Alle Bürger sind Botschafter der Stadt

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Vortrag im Zwei-Löwen-Klub am 18.02.2011

Die Chefin von Münster-Marketing hielt eine überraschende, aber einleuchtende Aufforderung parat: „Wir alle müssen Botschafter für die Stadt Münster sein!“ Um andere von den Vorteilen des Standorts zu überzeugen, damit sie in Münster einkaufen und nicht in Osnabrück, damit sie in Münster studieren und nicht in Köln, damit Firmen nach Münster kommen und sich nicht im Ruhrgebiet ansiedeln. Bernadette Spinnen: „Das geht nicht mit Flyern, sondern nur über gute Projekte.“ In ihrem Vortrag vor dem Civilclub (18. Februar 2011) überzeugte sie selbst als überzeugende Botschafterin der Stadt.

Am Anfang stand natürlich die Analyse des Produktes, bei der viele Defizite festgestellt wurden – „für Münster blieben nur die Pättkes“. Erste Vorlagen lieferte die Ideenschmiede, als deren Vertreter Dr. Andreas Freisfeld Gast dieses Abends war. Die entscheidende Grundlage stellte dann Professor Heribert Meffert her, der Marketing-„Papst“, wie er gern tituliert wird. Aus diesen tastenden Vorstößen entstand schließlich vor einem Jahrzehnt das Stadtmarketing mit Bernadette Spinnen an der Spitze.

Damit brauchte Münster ein Profil für die Werbung: „Wissenschaft und Lebensart“, was nicht einfach erfunden werden kann, sondern schon historisch, aktuell und zukunftsfähig begründet sein muss. Hier spielen eben die „lebenswerteste Stadt“ und die Excellenzen der Hochschulen zusammen.

Dazu wurden die Stärken gestärkt. Bernadette Spinnen nannte hierzu „IsI“, die Initiative starke Innenstadt, Kaufleute, die zusammen mit Stadtmarketing an Münsters Wettbewerbsvorteilen arbeiten. Dazu gehört beispielsweise die raffinierte Beleuchtung auf dem Prinzipalmarkt, die sich die Kaufleute immerhin 300 000 Euro kosten ließen. Dazu gehören der Schauraum und die Hansetafel, aber auch solch simple, aber wichtige Einrichtungen wie die Kinderbetreuung. Natürlich die Universität – die Referentin führte hier besonders den „Elternalarm“ an, durch Klaus Baumeister von den Westfälischen Nachrichten initiiert, der sich bereits zu einem ganz gezielten Botschafter für die Stadt ausgewachsen hat. Stadtmarketing weiß sich mit den wissenschaftlichen Stärken der Universität in einem Boot, beispielsweise wenn es um die Nano-Bio-Technologie geht. Und Stadtmarketing bemüht sich, Kongresse über die Wissenschaftler nach Münster zu holen: „Dann machen wir mit den Fachleiterin regelrechte Butterfahrten, um ihnen die Vorteile Münsters zu präsentieren.“ Inzwischen hat Stadtmarketing dafür ein Kongressbüro eingerichtet.

Die Stadt als Marke – „dazu haben wir eine Rolle vorwärts gemacht“, schwärmte Bernadette Spinnen und turnte mit vielen rudernden Bewegungen diese Rolle symbolisch vor. Wieso Rolle vorwärts? „Der Slogan kam von meinem Mann“, Dr. Burkhard Spinnen, der den Sprung nach vorn hierin zusammen fasste.

Die konzentrierten Bemühungen zeigen Erfolge, Kongresse konnten gebucht werden, die Übernachtungszahlen steigen überdurchschnittlich, die Innenstadt erweist sich durch den Ausbau der letzten Jahre als deutlich gestärkt. Was beim jüngsten Städteranking der Zeitschrift Capital einen dritten Platz wert war. Aber, so warb die Referentin, „wir brauchen dafür den Rat, die Verwaltung und alle Bürger.“
Dem lebhaften Vortrag von Frau Spinnen schloss sich ein nicht weniger munteres Fragespiel an, so dass der Referentin schließlich mit reichem Beifall gedankt wurde.
E.O.