CC-Jahresrückblick 2016

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Jahresrückblick 2016 von Dr. Köhling am 06. Januar 2017

Im 18. Jahrhundert schon
begann ein Club die Tradition,
sich ganz  civil  zu amüsieren, Geselligkeit zu kultivieren,
den Ruf der Wissenschaft zu pflegen
und feste Freundschaften zu hegen.

All dies im aufgeklärten Geiste,
der auch das Münsterland durchreiste:
Es war Voltaire, der dies beschrieb,
als es ihn zum Freund Friedrich trieb.
Ziel war Berlin, vorbei an Münster.
Der Weg vorbei war nass und finster.
Er schrieb das, unterkühlt und müde,
im optimistischen „Candide“.
Vom Rütteln in der Kutsch´ halb spastisch,
war die Beschreibung eher sarkastisch.
Nun gut,  wer solche Wege fährt,
der ist eben mal nicht aufgeklärt.
Wär´ er in unserer Stadt geblieben,
hätt´ er die Anfahrt nett beschrieben.
Und hätt´ er unseren Club besucht,
hätt´ er die Reise umgebucht .

Ob´s ein Club war - oder gar zwei,
war offenbar nicht zweifelsfrei.
Die Gründe, die zur Gründung führten,
hochwohlgelehrte Herr´n studierten,
die auf das werte Thema kamen.
Jacobi, Grawe sind die Namen.
Den ersten wir als Mitglied  führen,
der zweite sollte volontieren
wie auch der geistige Berater,
Herrn Dr. Grawes Doktorvater,
der Herr Großbölting.     (Im Gedicht
reimt sich ein solcher Name nicht.)

Zur Tradition gehört fürwahr
der Rückblick auf´s vergangene Jahr.
Das hatte Jürgen Klein geschickt
mit laun´gen Worten überbrückt.
Was sich kaum ließ mit Worten schildern,
das sahen wir in bunten Bildern.

Die Ehrungen  der Neujahrsfeier
gereichte Erhard Obermeyer,
der hochgeschätzte Präsident,
der sich ja nie beim Namen nennt,
obschon er doch mit viel Bedacht
den Club durch´s alte Jahr gebracht,
wie all´ die älteren Jahre mehr.
Ihm sei gedankt, mit Lob und Ehr.
Der Erhard war als Obertäter
ein Diamant, ein Hochkaräter:
Dass unser Club so wohl geraten,
liegt nicht zuletzt an seinen Taten.
Ihm kam es in der Tat drauf an,
dass unser Club noch wachsen kann
So konnte er, wie sie auch hießen,
sieben Civilisten neu begrüßen,
zum Teil mit deren Ehefrauen,
und Frau´n, die sich alleine  trauen.

Ein jeder, der im Ehrenamt
ist ebenfalls ein „Diamant“.
So Münsters Oberbürgermeister,
Markus W .  Lewe  heißt er,
Da fragt sich mancher Civilist
Warum der noch nicht Mitglied ist,
obschon es ihm bei uns gefiel
und er im Umgang recht civil.
Er widmet wohl die ganze Kraft
der kunterbunten Bürgerschaft.
Wir geben hiermit gerne kund:
Auch der Civilclub liebt es bunt.
Nur allzu radikale  Brüder
sind Civilisten arg zuwider.

Zum Schluss vertraute Erhard dann
dem Club die Namen derer an,
die es für kommende Jahre wagen,
selbst diamantene Last zu tragen. 
Hat Erhard selbst, vom Amt befreit,
wohl diesen seinen Schritt bereut? 
Uns schien, als freue er sich drauf
und atme gar ein wenig auf.
Doch lud er noch – so muss das sein –
zur Generalversammlung ein.
Geladen war´n gemäß den Listen
nur ordentliche Civilisten.
Wobei ja die Erfahrung spricht:
Unordentliche gibt es nicht.
Entsprechend groß war auch die Zahl
der Teilnehmer im Sitzungssaal.
Noch überwog die Männlichkeit,
doch scheint die Weiblichkeit bereit,
die Männerwelt auf hohen Sohlen
ganz unverhohlen einzuholen.
So durften wir nach strengem Wählen
drei Frau´n als Diamanten zählen.
Womit ja deren Führungsquote
die Männerwelt noch nicht bedrohte,
Mit diesem Viertel bleiben die Damen
man(n)ierlich noch im Führungsrahmen, 
doch kann im Himmel wie auf Erden
das Viertel ja zur Hälfte werden.

Der Club begrüßt in dieser Rolle
Frau Schleiermacher und Frau Nolle;
Frau Malwitz managet schon die ganzen
nun kerngesunden Clubfinanzen.
Doch hat der Präsident als Mann
wie immer noch die Hosen an.

Als Präsident trägt nun die Hos´
Regierungsschuldirektor Loos,
ein Mann, beruflich mit den Jahren,
lehramtlich international erfahren. 
Gar manchem schafft Weltoffenheit
so etwas wie Betroffenheit.
Der Club heißt sie indes willkommen,
ist sie uns doch zu Nutz und Frommen,
bereichert unseren weiten Blick.
Herr Loos trägt dazu bei, zum Glück.

Als frisch gewählter Vize kann
Johannes Krause-Isermann
in allen Weltanschauungsfragen
zu unserem Wissensstand beitragen,
und Wolfgang Hack führt nun die Schrift
der Clubevents mit seinem Stift. 
(Na ja, „Event“ ist Anglizismus,
doch „Clubevent“ passt in den Rhythmus)

Es wurde, was nicht Wunder nimmt,
wie vorgeschlagen abgestimmt,
mehr noch:  bei dieser Team-Gestaltung
und angemessener Stimmenthaltung
gab´s mit enormer Schnelligkeit
bei jeder Wahl Einhelligkeit.

Ein solches Team, just frisch gekürt
zu mutigen Beschlüssen führt.
So der, dies ohne viel Bedenken,
den Mitgliedsbeitrag leicht zu senken !
Es zahlt, so sehr es auch verwundert,
das Mitglied künftig nur 200.
Des Mitglieds Witwe kommt hingegen
die Hälfte dessen wohl gelegen.
Man hofft, dass nun auf diese Weise
ein jeder pünktlich überweise.
Zur Pünktlichkeit hilft gottseidank
der Einzugsauftrag an die Bank.

Zum Ausgleich eine Teuerung:
Der Club zahlt die Erneuerung
des Löwenclub´schen Mikrophones,
das in Ermanglung eines Tones
die Redner unversehens plagte,
weil es im Redeschwung versagte.
Herr Malwitz fand nach all´ der Plage
die Mikro-Lautsprecheranlage
LD-System, „Road-Buddy zehn“.
Das Mikro kann man künftig sehn
teils in des Redners freier Hand,
teils drahtlos am Krawattenband.
So mag der Club auf Wunsch zuweilen
dem Hausherrn selbst zur Hilfe eilen.

Es pflegen seit Jahrzehnten schon
die Damen die Institution
des „Damenkaffees“, der bekannt
durch Kaffee und durch Sachverstand.
Denn in demselben wird Kultur
gepflegt,  und die nicht nur
in Form vom vorgesehenen Verzehr 
des teuren Kuchenstücks, vielmehr 
durch die Erörterung von Themen
die den Verstand in Anspruch nehmen.
So anspruchsvoll, dass unter Anderem
die Herr´n den Kaffee unterwanderen.
Für manchen Vortrag würde es passen
den großen Saal öffnen zu lassen.

Ein Vorschlag, wegen des vermehrten
Bedarfs den „Kaffee“ aufzuwerten
und das Wort „Damen“ aufzugeben,
ging allerdings „vehement“ daneben:
Er fände nicht der Damen Quorum –
die wollen nun im „DamenForum“,
ihr Eigenwesen so belassen.
Doch Herren bleiben zugelassen. 

Beim Vortrag zur Ikonenwelt
hat man ein Drittel Herrn gezählt.
Es sprach Professor Wohlgemuth,
des Gender schien den Damen gut.

Hier weiterer Referenten Namen,
die zum Kaffee der Damen kamen –
pardon, um richtig zu beginnen:
es war´n zumeist Refe-rent-Innen.

Ein Beispiel ist:  Frau Maurach hat
fast den Da-Vinci-Code geknackt.
Weitgehend schon, da in Berlin,
die Dame mit dem Hermelin.
Die Mona Lisa blieb indessen
so rätselhaft wie unvergessen.
Das Flair der Frau, die rätselhaft
der Schönheit noch mehr Geltung schafft.
Kein Wunder, dass bei solchen Damen
viel bildungshungrige Herr´n teilnahmen.

Beim dritten Treffen warn´s die Damen,
die unter sich zusammenkamen.
Frau Strümper zeigte mit Bedacht
wie fein man Schokoladen macht.
Geheimisse des Chocolatier
sind heilig, und sein Metier
verlangt,  dass sie Geheimnis bleiben,
um Schokoladen zu vertreiben
mit all den unbekannten Düften.
Frau Strümper tat´s Geheimnis lüften.
Sie hat dabei auch nicht vergessen,
dass Frau´n  Pralinen gerne essen.
Gelobt sei ihr Entgegenkommen !

Den Herren blieb es unbenommen,
zusammen mit den süßen Damen
Kakaogenuss selbst nachzuahmen.
Denn einen Monat später nur
besuchte man die Manufaktur 
Frau Strümpers in der Loburg 30,
Ostbevern,  wo dieselbe fleißig
die Köstlichkeiten produziert.
Herr Wetzell hat uns hingeführt.
Dort durften wir die unverpackten
Pralinen beißen, bis sie knackten.
Nun macht gewollt und folgerichtig
Kakaogenuss ein wenig süchtig.
Doch diese Sucht ist kein Problem:
Man kann clamheimlich und bequem
in allen folgenden Suchtanfällen
die Schokoladen dort bestellen.

Hat auch das Süße seinen Reiz,
belastet zu viel unser Kreuz.
Gegebenenfalls spür´n wir beim Bücken
das Übermaß in unserm Rücken.
So gab´s beim Thema „Kreuz“, wie schade,
kein einz´ges Stückchen Schokolade.
Denn es ging nicht ums Leibeswohl -
das Thema war das Kreuzsymbol.

Das Kreuz ging vor dem Christentum
symbolisch schon in Uruk um.
Das Kreuz mit Haken ohne Bindung 
war eine indische Erfindung.
Die Römer wandten´s dann und wann
zur puren Machterhaltung an.
So wurd´ das Kreuz,  wir wissen´s wohl,
weltweit zum christlichen Symbol.
Herr Hubrich konnte das in Bildern
den CC-Damen kreuz-quer schildern
mit Funden, die in Gottes Namen
nach Aufruf schnell zutage kamen,
gesammelt, größer oder klein,
vom Alverskirchener Schatzverein.
Familie Hack fand mit viel Glück
gar archäologisch solch ein Stück.
So bietet auch die heimische Flur
ein Früh-Stück christlicher Kultur.

Dies führt uns nun in dem Gedichte
zur abendländischen Geschichte,
die, so Frau Loos, soweit man denkt,
durchweg vom Christentum durchtränkt:
Ganz zu Beginn der wunderbare
Geist apostolischer Missionare.
Alsdann im Sinn der Glaubensmehrung
die Wegbereitung der Bekehrung.
Im Mittelalter dann die Riege
zahlreicher Klöster als die Wiege
der abendländischen Kultur,
antik gegründet, doch nicht nur
dieses, denn sie hätten
gedient auch als Versorgungsstätten
mittels Vergabe freier Mähler
und in Gestalt der Hospitäler -
wie viele von uns kennen schon
das gotische Spital in Beaune !

Und schließlich noch die sukzessive
europaweite Offensive
der Kathedral´n,  die Bildung säten
mit ersten Universitäten.
Bologna sei zuerst benannt,
heut mehr durch seine Sauce bekannt.
Auch Prag, einst deutsch, gehört zum Rudel.
Dort isst man heut noch Apfelstrudel.

Von Münsters Ämtern insgesamt
das höchste ist des Türmers Amt.
Das hat im traditionellen Sinne
der Türmer Sankt Lambertis inne,
und dies seit 13 82.
Doch neuerdings, man staune, macht sich
an diese Arbeit nicht ein Mann,
vielmehr ein tüchtiges Weib heran:
Martje Fallé.  Sie trug dem Forum
nebst interessiertem Männer-Quorum
die türmerische Weitsicht vor.
Die Herrn entzückt, die Fraun ganz Ohr,
vernahmen, wie 300 Stufen
die Martje stets ins Amt hochrufen.
So wird denn aus der Türmerin
tagtäglich eine Stürmerin.
Und oben muss sie, nach dem Rasen,
halbstündlich in das Tuthorn blasen
triangulär von Süd bis Nord –
ein lungenkräftigender Sport.
Schön-Martje steht auch für Geschichten:
Sie konnte von den dunklen,  lichten
Zeitläuften dieses Amts berichten.
Auch musikalisch ein Genie,
wie sie bewies, versetzte sie
zum Schluss mit trefflichem Gesang
und ihrer Stimme süßem Klang
zur Laute aus der Renaissance
die Lauschenden in eine Trance.
„Ihr müden Bürger, schlafet nun, in Gott sei Eure Ruh´“,
sang sie die sanfte Melodei, und fügte noch hinzu:
Wenn´s drunten brennt aus einem Dach,
dann tute ich Euch zweimal wach.

Des Forums Hilfen reih´n sich fein
in unseres Clubs Diamanten ein.
Sie wirken mit gemeinem Sinn
civil auf ein Verdienstkreuz hin.
Dabei kommt es, ob Frau, ob Mann
nicht auf den Genderstatus an.

Die Treffen in dem großen Saal
sind prinzipiell geschlechtsneutral.
Hier knüpfen freundschaftliche Bänder
die Mitglieder fast aller Gender.
Denn Vorträge des Clubs verlohnen
schon wegen der Resource-Personen
und, um es schon vorwegzunehmen,
auch angesichts der Bildungsthemen.

Der Bildungskreis ist kunterbunt,
doch dies Jahr stand im Vordergrund
der menschlichen Erbauung Quelle:
Das Körperlose, Spirituelle,
das Kirchliche und Religiöse,
die Trennung zwischen Gut und Böse,
des Menschen Selbstbestimmunglos.

Mit Martin Luther ging es los.
Mit Professoren als Dozenten
vor Civilisten als Studenten.

Professor Beutel ließ uns wissen,
was wir von Luther wissen müssen:
Dass er, und das sei ziemlich klar,
dem Glauben wohlgesonnen war.
Nur habe er sich ausgedacht,
das ging mit weniger Kirchenmacht,
vielmehr nach eigenem Gewissen
- was wir schon von Aquinus wissen -,
im Mut zu wahren, klaren Worten,
in geist´ger Freiheit allerorten,
selbst in den Klöstern und Konventen,
ganz unberührt von Argumenten,
dass dort die Freiheit, eine laxe,
die Menschheit sichtlich wachsen lasse.

Er predigte an vielen Orten
in seinen eigenen, starken Worten.
Gar manches starke Wort ist auch
noch heute deftig in Gebrauch.
So war die Bibel Luthers endlich
zum ersten Mal auf Deutsch verständlich,
und schließlich durften Christenwesen,
dieselbe ohne Lesung lesen.
Statt krümmlich wie der Lauf Mäanders
stand Luther grad´ und konnt´ nicht anders.
Als Katholik, nicht Protestant
zu Worms er zur Debatte stand.
„Protest“ schien ihm zu radikal
„Reform“ war seines Sinnes Wahl.
Doch unversehens war der Sünder
ein Protestant und Kirchengründer.

Denselben Schuh zog sich sodann
die Frau Professor Sattler an
zumal seit einiger Zeit bekannt
dass er die Thesen wohl versandt
statt an die Kirchentür zu schlagen,
das heißt absichtlich sozusagen
als Katholik gestritten hat.
So fand der Streit darüber statt
dass,  was die  römische Kirche lehre,
doch besser praktizieret wäre. 

Dem stimmte in gelassener Ruh
Frau Sattler ökumenisch zu:
Die Ansicht stünde heutzutage
ganz überwiegend außer Frage.
Zwar stell´ ein Reformationsalter
Rom´s Papst als „Antichristen“ dar,
doch könne man in unseren Tagen
vom Nachfolger kaum Gleiches sagen.
Ein ökumenisierter Glaube
mithin auch die Idee erlaube:
Käm´ Martin Luther heut zurück,
wär er womöglich Katholik ?

Rein theologisch sollt´ man wagen,
die Kontroversen abzutragen.
Es sei´n mit christlichem Verständnis
im beiderkirchlichen Bekenntnis
nur wenige zu konstatieren,
die Unvereinbares berühren,
zumal in beiden Konfessionen
tauschbare Fraktionen wohnen.
Bleibe nach heut´gem Stand der Kenntnis
das arg verschiedene Amtsverständnis.
Dies überbrücke notabene
zunächst einmal die Ökumene:
Warum sollt´ man in diesen Zeiten
sich kirchenamtlich weiter streiten,
wenn man sich besser drauf besönne,
dass man sich das kaum leisten könne.
Gemeinsam wolle man erklären,
sich ökumenisch zu bewähren.
Doch besser wär´s, es würde glücken
die Lücken schnell zu überbrücken.

Den Dichter drängt es nun sogar
zum Stoßgebet statt Kommentar:
„O göttliche Dreieinigkeit
mach´ Einigkeit zur Kleinigkeit.“

Professor Sternberg sprach im Maien
zur Rolle der katholischen Laien
in allen diesen Diskussionen,
wobei die kaum ein Thema schonen.
Er sprach, so wie man ihn nun kennt,
als dieser Laien Präsident.
Ein Thema ihm rein amtlich lag:
Der nächste Katholikentag,
dem Münsters Rat, so bunt der tagte,
ganz  schnöd den Barzuschuss versagte. 
Er fand, dass Dortmund, hoch in Schulden,
den Kirchentag, statt nur zu dulden,
bedenke mit gut 2 Millionen.
Dort scheine es sich wohl zu lohnen,
dabei mit evangelischen Frommen
und anderen ins Gespräch zu kommen.
Und Leipzigs Mehrheits-Atheisten
ertrügen selbst katholische Christen
und scheuten nicht, beim Finanzieren
den Christengeist zu inhalieren.
Selbst Habermas, der Revolutionelle,
seh´ Christus als Bewusstseinsquelle,
die sorgsam zu bedenken sei.
Doch Münsters Rat war´s einerlei.
Die Stadt, angeblich so katholisch,
beteil´ge sich nun mehr symbolisch.

Doch dieses sei sein Thema nicht,
er habe eine andere Sicht
der Dinge, die nun interessieren,
um den Tag zum Erfolg zu führen:
Der müsse ökumenisch sein,
und dieses nicht nur so zum Schein - 
der allgemeine Glaubensschwund
tu´ sich in beiden Kirchen kund. 
Zentrales Thema sei die Liebe
und nicht die sexuellen Triebe
oder des Ehebunds Gestaltung,
vielmehr des Gläubigen innere Haltung.
auf freie Räume weise da
die päpstliche Enzyklika
der „Amoris Laetitia“.
Die überbrücke nun die Quere
der Wirklichkeit zur Kirchenlehre.  
So könne man vor Ort die alten
Probleme menschlicher gestalten.
Der Christen Kirchen Fundament
sei doch das Neue Testament
mit dessen ursprünglichen Werten,
und philosophisch aufgeklärten.
Der Präsident fand resümierend
den Vortrag einfach faszinierend.
So brach das volle Löwen-Haus.
in einen langen Beifall aus.
Selbst die zwei Löwen im Verein,
die schauten weniger grimmig drein.

Ein jeder Christ mit Rückblick findet,
dass ihn das Judentum verbindet.
Vor Moses, Petrus, Luther kam
ja unbestritten Abraham.
Doch muss man sich dann wohl auch fragen,
was gläubige Juden dazu sagen, 
meint Herr Jakobi, und er sprach
zum immerwährenden Ungemach
des Juden, der akkulturiert,
sich dennoch ausgegrenzt verspürt.
Das mussten in den dreißiger Jahren
die deutschen Juden jäh erfahren,
und selbst im kultivierten Münster
war die Geschichte gleichfalls finster:
Verfassungsrechtlich gleichgestellt
bestand doch die reale Welt
auch Münsteraner Juden bald
aus Übergriffen und Gewalt.
Wie Stolpersteine heut´ bekunden
war´n sie alsbald im Nichts verschwunden.
Kultur ins Gegenteil sich wandelt,
wenn man nicht ständig danach handelt.
Mir scheint, wir haben in unserer Zeit
nun selbst dazu Gelegenheit.

Zum Vortrag ist hinzuzufügen:
Es kann nicht nur am Thema liegen
dass er so viel Interesse fand.
Denn nur durch Zufall wurd´ bekannt,
dass unser Fischmarkt-Postfach jetzt
von Kita-Spatzen ist besetzt.
Das hinderte erheblich schon
die Melde-Kommunikation.
Des Weiteren bleibt anzumerken:
Die Deutsche Post hat ihre Stärken,
in der Gestaltung von Gebühren,
sofern die zur Erhöhung führen.
Doch hat sie ziemlich ungerührt
den Vortrag zeitlich ignoriert.
Ihr Zustelldienst benötigt sage
und schreibe ganze vierzehn Tage;
das Roxeler Postfach kam nach Wochen
aus der Stadt Erfurt angekrochen -
Es eilten zu der Ankunftsfeier
die Herren Loos und Obermeyer.

Doch nun weg von der Prozedur
zurück zur hehren Clubkultur.

Die geistigen Themen ließen kaum
den weltlichen genügend Raum.
Obschon den Erdenmenschen rührt,
was sonst an Wichtigem passiert. 

Herr Ohlms beschrieb mit Akribie
die Wende deutscher Energie,
und mit gewisser Leidenschaft,
was die uns für Probleme schafft,
nachdem die Kernkraft abgeschaltet,
am Investitionsmarkt Chaos waltet
und wegen der Nachfragespitzen
die Kraftwerke im Schatten sitzen,
dieweil die sauberen Energien
inzwischen derart stark gediehen,
dass sie in ruhigen Momenten
fast jede Menge liefern könnten.
Da aber Regen, Sonne, Wind
nur göttlich regulierbar sind,
zudem für diese sauberen Schätze
zum einen fehl´n die nötigen Netze,
zum anderen der Strom, o Mann,
nur kurz gespeichert werden kann,
bringt uns die energet´sche Wende
politischen Zündstoff ohne Ende,
und wird doch, das sieht jeder ein,
zum Schutz der Umwelt nötig sein.
Das Fazit:   Strom wird zwar nicht heuer,
doch in der Zukunft  doppelt  teuer.
Zu dieser Einsicht fehlt uns ganz
gewiss die nötige Akzeptanz,
meint Ohlms  -  doch wie ich meine
kommt dieser Preis von ganz alleine.
Es sei denn, irgendein Genie
erfindet eine Batterie,
die allen Strom in dieser Welt
für Hochbedarf auf Vorrat hält.
Wenn´s geht, in Münsters WWU –
vielleicht stimmt Düsseldorf dem zu.

Auch des Civilclubs Energie
verlässt sich auf die Batterie
der präsidialen Führungskraft.
Selbst wenn dieselbe fabelhaft 
funktioniert und alles schafft,
muss sie laut Satzung hier auf Erden
gesetzlich ausgewechselt werden.
Nach langen Jahren übergab
der Erhard den Präsidenstab
an unsern Clubfreund Arnold Loos.
Der Wechsel klappte reibungslos.
In allen Reden wurde klar,
welch Glücksfall Obermeyer war,
in welch hohem Maß sich´s fügte,
wie er dem schweren Amt genügte,
dass er sich treulich Tag und Nacht
um seinen Club verdient gemacht.
Den Staffel-Läufern wurd´ derweil
ein ebenbürtig Lob zuteil:
Zunächst einmal, wie der geschickte
Herr Loos den Wechsel überbrückte,
nicht auf die Übergabe wartete, 
vielmehr bereits im Wechsel startete,
und dies mit Verve und einem Stil, 
der uns beim Erhard schon gefiel.
Und wie Herr Krause Isermann
als angesehener Kirchenmann
und renommierter Theologe
auf stiller See wie wilder Woge 
erfolgreich Menschen fischen kann  -
sofern die sich beim Netzeziehen
um eine Mitgliedschaft bemühen.
So kann der Club voller Vertrauen
mit Frohsinn in die Zukunft schauen. 
Nicht nur, die das Clubschiff steuern,
nein, auch die Mannschaft möcht´ mal feiern.
(Pardon, das war nicht bös gemeint:
Die Frauschaft ist ja mitvereint,
denn der Civilclub lässt zum Glück
die Mitgliedinnen nicht zurück.
Ganz unabhängig vom Geschlecht
ist jeder-ma- (Räusper) das Feiern recht.)

Und das geschah kurz nach der Wende
auf Münsters Mühlenhofgelände
am Aasee, und das im August,
dem Monat höchster Sommerlust.
Ein „Orgateam“ hat´s vorbereitet -
bereits der Name  Lust verbreitet,
die dann noch tüchtig reüssierte,
weil eine Jazzband musizierte.
Da die Erinnerungen regte,
sich manches Taktbein mitbewegte.
Die Jazzband konnte spielend schreiten.
Wir durften sie dabei begleiten
und konnten mit viel Takt im Geh´n
den ganzen Mühlenhof beseh´n.
Kaum war´n die Führungen passé,
eröffnete das Hausbüfett.
Wir speisten bunt von irdenen Schalen
vom Mittelmeer bis nach Westfalen.
Zum Nachtisch gab´s,  auf Englisch aber,
den süßen Ice Cream von Chris Barber.
So hält man sich, wo irgend möglich,
auch im Civilclub flott beweglich.
Der Wunsch kam auf – man konnt´ es ahnen –
fest ein Dakapo einzuplanen.

Klavierkonzerte sind die starke
alljährliche Civilclubmarke.
Es konferiert Professor Götze -
so gab´s auch diesmal kaum noch Plätze
beim münsterländ´schen Abendmahle
im herbstlich kühlen Löwensaale.
Für Wärme sorgten mit enormer
Lust die folgenden Musikperformer:
Der Herr Professor Clemens Rave,
sodann zwei junge, doch recht brave
wie bravouröse Meisterschüler, 
die, wenn gepaart, als Vierhandspieler,
und mit Professor Raves Händen 
sechshändig höchsten Wohlklang spenden.
Die Miao Ché, der Keran Xíe –
die Namen sind schon Harmonie.
Sie produzierten klare, schöne,
ja makellose Flügeltöne
von Händel über Brahms zum Swing -
ein Jeder fand sein Lieblingsding.
Die Meisterschüler, da Chinesen,
wär´n allzugern bereit gewesen
Brahms Praterwalzer, wie von vielen
gewünscht ein zweites Mal zu spielen
mit ihren meistel lichen Handen
hätten sie´s Deutsche nur verstanden !
Sie war´n, wie üblich, jederzeit
zu ihrer Zugabe bereit.
Die Hörer probten ihr Gedächtnis:
War dies Brahms Praterwalzvermächtnis ?
In manchen Stirnen sah man Falten,
die Zweifel dort vertieft gestalten.
Selbst mit gewagter Phantasie,
der Praterwalzer war das nie !
Doch der Ersatz ward´  auch willkommen
mit großem Beifall aufgenommen.

Und im November stand sodann 
Herrn Grawes Forschungsarbeit an,
die „Wendepunkte der Geschichte“
unseres Clubs.  In dem Berichte
schafft er mit kristalliner Klarheit
die,  ja,  beruhigende Wahrheit -
man kann´s in die Annalen schreiben:
Es wird wohl ein Geheimnis bleiben,
wie der Civilclub einst gegründet,
weil man da keine Quellen findet.  
Nicht in Archiven, nicht in Akten
befinden sich entsprechende Fakten - 
wahrscheinlich ist, was einst bekannt,
im tausendjähr´gen Reich verbrannt.
Zum Ausgleich kam indes zulichte
die etwas jüngere Clubgeschichte:

Wie - als die Aufklärung passierte –  
der Adel sich dort integrierte.
Wie Preußen dann die unbekannten
Beamten, das heißt Protestanten
in hohe Positionen wuchtete
und damit auch den Club befruchtete,
und das, nachdem der Blücher spricht:
„Dies Münster, das gefällt mich nicht“.
Wie Nazis dann in ihrem Walten
den Club versuchten gleichzuschalten,
wobei der Provinzialverband
mit ständigem Druck darauf bestand,
auf Schmisings Hof ganz zu verzichten,
um dieses Schmuckstück herzurichten,
dass er am siegesreichen Ende
des Führers Wohlgefallen fände.
Der Club, der muckte im Verlauf 
des Handels widerspenstig auf.
Das reichte nach dem Kriege schon
zur Ent-nazi-fi-ka-tion.
Und die Moral von der Geschichte
beurteilt sich in folgendem Lichte:
Bevor der Endsieg in der Tasche
lag Schmisings Hof in Schutt und Asche. 
Womit der Club, das kam halt vor,
den Hof und auch das Geld verlor.
Doch mit des Endsiegkrieges Ende
gab es Gelegenheit zur Wende:
Um Preußens Glorie war´s geschehen,
(von Preußen Münster abgesehen).
Jetzt hatte wie in alten Tagen
das  Rheinland wieder mehr zu sagen.
Der Club nahm das entschlossen hin
nicht aufzugeben war sein Sinn
Selbst ohne eigene Residenz
bewies er weiterhin Präsenz
und konnte sich nun damit zieren,
post bellum frisch zu integrieren
die Bildungsbürger aus dem Osten,
ob Christen - oder auch Agnosten.

Soweit im recherchiertem Lichte
die nachweisbare Zeitgeschichte.
Herr Obermeyer moderierte,
der Herr Jacobi annotierte.
Der Beifall galt aus allen Reihen
ganz demokratisch allen Dreien. 

Zum Jahresabschluss traf sich labend
der Club beseelt zum Nik´lausabend.
Der Heilige steht uns jederzeit
in Mönsters Ghräftenhoff bereit.
Doch dass er ein Problemchen hat
ist offenbar:  Er kann kein Platt.
So hat er Präsident Loos gebeten,
ihn,  wenn auch hochdeutsch,  zu vertreten.
(Ich weiß, ganz logisch ist das nicht –
doch passt es gut zu dem Gedicht.)

Sankt Nik´laus Loos und wir haben´s freilich
zur Heiligkeit nicht ganz so eilig,
doch ist er, wie ihn jeder kennt,
auf hochdeutsch wane kompetent.
Mit großer Sorgfalt vorbereitet
hat er´s Programm beredt begleitet:

Zur Festmusik zur Abendröte
auf dem Piano und der Flöte,
als unsere Türmerin,  getürmt,
mit Christmas-songs den Saal gestürmt,
um sich um Viertelvor zu sputen
zum Nine-o´clock-Lamberti-Tuten.
Sankt Nik´laus Loos führte sodann
den Sang von Weihnachtsliedern an
und die Geschichte von der Nacht,
in der ein Kind uns Glück gebracht.
Dann unternahm er´s,  die bekannten
stets arbeitsamen Diamanten
des Clubs gebührend zu beehren
und mit Geschenken zu bescheren,
die Würdenträger dieser Feier:
Als ersten Erhard Obermeyer.
Statt einer Flasche aus dem Keller
gab´s einen prächt´gen Silberteller,
der aber, wie er sofort spürte, 
die Amtszeit falsch im Schilde führte –
tja, lieber Erhard, lass Dir sagen
wir hätten Dich zeitlos vertragen.
Sodann – wie kann es anders sein -
die Ehrenamtlichen mit Wein;
es waren 15 Civilisten,
die als erfahrene Artisten
und kluge Organisatoren
den Club auch kreativ erkoren.
Ein Dank an sie – doch unbenommen
sind weitere Helfer stets willkommen.
Gewisse Lücken gibt´s schon jetzt
dort, wo der Rundbrief sich vernetzt;
Wer diese füllt, zählt zu den Helden,
drum sollt´ man sich beizeiten melden.

Bei all dem hätt´ ich fast vergessen:
Wir kamen auch zum Grünkohlessen.
Zum Geist, der edel, reich und pur
Gesellt sich gern die Esskultur. 
Wie war das noch?   Der plenus venter
nil obstat sana mens libenter.

Das war das Jahr:  Civil war´s schön,
ansonsten weniger angenehm.
Drum schaun wir einfach mal getrost
in dieses Jahr und sagen:   Prost!

So einfach ist es,  in Geschichten,
den Satz am Ende zu verdichten !

Beim Dichten ist es wie beim Lotto
Für beides gilt das gleiche Motto:
Sinnvolle  Zahlen bereiten Qualen -
man nehme lieber schöne Zahlen.
Und macht´s Gedicht auch keinen Sinn -
der Reim ist da der Hauptgewinn !
Verhindert´s Denken einen Reim,
Dann soll der Reim entscheidend sein.
So denkt beim Vortrag der Poet:
Dem Sinn zu geben ist´s zu spät.
Die Stimmkraft meine Worte trage,
der Sinn bleibt eine offene Frage.
Doch weiß ich sicher, was ich dachte,
sobald ich höre, was ich sagte.                  
Pek