembles Gli Uccelli aus Havixbeck aus, das aus drei Schülern und einer Schülerin (13-17 Jahre) besteht. Die zwei Geschwisterpaare Max und Jonathan Volbers sowie Marie und Jan Sprinz haben sich mit Barockvioline, Blockflöten, Barockcello und Cembalo auf Werke des 15.-17. Jahrhunderts spezialisiert, widmen sich aber auch den Komponisten des Hoch- und Spätbarocks aus ganz Europa. Sie haben bereits bei „Jugend musiziert“ sowohl als Solisten als auch in verschiedenen Ensemblebesetzungen mehrere erste Preise errungen. Sie musizierten im ersten Teil des Abends zwei stilistisch stark unterschiedliche Triosonaten von Telemann und Giovanni Paolo Cima sowie eine vergnügliche „Aria sopra la Bergamasca“ von Marco Uccellini, deren eingängliche Melodie zu einem Schlager, wenn nicht Gassenhauer wurde, auf die selbst Johann Sebastian Bach in seinen Goldberg-Variationen zurückgriff.

Großartige Technikbeherrschung, vielfältige Klangnuancen, überschäumende Spielfreude, jugendliche Natürlichkeit und sensible Interpretation zeichneten ihre Darbietungen aus. Sie gaben sich unvermittelt als Schüler des Paulinums zu erkennen, als sie im Publikum zur allgemeinen Heiterkeit ihren Lateinlehrer entdeckten und „Hallo, Herr Niehoff!“ riefen.

Nach diesem furiosen Einstieg ging es mit zwei Darbietungen der Civilinen weiter. Regine Tettenborn und Helga Schröter-Schocher spielten einen Sketch von Loriot („Hermann, was machst Du gerade?“) Obgleich die Loriot-Sketche fast schon Allgemeingut sind, begeistern sie mit ihrer Situationskomik jedes Auditorium - sofern sie gekonnt nachgespielt werden. Das war hier der Fall, und so trieben Hermann und seine bügelnde Gattin dem Publikum Lachtränen des Vergnügens in die Augen. Ein wenig Nachdenklichkeit trat ob der wohlbekannten Wahrhaftigkeit der Thematik auch hinzu. Riesiger Applaus dankte den beiden Darstellerinnen.

Liselotte Folkerts nahm sich mit einer außergewöhnlichen Lesung aus dem Buch „Weihnachten bei der Familie Goethe“ von Franz Woltreck ein Thema vor, das durchaus zur gerade vergangenen Weihnachtszeit passte und eine Wesensseite des großen Dichters offenbarte, mit der viele nicht gerechnet hatten. Goethe war offensichtlich durch sein Elternhaus stark auf das weihnachtliche Geschehen geprägt und verfügte, dass nach seinem Tod jedem Fremden in Weimar am Weihnachtstag auf Wunsch Zugang in das Haus am Frauenplan gewährt wurde, er ein Geschenk erhielt und von den Enkeln bewirtet wurde. Ihre Lesung stieß auf großes Interesse, wie der dankbare Beifall zeigte.

Im zweiten Teil des Musik-Programms der „Gli Uccelli“ war außer dem musikalischen auch das schauspielerische Talent der jungen Musikanten zu bestaunen. Eine komödiantische Rahmenhandlung gab ihnen die Möglichkeit, wie zufällig die verschiedenen Musikstile italienischer, deutscher und französischer Musik zwischen 1600 und 1750 vorzustellen. Ihre irrwitzige Blockflötenakrobatik („wir brechen uns hier die Finger“) war ebenso atemberaubend wie die sichere Stilbeherrschung der unterschiedlichen Kompositionen. „Ihr seid schon eine tolle Truppe“, sagte Hans-Günther Götze zum Abschluss und gab seiner Gewissheit Ausdruck, dass dem Ensemble eine große Karriere winke.

Präsident Erhard Obermeyer dankte allen Akteuren und verabschiedete die Civilinen und Civilisten nach diesem ereignisreichen Neujahrsempfang – den niemand vergessen wird - mit allen guten Wünschen in den münsterschen Nieselregen.
Isolde Weineck-Niewöhner